Selmer Bestattungshaus bastelt Spuck-Schutz aus Laminier-Folie

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Das Selmer Bestattungshaus „Himmel und Erde“ fertigt gerade Spuck-Schütze aus Laminierfolien. Gegen den Mundschutz-Mangel wegen der Corona-Krise. Und zusätzlich für einen guten Zweck.

Selm

, 02.04.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gigantisch. Dieses Wort nutzt Frank Modler, um zu beschreiben, wie bisher die Resonanz auf die neue Aktion des Bestattungshauses aus Selm war, das er zusammen mit Claudia Meier betreibt. Auch die beiden nämlich sind zusammen mit ihren beiden Mitarbeiterinnen in das Schutz-Masken-Geschäft eingestiegen. Wobei „Geschäft“ in diesem Zusammenhang das falsche Wort ist: Das Bestattungshaus fertigt die Masken und gibt sie weiter an Menschen, die sie brauchen, - gegen eine Spende an die Hospizgruppe Selm, Olfen, Nordkirchen.

„So konnten wir gestern schon 1000 Euro an Antje Münzenmaier von der Hospizgruppe übergeben“, sagt Frank Modler im Gespräch mit der Redaktion - und freut sich dabei hörbar. Er betont: Sein Unternehmen macht keinen Profit mit der Aktion. Auch die Materialkosten (circa einen Euro pro Maske) nehmen die Bestatter komplett auf die eigene Kappe.

Nach Anleitung eines Krankenhauses aus Görlitz

Und in diesem Fall ist das Material etwas ungewöhnlich: Jeder kennt mittlerweile die aus Baumwolle genähten Mund- und Nasen-Schutzmasken. Die vom Bestattungshaus „Himmel und Erde“ sehen deutlich anders aus: wie eine Art durchsichtiges Visier. Gefertigt sind sie aus Laminierfolie, Gummizug und speziellen Klemmen. „Das ist ein Spuck-Schutz, vor allem für den medizinischen Bereich geeignet“, sagt Frank Modler. „Wir haben sie nach Anleitung des Görlitzer Krankenhauses und dessen Ärzten und Hygiene-Spezialisten angefertigt.“

Die Idee, diese Art von Gesichtsschutz herzustellen, sei ihm gekommen, nachdem er im Fernsehen einen Beitrag über eben jenes Krankenhaus gesehen hatte. Auf Youtube hat das Krankenhaus außerdem ein Video mit einer Anleitung veröffentlicht: Darin zeigt der Chef der Notaufnahme, Mark D. Frank, wie genau sich so ein Visier Schritt für Schritt herstellen lässt.

„Sie sind auch desinfizierbar - das haben wir getestet“, sagt Frank Modler. Als Bestatter ist natürlich auch er im Berufsalltag auf Pflegebedarfsmittel wie Desinfektionsmittel, Schutzkleidung und Schutzmasken angewiesen und merkt, wie leer gefegt der Weltmarkt da gerade ist. „Wir sind da zum Glück noch gut aufgestellt. Aber zum Beispiel Särge haben wir jetzt schon vorgeordert“, sagt er. Einer der größten Händler, der sonst immer 12.500 Kremationssärge auf Lager habe, sei innerhalb einer Woche ausverkauft gewesen, so der Bestatter.

250 bis 300 Masken bereits gefertigt

Das Geschäft in Selm am Sandforter Weg läuft für „Himmel und Erde“ ganz normal weiter. Aber die Filiale in Waltrop ist derzeit geschlossen. Beide Mitarbeiterinnen, die dort arbeiten, so erzählt es Frank Modler, seien Mütter und müssen deshalb im Moment zu Hause bleiben - und dort basteln sie seit Freitag der vergangenen Woche Masken. 250 bis 300 haben sie nicht einmal eine Woche nach Start der Aktion schon gefertigt. Pflegeeinrichtungen, Mitarbeiter in Drogerie-Märkten, ein Krankenhaus: Abnehmer für die Masken finden sich viele.

Vorbestellungen nimmt das Bestattungshaus telefonisch unter Tel. (02592) 1005 oder über den Facebook-Messenger an. Darüber gibt es dann auch alle Infos zur Abholung und so weiter.

Einen kleinen Produktionsstopp gab es nur am Mittwoch. Ein Problem eint nämlich gerade die, die Masken aus Baumwolle, und die, die Masken wie das Bestattungshaus „Himmel und Erde" herstellen: Es ist ziemlich schwer, an Gummizug zu kommen. „Wir haben aber jetzt welchen geordert und dann kann es am Donnerstag weitergehen“, sagte Frank Modler am Mittwoch.

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