Viel zu tun für Selmer Ärzte und Apotheker: Raupen und Milben reizen die Haut

rnStarker Juckreiz

Viele Selmer kratzen sich gerade verstärkt: Es juckt und auf der Haut sind Quaddeln und Bläschen zu sehen. Die Apotheken haben starken Kundenverkehr und auch die Wartezimmer sind voll.

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, 13.06.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

„So habe ich das auch noch nicht erlebt“, sagt Hautarzt Dr. Andreas Leibing. „In den letzten 14 Tagen kommen verstärkt Patienten mit starkem Juckreiz in die Praxis.“

Ein Grund dafür ist der Eichenprozessionsspinner, dessen Härchen Reizungen auslösen, bei empfindlichen Menschen sogar starke allergische Reaktionen hervorrufen. Dabei muss man nicht einmal unter einer Eiche gesessen haben, erklärt der Selmer Dermatologe. „Ein Spaziergang mit dem Hund oder eine Fahrradtour durch den Wald können auch schon reichen.“

Selmer Arzt: Günstiges Jahr auch für Pflanzenmilben

Doch nicht nur die haarigen Raupen auf den Eichen treten in diesem Jahr häufiger als sonst auf, auch für Pflanzenmilben scheint es laut Leibing ein günstiges Jahr zu sein. „Wir haben etliche Patienten mit Stichen“, sagt Dr. Leibing. Die oft auch „Erntekrätze“ (Trombidiose) genannte Hautveränderung ist ebenfalls stark juckend. Die juckenden Quaddeln ähneln Mückenstichen, treten aber in größerer Zahl auf. Auch der Juckreiz hält deutlich länger an: Die Beschwerden klingen erst nach 10 bis 14 Tagen spontan ab.

Die Raupenhaardermatitis ist aktuell aber das größere Problem, haben Hautarzt und auch Apotheken beobachtet. „Das juckt unendlich“, sagt der Dermatologe.

Auch Apotheker Matthias Badelt registrierte „auffällig viele“ Kunden mit Juckreiz. „Es ist aber immer offen, wo es genau herkommt“, sagt er. Viele hätten auch nur stark juckende Insektenstiche - und da wisse man nie, wo das Tier seinen Rüssel zuvor hineingesteckt habe.

Hausmittel bringen nichts

Doch wo der Juckreiz sehr schlimm ist, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, rät Leibing. „Wer nachts nicht schlafen kann, soll auf jeden Fall kommen. Hausmittel bringen da nichts.“ Tatsächlich würde in solchen Fällen nur ein Cortison-Präparat helfen.

Doch ein Verschanzen in geschlossenen Räumen muss auch nicht sein: Die Selmer können den Reizungen vorbeugen. Der Kreis Unna rät zum Beispiel, nach einem Spaziergang sofort unter die Dusche zu gehen und die Haare zu waschen. Wer gerade keine Dusche zur Hand habe, könne die zuvor unbedeckten Stellen der Haut mit kaltem Wasser abwaschen und trocken tupfen, aber besser nicht rubbeln. Die Reizungen seien nämlich meist an Armen, dem Dekolletee und Schultern, oder ein wenig tiefer, weil die Raupenhaare etwas rutschen würden.

Augen und Atemwege potenziell betroffen

Allerdings sollten empfindliche Menschen nicht nur auf ihre Haut allein achten. „Auch Entzündungen der Augenbindehaut, Husten und Halsschmerzen können auftreten, wenn die Haare in Augen oder die Atemwege gelange“, erklärt Dr. Roland Staudt, Amtsarzt beim Kreis Unna. „In Einzelfällen kann es bei überempfindlichen Personen zu allergischen Schockreaktionen kommen.“ Auch er rät: „Wer stärkere Beschwerden hat, sollte zum Arzt gehen.“ Für Tiere ist der Eichenprozessionsspinner übrigens auch nicht ganz ungefährlich: Hunde und Katzen können nach dem Kontakt mit den Gifthärchen Entzündungen an Haut und Augen mit nach Hause bringen.

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