Selmer Heimstätter feiern einen runden Geburtstag

50 Jahre

50-jähriges Bestehen feiert am Samstag die Gemeinschaft der Heimstätter in Selm. Der Verband aus Wohneigentümern blickt in einer Festschrift auf seine Wurzeln zurück. Wir haben mit dem Vorsitzenden Albert Mazureck und Geschäftsführer Walter Beck über den Verein und das Fest gesprochen.

Selm

, 17.09.2016, 05:47 Uhr / Lesedauer: 3 min
Selmer Heimstätter feiern einen runden Geburtstag

Geschäftsführer Walter Beck und der Vorsitzende Albert Mazureck freuen sich auf die Feier des 50-jährigen Bestehens der Heimstätter. Besonders die Erstellung einer Festschrift hat viel Arbeit gemacht.

Herr Mazureck, Herr Beck, beginnen wir in der Zukunft. Wie feiern die Heimstätter am kommenden Samstag?

Mazureck: Wir feiern im Bürgerhaus. 110 Personen werden erwartet. Wir haben intensiv zu diesem Fest eingeladen. Was uns ganz wichtig war und ist: Es wird eine Veranstaltung der Mitglieder sein. Sie stehen im Mittelpunkt.

Warum ist Ihnen dieser Punkt so wichtig?

Mazureck: Weil es auch die Mitglieder waren, die unsere Gemeinschaft aufgebaut haben. Es gibt zwar kein Gründungsmitglied mehr. Aber in unseren Reihen hatten wir viele aktive Leute. Viele, die die Heimstätter geprägt haben. Der Markanteste ist vielleicht Walter Beck.

 

Aus welchem Grund ist die Gemeinschaft denn 1966 überhaupt gegründet worden?

Beck: Eindeutig aus der Not heraus.

Mazureck: 1965 hatte die Gemeinde Selm den Plan gefasst, in Beifang, parallel zur Kreisstraße, eine Umgehungsstraße zu bauen. Die Umgehungsstraße sollte beginnen an der heutigen Kreuzung Kreisstraße/Ecke Brückenstraße und dann hinter der Buddenbergstraße wieder auf die Kreisstraße zurückgeführt werden.

Beck: Die Folge daraus wäre gewesen, dass den Zechenhausbesitzern, die gerade erst gekauft hatten, ihr Haus wieder weggenommen werden sollte. Dagegen wollten sich die Anlieger zur Wehr setzen.

 

Wie ging es weiter?

Mazureck: Am 11. September bei Kamphaus-Uphoff kam es zum Gründungstreffen. Die Baumaßnahme wurde aufgrund der Proteste der Siedler und aus wirtschaftlichen Gründen dann aber nicht durchgeführt. Trotz anfänglicher Aktivitäten seitens der Gemeinde. Aber Land und Gemeinde hatten nicht die finanziellen Möglichkeiten und die Maßnahme wurde auf der höheren Ebene abgelehnt.

Beck: Wenn die das Geld gehabt hätten, wäre das durchgezogen worden.

 

Wer waren denn die Personen, die zu Beginn der Gemeinschaft entscheidend gewesen sind?

Mazureck: An erster Stelle ist da Willi Jankord zu nennen. Er hat damals Teichstraße/Ecke Landsbergstraße gewohnt. Und weitere zehn Leute, die schon Häuser gekauft hatten und wieder abgeben sollten. Willi Jankord aber, das war der maßgebende Mann. Er hatte das Feeling und konnte gut reden.

Wie kann man also den Start der Gemeinschaft beschreiben?

Beck: Da war Hilfe untereinander dringend notwendig. Das war der Start.

 

Trotzdem war es nicht vorbei, als die Baumaßnahme abgeschmettert war.

Mazureck: Nein. Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit lag verstärkt bei Beratungstätigkeiten zum Auf- und Umbau des Wohneigentums. Ein gravierender Einschnitt kam, als Walter Beck 1977 Geschäftsführer geworden ist. Er betreut seitdem unsere Mitglieder.

 

Inwiefern?

Beck: Die Menschen waren froh, dass man ihnen geholfen hat. Das haben auch die Mitgliederzahlen gezeigt. Angefangen haben wir mit 15, nach einem Jahr hatten wir 120 Mitglieder.

 

Wie kam Ihr Verhältnis zu den Heimstättern zustande?

Beck: Ich bin 1967 aus Lünen nach Selm gezogen, hatte hier ein Haus gekauft. Gearbeitet habe ich als Betriebstechniker in Lünen. 1977 bin ich dann bei den Heimstättern Geschäftsführer geworden. Und zu Beginn habe ich jede Woche eine Sprechstunde abgehalten. Die haben im Gemeindeamt an der Ludgeristraße, in der ehemaligen Verwaltungsnebenstelle, stattgefunden. Da konnten wir einen Raum nutzen.

 

Worum ging es in den Sprechstunden?

Beck: Bei den Sprechstunden ging es oftmals um einen Rat nach dem Motto: Wo muss ich hingehen, was muss ich machen? Die Leute hatten Fragen zur Finanzierung bei Umbauten, zu Zuschüssen, mussten formelle Anträge stellen oder mussten einen Nachweis erbringen, dass ihr Eigenheim wirklich dem Reichsheimstättengesetz unterliegt. Den Nachweis habe ich dann für sie bei der Treuhandstelle angefordert.

 

Wie hat sich die Arbeit innerhalb der Gemeinschaft verändert?

Mazureck: Die wöchentlichen Sprechstunden von Walter Beck gibt es seit 2006 nicht mehr. Wir arbeiten seit 2005 intensiv mit dem Verband Wohneigentum zusammen. Die Mitglieder werden von uns vor Ort betreut, wir sind erster Ansprechpartner. Allerdings haben wir mit dem Verband den starken Partner im Rücken, der bei allem helfen kann, was rund um das Haus anfällt. Das können Fragen zur Grenzbebauung oder Gebäudehaftpflicht sein. Eine Siedlergemeinschaft hat für Menschen mit Eigentum einen klaren Nutzen.

Beck: Es ist aber nicht so, dass wir nicht mehr aktiv sind. Täglich ruft jemand an und will etwas wissen, egal ob an einem Samstag oder Sonntag. Wir sind für unsere Mitglieder aktiv und vermitteln an einen kompetenten Verband.

 

Welche Vorteile hat ein Mitglied der Heimstätter denn heute noch?

Mazureck: Im Verhältnis zu dem, was er zahlt, viele. Bei uns liegt der Jahresbeitrag bei 30 Euro. Dafür kann ein Mitglied die gesamten Angebote des Verbandes und der Gemeinschaft wahrnehmen. Wir reden über Vergünstigungen bei Versicherungen und die Leistungen des Verbands Wohneigentum, über Schulungen oder Lehrgänge. Ganz wichtig sind natürlich auch die Aktivitäten, die den Zusammenhalt der Mitglieder fördern, wie Ausflüge oder Feiern.

 

Und warum ist es Grund für eine Siedlergemeinschaft, auch ihr Jubiläum zu feiern?

Mazureck: In der heutigen Zeit gibt es nur noch wenige Anlässe, ein Jubiläum in Form eines halben Jahrhunderts zu feiern. So lange gibt es die Heimstätter aber jetzt schon. In den ersten Jahren nach der Gründung waren wir maßgebend daran beteiligt, dass Menschen in Selm eine Heimat gefunden haben. Das kann man so sagen, ohne zu übertreiben. Die Zechenhäuser waren heiß begehrte Häuser. Wir haben geholfen, dass die Menschen hier ein Zuhause gefunden haben. Wir haben zurzeit 444 Mitglieder, sind die größte Gemeinschaft im Kreisverband Lünen-Selm. Auch diese Leistung gilt es zu feiern. Und letztendlich ist die Feier auch ein Dankeschön an die Mitglieder.

 

Es gibt eine Jubiläumsfestschrift. Was steht darin?

Mazureck: Unsere Geschichte. Darüber hinaus Presseberichte ab 1977 oder die Ehrungen der Vereinsmitglieder mit Fotos. Wenn alle Mitglieder also zu ihren Ehrungen gekommen wären, wären sie alle in der Festschrift. Wir sind sehr stolz, dass uns die Erstellung gelungen ist.

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