Selmer Anwälte nehmen Kronzeugen in die Mangel

Bandido-Prozess

Die 14. Sitzung im Bandidos-Prozess am Landgericht Münster war der erste große Tag der Rechtsanwälte. Zum ersten Mal konnten sie am Dienstag den Kronzeugen der Anklage befragen. Und das taten vor allem die Anwälte des 46-jährigen Selmer Bandidos sofort mit harten Bandagen. Denn für ihren Mandanten geht es um viel.

SELM

15.03.2016, 19:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mitglieder des Motorradclubs "Bandidos", hier auf einem Archivbild in Bottrop.

Mitglieder des Motorradclubs "Bandidos", hier auf einem Archivbild in Bottrop.

Der Kronzeuge belastet den Selmer als Vertrauten des Bandido-Bosses, als Finanzier vieler Drogengeschäfte, als Lieferant von Amphetamin und Besitzer eines Maschinengewehrs. Auch gegen die anderen Rocker hatte er ausgesagt. Da ging es um den brutalen Überfall auf einen Südkirchener Dealer sowie umfangreiche Marihuana-Importe aus Holland.

Verteidiger klären Einfluss von Polizei und Staatsanwaltschaft

Die Verteidiger wollen den Wert des Kronzeugen für die Anklage erschüttern. Deshalb möchten sie aufklären, ob Polizei und Staatsanwalt ihm unlautere Versprechungen für seine Aussagen gemacht haben: Ersparten sie ihm eine Untersuchungshaft trotz eigener Verstrickungen? Stellten sie ihm eine Bewährungsstrafe in Aussicht? Boten sie ihm Geld an? Träfe davon etwas zu, so läge es außerhalb des gesetzlich vorgesehenen Rahmens. Dann dürften die Aussagen des Zeugen nicht verwertet werden.

All dies wollte ein Anwalt des Selmer Rockers vor der weiteren Befragung des Kronzeugen geklärt wissen und deshalb sogar den Staatsanwalt in den Zeugenstand rufen. Als der Vorsitzende Richter dies ablehnte, beantragte der Anwalt einen formellen Beschluss der Strafkammer, der dann erfolgte.

Anwälte arbeiten Widersprüche beim Kronzeugen heraus

Sowohl der Staatsanwalt als auch der Zeuge versicherten allerdings, dass es keine Versprechungen oder Zahlungen gegeben habe. Immerhin stellte sich aber heraus, dass die Zeugenschutzbeamten des Kronzeugen dessen Motorrad verkauft hatten, um damit seine Schulden zu bezahlen.

Aus Sicht der Verteidiger ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Auch inhaltlich arbeiteten die Rechtsanwälte Widersprüche in den Berichten des Kronzeugen heraus. Die erklärte er unter anderem damit, dass er sich anfangs selbst nicht so stark belasten wollte. Dann habe er sich einen eigenen Anwalt genommen. Und der habe ihm geraten, „vollständig auszupacken“. Das Kreuzverhör der Rechtsanwälte wird am Freitag fortgesetzt.

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