Selmer Bandido will nicht in Finnland aussagen

Drogenhandel auch im Ausland

Derzeit muss sich ein Selmer Bandido vor dem Landgericht Münster verantworten. Zusätzlich sollte der 46-Jährige vor einem Gericht in Finnland gegen acht weitere Mitglieder der Rockergruppe aussagen - soweit erstreckte sich der mutmaßliche Drogenhandel. Diesen Plänen hat der Selmer jedoch eine Absage erteilt.

MÜNSTER/SELM

12.02.2016, 18:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Selmer Bandido will nicht in Finnland aussagen

Mitglieder des Motorradclubs "Bandidos", hier auf einem Archivbild in Bottrop.

Die Anfrage eines finnischen Gerichts hat am Dienstag die Beteiligten des Bandidos-Prozess am Landgericht Münster beschäftigt. In der Anfrage ging es darum, ob der 46-jährige Bandido aus Selm und zwei weitere Mitangeklagte im Prozess gegen acht finnische Bandidos in Tampere aussagen würden. Der Selmer war der Amphetamin-Experte der Rockerbande und hatte mit seinen Kollegen einen schwunghaften Amphetaminöl-Handel nach Tampere auf die Beine gestellt.

Prozess in Tampere parallel zu Münster

Am 12. Mai 2015 hatte die Polizei nicht nur die Wohnung und das Drogenlabor des Selmers, sondern 38 weitere Objekte in Deutschland, Holland und Finnland durchsucht. Bei dieser Gelegenheit wurden auch acht finnische Bandidos festgenommen.

Gegen sie läuft derzeit ein Prozess in Tampere parallel zu dem Verfahren in Münster. Mittlerweile haben der Selmer und seine Mitangeklagten erklärt, dass sie in Finnland nicht als Zeugen auftreten werden. Auch eine Aussage per Video-Schaltung ins finnische Gericht lehnen sie ab.

Cannabis-Plantagen in Rheine

Im Mittelpunkt des Prozesses standen am Donnerstag die holländischen Marihuana-Gärtner der Rockergruppe. Die drei Männer hatten Cannabis-Plantagen in einem Bungalow in Rheine und einem Bandidos-Clubhaus in Hörstel betreut. Sie wollten die Aussage umfassend verweigern. Da spielten der Staatsanwalt und die Strafkammer aber nicht mit.

Mehrjährige Haftstrafen

Denn die Männer waren bereits im November 2015 vom Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen rechtskräftig verurteilt worden und mussten zumindest zu diesem Bereich der Anklage Angaben machen. Erst als der Vorsitzende Dr. Jochen Dyhr ihnen mit Erzwingungshaft drohte, lenkten sie und ihre Anwälte ein. Im Wesentlichen bestätigten sie, die Drogen im Auftrag eines der Hauptangeklagten im laufenden Prozess angebaut zu haben. Dabei handelt es sich um einen 35-jährigen Niederländer, der der Organisator der Plantagen war.

Abgehörtes Telefongespräch

Der Chef war aber nicht er, sondern vermutlich ein weiterer holländischer Angeklagter. Dies legt ein abgehörtes Telefongespräch nahe, das in deutscher Übersetzung verlesen wurde. Über die bereits bekannten Fakten hinaus gaben die beiden ersten Zeugen am Donnerstag allerdings kaum Erhellendes von sich. Und so beantragte der Staatsanwalt, „das Intermezzo abzukürzen“ und den dritten Cannabis-Gärtner gar nicht mehr als Zeugen zu hören. Dem gab das Gericht statt.

Die Verhandlung in Münster wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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