Selmer Pfadfinder bringen Bergmannsfigur zurück

Am alten Platz

Sie ist ein Geschenk zu seiner Silberhochzeit gewesen. Als Leihgabe hatte Otto Retzlaff den Selmer Pfadfindern im Oktober vergangenen Jahres eine Bergmannsfigur für eine Ausstellung überlassen. Doch sie wurde gestohlen und fast vollständig zerstört. Nun bringen die Pfadfinder die Figur nach vollendeter Restauration zurück.

SELM

, 11.07.2016, 19:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ironscout in Selm im Oktober vergangenen Jahres ist nicht nur allen Selmer Pfadfindern, sondern auch Pfadfindern aus ganz Deutschland in guter Erinnerung: Ein imposantes Ereignis ist es gewesen, einerseits bedingt durch die perfekte Organisation der Selmer Gastgeber, andererseits durch die Aufopferungsbereitschaft der Teilnehmer, die eine Art Stationslauf bewältigen mussten und dabei bis zu 22 Stunden zu Fuß unterwegs waren.

Kaputt auf der Kreisstraße

Doch ein Wermutstropfen ist geblieben. Getreu dem Motto der Veranstaltung „Humpel mit dem Kiepenkumpel“ hatten die Pfadfinder ein Aufenthaltszelt im Bergbau-Stil dekoriert. Dazu liehen sie sich unter anderem von Otto Retzlaff, Steiger von 1961 bis 1986, eine Bergmannsfigur, die ansonsten ihren Platz in Retzlaffs Wohnzimmer hat.

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Und in der Nacht der Abschlussparty, in der Retzlaff noch selber im benachbarten Festzelt in Bergmannskluft gemeinsam mit allen Pfadfindern „Glück auf“ anstimmte, geschah es: Die Bergmannsfigur wurde gestohlen und am nächsten Tag auf der Kreisstraße gefunden.

Zerstört. Ohne Arme und Beine, nur der Torso war eigentlich noch vorhanden. „Die Figur habe ich 1984 vom Karnevalsverein zur Silberhochzeit geschenkt bekommen und mit der Zeit lieb gewonnen“, erzählt Otto Retzlaff. Die Diebe hielten sie wohl für eine Bronzefigur, obwohl sie aus Gips hergestellt worden ist und beschichtet wurde. Akribisch versuchten die Pfadfinder, obwohl sie Otto Retzlaff von aller Schuld freisprach, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Eine Herzensangelegenheit 

„Das hat uns am Herzen gelegen“, sagt Cato Kieslich, Mitglied im Förderverein des Selmer Stamms. Die Pfadfinder scheuten keine Kosten und Mühen, die Figur wieder an ihren angestammten Platz zu bringen – mit unermüdlichem Einsatz. Durch einen Aufruf in den Ruhr Nachrichten wurde versucht, ein Zweitexemplar oder zumindest eine ähnliche Figur zu beschaffen. Vergeblich.

Es wurde Kontakt zum Nordkirchener Herbert Grandau aufgenommen. Er hatte damals bei der Westfalia die Form besessen, um die Figur zu gießen. Der Anruf brachte jedoch die nächste Enttäuschung: Die Form existiert nicht mehr. Letztendlich sollte der Faktor Glück den Pfadfindern in die Karten spielen.

Via Social Media zum Erfolg

Über das soziale Netzwerk Facebook meldete sich Stephanie Schubert, Bühnenplastikerin an der Oper Düsseldorf. Sie hatte selbst beim Ironscout teilgenommen und über einen Facebook-Eintrag von dem Unglücksfall der Selmer Pfadis gehört. Ihr Angebot: Sie könne die zerstörte Figur restaurieren. „Ein Glücksfall“, kommentierte Phillip Jünemann, Vorsitzender der Selmer Pfadfinder.

Figur nachmodelliert

So wurden Torso und Fotos der zerstörten Figur als Vorbild an Stephanie Schubert übergeben. In mühsamer Kleinarbeit modellierte die Plastikerin die Figur nach. Unentgeltlich. Und von dem Ergebnis waren nicht nur Cato Kieslich und Phillip Jünemann verblüfft, sondern auch Otto Retzlaff. „Es ist deine Figur, sie ist nur bei der Schönheitschirurgin gewesen“, erklärte ihm Cato Kieslich. Jetzt sei sie ein Unikat. Denn aus Überresten sei die Figur neu entstanden.

Eine Grubenlampe, die die Bergmannsfigur in der Hand gehalten hatte, bestellte Cato Kieslich über ein Aktionshaus im Internet. Sie wurde aus England zugeschickt.

Und zusammen mit ihr hat die Bronze schimmernde Figur in Retzlaffs Wohnzimmerschrank nun wieder ihren angestammten Platz.  

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