Im „Haus Dörlemann“ gab es bislang noch keine Probleme Verweigerern der Corona-Regeln. © vom Hofe (A)
Gastronomie

Selmer Gastronomen äußern sich zu 3G, 2G und einem höheren Mindestlohn

Geimpft, genesen und auch getestet? Eine Wirtin und ein Wirt aus Selm erzählen, welche Regelung bei ihnen gilt. Für Gesprächsstoff sorgt außerdem das mögliche Mindestlohn von zwölf Euro.

Langsam und Schritt für Schritt kehrt eine Art von Alltag in die Selmer Kneipen und Restaurants zurück. Im Gegensatz zum Jahresanfang dürfen Wirtinnen und Wirte wieder Menschen begrüßen und sie auch mit Speisen und Getränken in ihren Lokalen bedienen. Doch noch immer gelten zahlreiche Auflagen, um den Infektionsschutz zu sichern.

Aktuelle Corona-Schutzverordnung gilt seit dem 15. September

Aufgeführt sind sie in der aktuellen Corona-Schutzverordnung, die seit dem vergangenen Mittwoch (15.9.) gilt. Am meisten diskutieren die Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und der Gastronomie, aber auch die Kundinnen und Kunden darüber, ob auch getestete Personen weiterhin Zutritt erhalten sollen.

Astrid Vogt vom Hotel und Restaurant „Zum alten Feld“ sowie Erdal Macit von der Kneipe „Haus Dörlemann“ haben sich diesbezüglich entschieden: Bei ihnen gilt das 3G-Prinzip. Das bedeutet, dass Geimpfte, Genesene und auch Getestete ins Hotel und Restaurant bzw. in die Kneipe kommen dürfen.

Zwar halten sich viele Gäste daran, ganz ohne Diskussionen sei diese Regelung aber nicht aufgenommen worden, berichtet Vogt. „Beispielsweise hatten einige Monteure keine Tests dabei. Da mussten wir teilweise diskutieren, weil wir sie nicht ins Gebäude lassen konnten. Sie müssten sich erst in der Apotheke testen lassen“, sagt sie. Eine Verschärfung auf 2G, also nur noch Geimpfte und Genesene hineinzulassen, würde alles nur verkomplizieren meint sie.

„Haus Dörlemann“: Gäste sollen sich „wohl und sicher“ fühlen

Im „Haus Dörlemann“ wird anders argumentiert. Erdal Macit liegt viel daran, dass sich seine Gäste „wohl und sicher“ fühlen. Solange es die Möglichkeit des Testens gebe, wolle er niemanden verpflichten, sich Impfen zu lassen. Und die Leute würden sich an die Regeln halten. Negative Erfahrungen mit Regel-Verweigerern habe er noch nicht gemacht. Im Gegenteil.

Nachdem Erdal Macit und seine Frau Figan Ucar-Macit die Kneipe nach der Modernisierung eröffnet hatten, seien auch einige neue Gesichter zu Gast gewesen. „Wir werden gut angenommen. Jeder der reinkommt, fühlt sich wohl“, sagt Macit.

Um den Wohlfühlfaktor noch weiter zu steigern, möchte er bis zum Ende des Jahres noch neuen Fußboden verlegen. In Holzoptik, nicht zu hell und nicht zu dunkel sowie leicht zu pflegen soll dieser sein. Doch bis dahin müsse erst noch etwas Geld in die Kasse kommen. Schließlich sei schon viel in die große Sanierung investiert worden.

Grüne, SPD und Linke fordern höheren Mindestlohn

Auch eine Investition ins Personal könnte bald auf Macit und Vogt zukommen. Denn der Mindestlohn könnte von derzeit 9,60 Euro auf 12 Euro pro Stunde steigen – zumindest wenn es nach den Grünen, der SPD und den Linken geht. Die Parteien setzen sich im Wahlkampf um eine Erhöhung des gesetzlich festgelegten Mindestlohns um 2,40 Euro ein. Profitieren sollen davon besonders Menschen, die auf 450-Euro-Basis beschäftigt sind.

Eine gute Idee, wie Macit findet. Derzeit arbeiten zwei geringfügig Beschäftigte für ihn. Einen von ihnen hat er erst kürzlich eingestellt. „Ich unterstütze diese Forderung. Ich würde auch auf 12,50 Euro gehen. Es kann nicht sein, dass Wohnen und Lebensmittel immer teurer werden, aber der Lohn nicht steigt.“

Auf Bundesebene gibt es allerdings Kritik an dieser Forderung. Eine so drastische Erhöhung könne für Entlassungen und für den Verzicht auf Neueinstellungen sorgen, gibt die „Zeit“ die Aussagen von Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Institutes für Wirtschaftsforschung in Halle (Saale) wieder.

Vogt sucht händeringend Verstärkung

Astrid Vogt zahlt ihren drei 450-Euro-Kräften derweil schon teilweise zwölf Euro pro Stunde. Sie schlägt vor, den Lohn nach Fähigkeiten und Leistung anzupassen. Einstellungsstopps oder gar Entlassungen sind bei ihr jedoch weit weg. Sie sucht händeringend nach Unterstützung im Service, in der Küche, im Hotel und beim Putzen. Viele der geringfügig Beschäftigten seien während er Corona-Zwangspause in andere Bereiche abgewandert.

Die Beispiele „Haus Dörlemann“ sowie Hotel und Restaurant „Zum alten Feld“ zeigen, dass Investitionen in Material und Personal notwendig sind, damit sich die Gäste auch künftig wohlfühlen – egal ob sie getestet, geimpft oder genesen sind.

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