Selmer Bandidos-Prozess: Anwalt zweifelt an Zeugen

Vor dem Landgericht Münster

Was hat die Fernsehserie Breaking Bad mit dem Bandidos-Prozess am Landgericht in Münster zu tun? Hier wie da geht es um Rauschgifthandel in großem Stil. Doch Rechtsanwalt Stephan Rieper deutete am Freitag in dem Prozess gegen einen 46-jährigen Selmer noch eine weitere Verbindung an.

SELM/MÜNSTER

24.06.2016, 18:03 Uhr / Lesedauer: 1 min

Dabei geht es um das M16-Maschinengewehr, das der Kronzeuge beim Selmer Angeklagten gesehen haben will. Mit einer solchen Waffe will er auf einer Shooting Range in Albuquerque geschossen haben. Ob der Kronzeuge überhaupt jemals in Amerika war, konnte er jedoch nicht beweisen.

Wie er aber ausgerechnet auf ein staubiges Nest in New Mexico gekommen sein könnte, erklärte Anwalt Rieper mit der TV-Serie: Breaking Bad spielt in Albuquerque. Im Fernsehen könnte der Kronzeuge die dortigen Schießstände und Striplokale gesehen haben.

Diese wie alle anderen Angaben des Kronzeugen stuften Rieper und sein Kollege Frank Gladisch als frei erfunden ein. Beide verteidigen den britischen Rocker, dem unter anderem ein Raubüberfall auf einen Südkirchener Großdealer zur Last gelegt wird.

Anwälte: Auch weitere Angaben frei erfunden

Auch dies schreiben sie der Erfindungsgabe des Kronzeugen zu, der ein vielfach vorbestrafter Lügner und Betrüger sei. Die bestätigende Aussage des Südkircheners selbst sei ebenfalls gelogen. Ihm sei die Version des Kronzeugen von der Polizei in den Mund gelegt worden. Dafür habe man ihm Vorteile in seinem eigenen Strafprozess signalisiert.

Wie ihre Kollegen arbeitete auch Andrea Ruschmeier, Anwältin des 46-jährigen Selmer Angeklagten, die Widersprüche in den Aussagen des Kronzeugen heraus. Die Anklage sei von Anfang an „wie ein löchriger Schweizer Käse gewesen, wobei am Ende auch noch der Käse fehlt“.

Ruschmeier, Rieper und Gladisch erneuerten den Vorwurf, dass das Zeugenschutzprogramm rechtswidrig zustande gekommen sei. Und da weder der Staatsanwalt noch die Strafkammer dies beleuchten wollten, sei kein fairer Prozess möglich gewesen. Alle drei Verteidiger forderten Freisprüche für ihre Mandanten, Andrea Ruschmeier zuvor sogar die Einstellung des Verfahrens.

Am kommenden Freitag um 12 Uhr will das Gericht die Urteile verkünden. 

 

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