Selmer (25) gibt Gas und gerät vor dem Amtsgericht in Erklärungsnot

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Schlichtweg unbelehrbar: Obwohl er genau wusste, dass sein Roller zu schnell und so führerscheinpflichtig war, stellte ein Selmer (21) sein Glück erneut auf die Probe und gab Gas.

von Sylvia Mönnig

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, 07.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Amtsgericht Lünen geriet der Selmer nun in Erklärungsnöte. 25 Stundenkilometer durfte der Roller des jungen Mannes fahren – mehr nicht. Und genau das hatte er bereits in drei Prozessen leidvoll erfahren müssen. Doch selbst die Geldauflage, die ihm das Lüner Amtsgericht zuletzt im vergangenen Herbst erteilte, konnte ihn offenbar nicht sonderlich beeindrucken.

Am späten Abend des 6. Februar war er mit dem Zweirad, das nicht ausreichend gedrosselt war, auf der Kreisstraße unterwegs und geriet in eine Kontrolle. Das Gleiche spielte sich in der Nacht auf den 3. Juli ab. Wieder befuhr er die Kreisstraße, wieder war er zu schnell und wieder begegnete er der Polizei.

Fahren ohne Fahrerlaubnis wurde dem 21-Jährigen nun also erneut zur Last gelegt. Die beiden Taten räumte er auch im Wesentlichen ein, wobei er versuchte, beide Vorfälle in ein milderes Licht zu rücken. So betonte er, was die erste Fahrt im Februar betraf, er habe gedacht, der Roller bringe maximal Tempo 30. Dass auch 30 zu viel war, ließ er dabei mehr oder weniger gekonnt unter den Tisch fallen. Im zweiten Fall erklärte er, erst während der Fahrt gemerkt zu haben, dass er viel zu schnell war. Aber dann, so gab er zu, habe er auch gewusst, dass er das nicht gedurft hätte.

Richter rät: „Fahren Sie Fahrrad“

Der Richter fand bereits für die erste Fahrt und die vermeintliche Arglosigkeit deutliche Worte: „Das hätten Sie wissen müssen, wenn Sie sich damit vernünftig beschäftigt hätten.“ Im Hinblick auf die zweite Fahrt und die Vergangenheit des Selmers redete er ebenfalls Tacheles: „Wie bescheuert ist das denn? Fahren Sie Fahrrad.“ Irgendwann könne so etwas für den 21-Jährigen mit Gefängnis enden. Und auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe konnte wenig Positives berichten. Alle Maßnahmen des Jugendrechts seien bislang erfolglos gewesen.

Letztlich endete der Prozess mit 600 Euro Geldstrafe, acht Monaten Sperrfrist zur Erteilung der Fahrerlaubnis und als Denkzettel, wie der Richter betonte, drei Monate Fahrverbot. Konkret heißt das, dass der Selmer in der Zeit nichts fahren darf, was einen Motor besitzt – noch nicht einmal einen E-Scooter.

„Das ist jetzt der vorletzte Schritt, so bitter das ist. Der letzte Schritt ist Gefängnis“, warnte der Richter noch einmal, sprach von Unbelehrbarkeit und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass Sie jetzt begriffen haben, dass es so nicht geht.“ Ein Hauch Einsicht bewies der junge Mann nun tatsächlich. Er akzeptierte seine Strafe und das Urteil wurde umgehend rechtskräftig.

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