Selmer Bandidos-Halle war wohl ein Drogenlabor

Landgericht Münster

Zur Halbzeit des großen Bandidos-Prozesses am Landgericht Münster rückt jetzt Selm weiter in den Fokus. In einer Halle hatte die Polizei im Mai 2015 Utensilien für ein Amphetamin-Labor gefunden. Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass es einen Zusammenhang zu einer Drogenküche in einem Emmericher Bordell gibt.

SELM

01.03.2016, 17:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mitglieder des Rockerclubs Bandidos.

Mitglieder des Rockerclubs Bandidos.

Am Dienstag, dem zehnten von zunächst 20 angesetzten Verhandlungstagen, sagte ein Dortmunder Polizeikommissar über die Durchsuchung eines vermuteten Amphetamin-Labors an der Lüdinghausener Straße in Selm aus. Die Halle des 46-jährigen Selmer Angeklagten war eines von 40 Objekten, die die Polizei im Zuge einer europaweiten Razzia am 12. Mai 2015 durchsucht hatte.

Laut Bericht des Dortmunder Kommissars fanden sich in der Selmer „Schrauberwerkstatt“ neben zwei Harley-Motorrädern, Werkzeugen und NS-Devotionalien auch Dinge, die zur Amphetamin-Herstellung gedient haben sollen. Dazu gehörten Labor-Utensilien, Drogenrückstände und Kanister mit Methanol. Zum Konsum geeignetes Amphetamin lagerte in der Halle nicht.

540 Gramm Amphetamin in Emmerich gefunden

Anders war das bei der gleichzeitigen Durchsuchung eines Bordells im Emmerich, das von einem der Mitangeklagten betrieben wurde. Hier stellte die Polizei neben Waffen, großen Mengen von Potenzpillen, 21 Kokain-Tütchen auch 540 Gramm gebrauchsfertiges Amphetamin sicher. 

 

In einem im Dachgeschoss eingerichteten Labor fanden die Beamten fast vier Liter Amphetamin-Öl. Außerdem kiloweise Streckmittel wie Koffein und Milchzucker sowie literweise Methanol und Schwefelsäure.

Stoff für tausende Konsum-Einheiten

Das Methanol soll als Lösemittel gedient haben, um aus dem Öl und der Säure Amphetaminsulfat zu produzieren. Zusammen mit den Streckmitteln hätten daraus laut Polizei tausende von Konsum-Einheiten hergestellt werden können.

Sowohl in Selm als auch in Emmerich fanden die Ermittler gleichartige blaue Fünf-Liter-Kanister mit Methanol. Aufgrund von Nummern auf den Kanistern ordnete eine Polizistin die Kanister „der gleichen Charge“ zu und zog daraus den Schluss, dass sie möglicherweise gemeinsam angeschafft wurden. 

Dies hält der Verteidiger des 46-jährigen Selmer Bandidos allerdings nicht für aussagekräftig. Er behält sich vor, die Beamtin als Zeugin zu benennen. Bisher ist dies nicht vorgesehen.

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