Selmer Ex-Wirtin: So war es in der Gaststätte Schulte

Bis 1989 geöffnet

Inge Schulte ist ehemalige Gastronomin aus Selm. Gemeinsam mit ihrem Mann betrieb sie bis 1989 ein Lokal im Beifanger Weg - die Gaststätte Schulte. Dort bekochte und bewirtete sie ihre Gäste - und sammelte viele schöne Erinnerungen. Die mittlerweile 90-Jährige erzählt ihre Geschichte und erklärt, was sich an der Kneipenkultur verändert hat.

SELM

, 30.07.2017 / Lesedauer: 3 min
Selmer Ex-Wirtin: So war es in der Gaststätte Schulte

Inge Schulte blickt auf ein langes Leben voller schöner Erinnerungen zurück. Die ehemalige Selmer Wirtin ist in diesem Monat 90 Jahre alt geworden. Bilder aus vergangenen Tagen zeigen sie bei der Arbeit hinter dem Tresen (oben r.) und bei einem Urlaub mit ihrem verstorbenen Mann (unten r.).

Noch heute kocht Inge Schulte sehr gerne, für sich alleine zuhause, ganz privat. Die 90-Jährige hat zuvor fast 30 Jahre lang Gäste bekocht und bewirtet – in ihrer eigenen Gaststätte.

„Wir haben richtig viel Essen verkauft“, erinnert sich Inge Schulte an ihre Zeit als Gastwirtin. Gemeinsam mit ihrem bereits verstorbenen Ehemann Heinrich stand sie in ihrer Wirtschaft am Beifanger Weg hinter dem Tresen. Schnitzel, Currywurst mit Pommes oder Rouladen waren Dauerbrenner auf den Tellern der stets zahlreichen Gäste.

Inge Schulte hat nur schöne Erinnerungen 

Kegelclubs, Vereine, Hochzeitsgesellschaften – in den Jahrzehnten haben die Schultes in ihrer gleichnamigen Gaststätte viele Besucher aus Selm und von außerhalb bedient und verköstigt. „Ich habe das Essen immer selbst gekocht“, erinnert sich die Seniorin.

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Sie schlägt ein Fotoalbum auf, das voller Erinnerungen aus vergangenen Tagen steckt. Darin zu sehen sind Bilder von Feiern, Kegelpartys und Stammgästen. „Alle Erinnerungen, die ich habe, sind schön“, sagt die gebürtige Selmerin, die an der Teichstraße das Licht der Welt erblickte.

Die eigene Gastronomie bedeutete viel Arbeit

Die 90-Jährige erinnert sich aber auch gut an die viele Arbeit, die sie mit der eigenen Gastronomie gehabt hat. 1962 haben die Schultes eröffnet, eine Kegelbahn inklusive. Seitdem gab es immer reichlich zu tun. Kochen, zapfen, Gläser spülen, bedienen und auch hier und da ein nettes Wort mit den Gästen wechseln.

„Ich habe mir das gar nicht gedacht, dass das so viel Arbeit ist“, denkt die Wirtin an ihre aktive Zeit zurück. Schon morgens habe sie alles vorbereitet, sagt Schulte. „Wir hatten oft bis spät in der Nacht auf“. Das habe ihr aber nichts ausgemacht. „Faulheit kann ich nicht leiden“, sagt sie.

Die Idee zur Gastronomie habe ihr Heinrich gehabt, gewohnt hat das Paar, das sich beim Tanzen kennengerlernt hat, in der Wohnung über der eigenen Gaststätte. Das Haus war von Anfang an auch genauso geplant: „Mein Mann hat das Haus selber hochgezogen“, sagt die ehemalige Wirtin.

Eine Mark, drei Bier - Wie die Kneipenkultur sich verändert hat

Das Geschäft mit der Gastronomie hat sich das Paar, das 1950 heiratete – sie war 23, er 29 Jahre alt – selbst beigebracht. „Wenn man fleißig ist, kann man alles erreichen“, sagt Schulte. Zusammen sei das Ehepaar immer ein gutes Team gewesen. Ihr Mann war Maler und Anstreicher. Gelernt hat Inge Schulte mit 14 Jahren Verkäuferin und hat in einem Textilgeschäft in Dortmund gearbeitet. „Ich hätte auch gerne studiert, aber meine Eltern hatten kein Geld“, so Schulte. Nicht mal für eine Aussteuer habe es gereicht.

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Dass sie später unzählige Tassen, Teller, Gläser, Geschirr, Stühle und Barhocker ihr Eigen nennen würde, damit hatte die damalige junge Frau nicht gerechnet. Mit Schließung der Gaststätte 1989 habe das Paar das Meiste verschenkt. „Mein Mann wollte nicht mehr“, so Schulte. Kneipensterben oder Kundenmangel kennt Schulte nicht. „Damals gab es für 1 DM drei Bier“, sagt die ehemalige Wirtin.

Heute sei es viel teurer, auszugehen. Die Eheleute wohnten längst in einem Haus in der gleichen Straße; die frühere Wirtschaft ist heute ein Mehrfamilienhaus. Ihr Haus bewohnt die 90-Jährige noch heute, bewirtschaftet ihren Garten. Gelbe Bohnen wachsen dort, Früchte und anderes Gemüse. Daraus zaubert sich die frühere Wirtin leckere Gerichte und kocht Marmeladen selbst.

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