Selmer Senior bastelt filigrane Modelle aus Holz

Gerd Bernsmeister

Gerd Bernsmeister ist ein Mann klarer Worte. Und klarer Linien. Der 85-jährige Selmer nimmt kein Blatt vor den Mund. Was er handwerklich macht, ist dagegen filigran. Gerd Bernsmeister arbeitet leidenschaftlich gerne mit Holz. Jetzt hat er einen Nachbau der Kirche St. Josef fertiggestellt. Es ist eine von unzähligen Arbeiten. Wir haben Bernsmeister besucht.

SELM

, 26.11.2015, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Gerd Bernsmeisters Wohnzimmertisch steht sein neuestes Werk. Ein halber Meter hoch ist der Turm, ein weiterer halber Meter das Kirchenschiff lang. Sogar die Aussparungen im Turm sind genau nachempfunden. Die Seitenfenster sind fein-säuberlich ausgeschnitten, das Innere des Turms sogar beleuchtet.

Eigentlich ist Bernsmeister gelernter Metallhandwerker. Er finde es aber „angenehmer mit Holz zu arbeiten“, sagt er. Dem Hobby geht er in seinem Bastelkeller nach. Unzählige Arbeiten hat er dort fertiggestellt. „Ich bin kein Künstler, ich bin Handwerker“, sagt Bernsmeister bestimmt.

Eiffelturm neben dem Sofa

Die Resultate seiner Arbeit sind im Haus zu sehen. Eine Nachbildung des Pariser Eiffelturms steht neben dem Sofa, eine große Pyramide aus Holz auf der Balustrade. Den Turm der Wallfahrtskirche Santo Domingo in der Region La Rioja am Jakobsweg hat er kürzlich dem Altenwohnhaus St. Josef geschenkt. Daher auch die Idee zu seiner jüngsten Arbeit: einem Nachbau der Josefskirche.

Zu der Kirche hat Gerd Bernsmeister eine starke Bindung. Dort ist er vor 85 Jahren getauft worden, ist zur Kommunion gegangen, wurde gefirmt, hat dort geheiratet. Dass die Kirche abgerissen werden soll, geht ihm gegen den Strich. Sollte ein Grund dafür sein, dass die Kirche nicht mehr genügend frequentiert werde, sei die „katholische Kirche daran selber Schuld“, sagt Bernsmeister. „Die Oberen machen doch, was sie wollen.“ Klare Worte.

Eine Herzensangelegenheit

Die Kirche St. Josef habe eine bedeutende Symbolik für die Stadt, meint der Mann, der neun Jahre für die CDU im Gemeinderat gesessen hat – bevor Selm im Jahr 1975 Stadt geworden ist.

Bergleute haben nach der Arbeit beim Bau der Kirche geholfen, erinnert Bernsmeister. So auch sein Vater Alois, der Malermeister von Beruf gewesen ist. Wie alle Selmer Malermeister hat auch er am Fresko des Münsteraner Künstlers Bahr mitgearbeitet.

Der Nachbau der Kirche ist somit eine Herzensangelegenheit für Gerd Bernsmeister. Gearbeitet hat er aus dem Gedächtnis, frei nach dem Motto „gesehen, gemerkt, gemacht“. „Dafür brauche ich keine Vorlage“, betont Bernsmeister. „Das hab’ ich im Kopf.“ Für die Nachbildung der Kirche hat er gut 14 Tage benötigt. Im Schnitt habe er sich fünf Stunden am Tag seinem Hobby gewidmet.

Huf- und Wagenschmied gelernt

Vor Jahrzehnten gelernt hat Gerd Bernsmeister Huf- und Wagenschmied. „Bei Overtheil“, wie er sagt. Den alten Selmer Betrieb gibt es heute nicht mehr. Eine Anekdote hat Bernsmeister dazu aber noch auf Lager. Sein Lehrmeister habe ihn damals in den Glockenstuhl der Josefskirche geschickt. Da es sich um einen geschraubten und um keinen genieteten Glockenstuhl handelt, mussten beizeiten die Schrauben nachgezogen werden. Gesagt, getan.

Doch bei dieser Aufgabe fiel Gerd Bernsmeister der Schraubenschlüssel in den Schacht des Turms. „Da liegt er wohl heute immer noch“, vermutet der 85-Jährige, der 20 Jahre seines Arbeitslebens im Press- und Hammerwerk bei Hoesch verbrachte, bevor er 1969 Werkstattleiter bei der Firma Rethmann, heute Remondis, wurde. Seit 25 Jahren ist er nun Rentner. Unzählige Holzarbeiten hat er seitdem fertiggestellt – vor allem Lichtbögen, aber auch Kuckucksuhren. Alles gebaut aus Birkensperrholz. „Wenn ich anfange, höre ich nicht mehr auf. Erst, wenn ich Erfolg sehe“, sagt er.

"Kirche auf den Kreisverkehr"

Für eine Nachbildung der Josefskirche hat er aufgrund ihrer Symbolik für den Ortsteil Beifang eine genaue Vorstellung. „Die Kirche gehört auf den Kreisverkehr“, sagt er. Gemeint ist der Kreisverkehr am Kriegerehrenmal. Die Umsetzung müsste natürlich um einiges größer als sein eigener Nachbau. In rostigem Stahl oder Edelstahl beispielsweise. „Die Kirche würde gut zu der Hofeinfahrt von Schulze-Weischer passen“, findet Bernsmeister und betont mit Nachdruck: „Wir haben Firmen in Selm, die das können.“

Gerd Bernsmeister widmet sich derweil dem nächsten Projekt: Der Skyline von Berlin – aus Holz versteht sich. Im Auftrag seiner Enkelin.

 

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