Selmer Schüler demonstrieren mit „Fridays for Future“ für die Umwelt

rn„Fridays for Future“

Eine weltweite Bewegung ist in Selm angekommen: Selmer Schüler haben sich bei ihrer Demo „Fridays for Future“ für den Umweltschutz stark gemacht. Eine Fortsetzung ist aber nicht in Sicht.

von Mona Wellershoff

Selm

, 22.03.2019, 17:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf den Plakaten der Jugendlichen wird sie ganz deutlich: die Kritik an der jetzigen Umweltpolitik: „Macht eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere! Umwelt vor Unterricht!“ Mit weiteren Spruchbänden wie „Welt statt Geld“, „Uns läuft die Zeit davon“ und „Wir haben nur diesen einen Planeten“ ziehen sie durch die Straßen, die Schülerinnen und Schüler aus Selm. Mit dabei sind außerdem auch Eltern, Politiker und Jugendpfleger.

Selmer Schüler demonstrieren mit „Fridays for Future“ für die Umwelt

Leiterin Maren Lobe hält eine Rede am Ziel der Demonstration. © Mona Wellershoff

Sie rufen im Chor mit Unterstützung eines Lautsprechers: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns unsere Zukunft klaut!“. Ihr Weg führt sie dabei vom Campusplatz des Gymnasiums über die Kreis- und Teichstraße zum Bürgerhaus. Dort hält Leiterin und Organisatorin Maren Lobe (21) eine Rede darüber, dass man mehr Angst vor dem Nichtstun und den daraus resultierenden Auswirkungen haben sollte, als davor, Fehlstunden zu bekommen. Sie kritisiert den fehlenden Einsatz der Politik beim Klimawandel: „Wenn ihr tot seid, müssen wir mit den Folgen leben“. Danach singt die Gruppe gemeinsam „We need to wake up“, um die Dringlichkeit eines sofortigen Handels deutlich zu machen.

Warum es so wichtig ist, jetzt zu handeln.

Denn darin sind sich alle einig, die Zeit zu handeln ist jetzt. Maren Lobe, Sprecherin des Jugendnetzes Selm, mahnt: „Momentan leben wir in einer Zeit, in der es uns noch gut geht, dass steht allerdings auf der Kippe und jetzt ist die letzte Gelegenheit, noch etwas für unsere Zukunft zu ändern“.

Die 19-Jährige verweist darauf, dass jeder sich den Auswirkungen seines alltäglichen Lebens auf die Umwelt bewusst werden sollte. Sie selber esse beispielsweise weniger Fleisch und trinke häufiger aus Glasflaschen. Von der Politik erwarte sie neben dem Reduzieren der Abholzung von Wäldern und Bäumen, auch, dass verstärkt auf die Forderungen und Bedürfnisse der Bürger geachtet wird.

Selmer Schüler demonstrieren mit „Fridays for Future“ für die Umwelt

v.l. Max Reibetanz, Felix Disselkamp und Mia Burkhart informieren ihre Mitschüler über die Wichtigkeit des Klimaschutzes. © Mona Wellershoff

„Ich hätte mir gewünscht, dass mehr anwesend sind“, gibt Lobe zu und Karlheinz Bliecke von der Polizei Selm bestätigt die Anzahl von nur knapp über 40 Demonstranten. „Wir haben mit 100 gerechnet“, gibt er an. Die geringe Beteiligung läge wohl daran, dass die Schüler des Städtischen Gymnasiums gerade in der Praktikumsphase seien, vermutet Lobe.

Drei Schüler haben sich besonders für das Thema engagiert

Trotz der kleinen Gruppe, die tatsächlich zur Demonstration erschienen ist, hat sich die gesamte Schülerschaft des Städtischen Gymnasiums Selm in den letzten Tagen ausführlich mit dem Thema Umweltschutz und Klimawandel beschäftigt.

Das hat vor allem mit den drei Schülern Mia Burkhart (16), Felix Disselkamp (16) und Max Reibetanz (18) zu tun.

Gemeinsam erarbeiteten sie eine viertelstündige Präsentation und informierten ihre Mitschüler am Donnerstag und am Freitag unter anderem über die Folgen des Klimawandels, den ökologischen Fußabdruck und was man selber dagegen tun kann. Mia Burkhart unterstützt da nämlich ganz die Aussage der Schwedin Greta Thunberg, der ursprünglichen Initiatorin der mittlerweile globalen Bewegung „Fridays for Future“: „Niemand ist zu klein, um einen Unterschied zu machen“.

Felix Disselkamp ist der Meinung, dass die Jugend zeigen müsse, dass sie bereit dazu sei, die Konsequenzen, mit denen die frühere Generation sie zurückließe, zu tragen und etwas zu verändern.

Ein globales Problem erfordert globale Maßnahmen.

„Es geht schließlich um unsere Zukunft und wie wir später leben möchten“, findet Max Reibetanz. Der 18-jährige Schüler plädiert dafür, dass das Pariser Klimaabkommen von allen Staaten eingehalten wird und es globale Regeln und stärkere Kontrollen geben müsse.

„Man sieht das auch bei ,Fridays for Future‘“, mahnt er außerdem, „nur wenn wir global agieren, können wir auch wirklich was erreichen“.

Selmer Schüler demonstrieren mit „Fridays for Future“ für die Umwelt

Auch die Eltern unterstützen aktiv mit ihrer Aktion „Parents4Future“, wie Jeannine Tembaak. © Mona Wellershoff

Eltern engagieren sich ebenfalls: „Nur zusammen können wir es schaffen!“

Zusätzlich zu den Jugendlichen arrangieren sich aber auch andere. Zum Beispiel die Eltern der Kinder. Mit ihrer Aktion „Parents for Future“ setzten sie sich ihrerseits für die Umwelt ein. Jeannine Tembaak ist Mitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft Selm und ihre Tochter sowie ein Gastschüler aus Brasilien besuchen das Gymnasium Selm. „Ich möchte als Mutter unterstützend zur Seite stehen und selber auch mitwirken. Nur zusammen können wir es schaffen, dass die Politik endlich aktiv wird“, findet sie. „Der Klimawandel ist das dringlichste Problem, was wir momentan haben, da er irreversibel ist.“

Als Handlungsmöglichkeiten schlägt Tembaak vor: „Man kann natürlich weniger Plastik verwenden und Fahrrad statt Auto fahren, aber wichtig ist vor allem, dass sich auf der politischen, industriellen Ebene etwas ändert. Höhere Steuern auf Inlandsflüge oder ein beschleunigter Kohleausstieg zum Beispiel.“

Selmer Schüler demonstrieren mit „Fridays for Future“ für die Umwelt

Volker Heimel setzt sich nicht nur in Selm für den Umweltschutz ein. © Mona Wellershoff

Unterschiedliche Meinungen zum „Streik erst nach der Schule“.

Volker Heimel, Mitglied des Ortsverband Lünen der Grünen und des Naturschutzverbandes Dortmund begleitete bereits Demonstrationen in Dortmund und Lünen und ist jetzt auch hier dabei. „Die Ängste der Schulen sind nicht nötig. Es muss mehr Gespräch stattfinden, wir brauchen mehr Offenheit.“

Der Meinung ist auch Grünen-Politikerin Natalie Stefanski: „Der Klimawandel ist eines unser wichtigsten Themen und ich finde es toll, dass die Jugendlichen sich so engagieren. Allerdings finde ich es schlimm, dass der Protest nicht zur regulären Schulzeit statt findet. Gerade dieser Aspekt verschafft die Aufmerksamkeit der Politik.“

Benedikt Dorth vom Jugendzentrum Sunshine in Selm ist da anderer Meinung: „Ich finde, dass ein guter Kompromiss mit den Schulen gefunden wurde. Das hatte unter anderem auch den Vorteil, dass das Thema intensiv im Unterricht besprochen wurde. Zwar sind weniger hier als erhofft, allerdings bin ich optimistisch. Ein Anfang ist getan. Ein guter Schritt in die richtige Richtung.“

„Fridays for Future“ bleibt zumindest in Selm eine einmalige Aktion.

Wie Maren Lobe unserer Redaktion bestätigt, bleibt die Demonstration eine einmalige Aktion. „Meiner Meinung nach bringen Demonstrationen nur Aufmerksamkeit und keine Veränderungen“, erklärt Lobe die Entscheidung, „wir werden uns weiterhin für den Umweltschutz einsetzen, allerdings mit konkreten Aktionen, wie beispielsweise einem Gespräch mit Michael Thews“.

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