Selmer Autohändler: Wenige Kunden für E-Autos

Kaum Nachfrage

Die Zahlen sind niedrig: Noch steckt das Thema Elektromobilität in Selm in den Kinderschuhen. Von rund 20.000 zugelassenen Fahrzeugen sind nur 37 Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge - das ist ein Anteil von knapp 0,19 Prozent. Eine Nachfrage unter den Händlern zeigt: Das Interesse an dem Thema ist bei Privatleuten ziemlich gering.

Selm

, 30.08.2016 / Lesedauer: 3 min
Selmer Autohändler: Wenige Kunden für E-Autos

Einige Ladestationen für E-Autos gibt es, auch die Händler haben die Fahrzeuge im Angebot – die Selmer bleiben beim Thema Elektromobilität aber skeptisch.

Bundesweite Prämie für Elektroautos und steigendes Umweltbewusstsein zum Trotz: Autos, die mit Strom fahren, sind in Selm eine Seltenheit. Und die Nachfrage in den Autohäusern ist „gleich null“, sagt zumindest Beate Tuschmann, Geschäftsführerin des gleichnamigen Kia-Autohauses. Sie habe noch kein E-Fahrzeug in Selm verkauft, selbst die neue Prämie locke nicht, sagt Beate Tuschmann. Die neue Fördermöglichkeit gibt es seit Anfang Juli.

Wer ein Elektroauto kauft, kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) Gelder beantragen. Für ein reines Elektroauto gibt es so bis zu 4000 Euro, für Hybride 3000. Wie viele Anträge aus Selm eingegangen sind, kann das Bafa auf Nachfrage nicht sagen. Im ersten Monat hat es aus ganz NRW jedoch lediglich 307 Anträge gegeben. Aus dem 1,2 Milliarden Euro schweren Topf wurden bundesweit erst 6,6 Millionen Euro angefordert. Zum Vergleich: Als 2009 die Abwrackprämie gezahlt wurde, gingen beim Bafa innerhalb weniger Tage 150.000 Anträge ein.

Trotz Prämien keine Anfragen nach Elektroautos

Doch davon ist in Selm noch nichts angekommen. Trotz Werbung gebe es auch mit der neuen Prämie in Selm keine Anfrage zu verzeichnen, sagt Dirk Philipp, Verkaufsleiter Vertrieb des Autohauses Rüschkamp in Selm. Das Autohaus verkaufe zwar im gewerblichen Bereich E-Autos, Privatleute hätten sich noch nicht gemeldet. „Ich glaube, dazu ist der Spritpreis noch zu günstig, deshalb scheuen die Leute noch die Investition in Elektromobilität“, sagt Dirk Philipp.

Andere Erfahrungen hat das Autohaus beispielsweise in der Nachbarstadt Lünen gemacht. Dort haben Autofahrer den sogenannten Umweltbonus für Elektro-Autos angefordert. Das bestätigt Joan Hendrik Rüschkamp, Inhaber des Autohauses Rüschkamp und seit über 20 Jahren in der Förderung von Elektromobilität engagiert. Vorletzte Woche seien im Autohaus drei Peugeot-Elektroautos verkauft worden.

„Das ist alles langsam angelaufen, weil die Hersteller das noch nicht kannten“, sagt Rüschkamp, „auch die Verbraucher gucken sich natürlich erst einmal um. Ich gehe davon aus, dass das alles noch zunehmen wird.“ Optimistisch sei er auch, weil im kommenden Jahr leistungsfähigere und reichweitenstärkere Autos - etwa der Opel Ampera-E - an den Start gingen.

Kein Interesse an Elektromobilität verzeichnet das Autohaus Horst in Bork. Noch habe man keinem Kunden ein Angebot für ein E-Fahrzeug machen können, sagt Verkaufsleiter Michael Schröer. Mit der Elektromobilität „tun sich die Verbraucher noch sehr schwer“, sind seine Erfahrungen, trotz der Prämie. Verstehen kann der Verkaufsleiter das Zögern der Verbraucher. Es sei ein Abwägen von Vor- und Nachteilen. Und noch sei das Netz an Aufladestationen nicht sehr dicht, sagt Schröer.

Lademöglichkeiten in Selm vorhanden

Aktuell gib es in Selm eine öffentliche Stromtankstelle am Bürgerhaus, die von RWE betrieben wird. Dazu gibt es drei Ladestationen: am Autohaus Rüschkamp, Kreisstraße, am Hellweg-Baumarkt, Lüdinghausener Straße und an der Druckerei Lonnemann an der Ludgeristraße. Und dann gibt es noch Schnellladestationen, wie zum Beispiel die am Kamener Kreuz. An solchen Powerstationen können 80 Prozent der Batterie in einer halben Stunde geladen werden.

Lademöglichkeiten sind in Selm also vorhanden. Trotzdem sei die Nachfrage „mal mehr, mal weniger“, sagt Achim Jahn, Geschäftsführer des Autohauses Jahn. Etwa einmal im Monat frage jemand nach E-Autos. Oft verhielten sich die Interessenten aber abwartend. „Das Manko ist immer noch die Reichweite“, sagt Jahn über die Skepsis der Interessenten. Immerhin drei Elektroautos habe er in letzter Zeit verkaufen können, sagt Jahn, allerdings in die Nachbarstädte. Der Renault Twizy, ein Leichtkraftfahrzeug mit zwei Sitzen, werde für kurze Fahren im Stadtverkehr genutzt. Viel mehr Nachfrage erwartet der Autohändler aber in der nahen Zukunft nicht.

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