Selmer Bandidos-Prozess: Ein neuer Zeuge?

Am Landgericht Münster

Im Bandidos-Prozess am Landgericht Münster schien ein Ende schon in greifbarer Nähe. Doch das ist nun wieder fraglich. Denn am Dienstag fuhr die Verteidigung noch einmal große Geschütze auf - zum Vorteil des 46-jährigen angeklagten Selmer Rockers.

SELM/MÜNSTER

07.06.2016 / Lesedauer: 2 min

Ein Kronzeuge im Prozess hat unter anderem einen 46-jährigen Selmer Rocker mit Aussagen zu Produktion, Handel und Schmuggel von Amphetamin schwer belastet. Jetzt stellt die Verteidigung nicht nur die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen, sondern das ganze Zeugenschutzprogramm für ihn und seine Verlobte in Frage.

Beamter des Zeugenschutzes soll gegen die Bandidos ermittelt haben

Rechtsanwalt Rieper beantragte, die Aussagen des Kronzeugen nicht zuzulassen, weil die Ermittler ihn mit Druck und Versprechungen manipuliert hätten. Außerdem habe ein Beamter des Zeugenschutzes rechtswidrig an den Ermittlungen gegen die Bandidos teilgenommen. Sollte die Strafkammer diesem Antrag nicht stattgeben, so Rieper, dann werde die Verteidigung die Rechtmäßigkeit des Zeugenschutzverfahrens vor dem Verwaltungsgericht in Münster überprüfen lassen.

In diesem Fall beantragte er die Aussetzung des Strafprozesses bis zu einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Rieper vertritt den englischen Bandido, dem unter anderem ein Raubüberfall auf einen Südkirchener Dealer zur Last gelegt wird.

Akteneinsicht - gegebenenfalls nich in der Öffentlichkeit

Außerdem verlangen die Anwälte Einsicht in die Akten des Zeugenschutzprogramms - gegebenenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Doch damit nicht genug: Ein Rechtsanwalt des ehemaligen Bandidos-Präsidenten präsentierte dem Gericht einen neuen Zeugen, der sich selbst als ehemaligen besten Freund des Kronzeugen bezeichne. Nun aber wolle er aussagen, dass der Kronzeuge lüge. Vielmehr habe der sich selbst mit Hilfe der Bandidos zum Großverdiener im Drogen- und Prostitutionsgeschäft aufschwingen wollen.

Neuer Zeuge könnte sich möglicherweise selbst belasten

Ob der neue Zeuge tatsächlich vor der Strafkammer aussagt, steht noch nicht fest. Denn möglicherweise könnte er sich dabei selbst belasten. Rechtsanwalt Giebeler, einer der drei Verteidiger des Selmer Rockers, verlangte vom Gericht die Vorladung des neuen Zeugen. Andernfalls käme die Kammer ihrer Aufklärungspflicht nicht nach.

Am kommenden Freitag geht es weiter.

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