Selmer Tafel bleibt zu Silvester geschlossen

Bedürftige müssen anders planen

Gemüse, Obst und Konserven teilt die Selmer Tafel jeden Freitag im Evangelischen Gemeindezentrum am Markt aus. Doch zwischen den Jahren bleibt hier die Tür zu. Kunden stellt das vor große Herausforderungen.

Selm

, 28.12.2017, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marco Werner besucht seit vielen Jahren die Selmer Tafel. Schon 2009 trafen wir ihn hier an. archiv

Marco Werner besucht seit vielen Jahren die Selmer Tafel. Schon 2009 trafen wir ihn hier an. archiv

Gemüse, Obst und Konserven teilt die Selmer Tafel jeden Freitag im Evangelischen Gemeindezentrum am Markt aus. Doch zwischen den Jahren bleibt hier die Tür zu – und zahlreiche Menschen müssen ohne die Unterstützung der Tafel auskommen. „Unter der Woche werden keine Spenden eingesammelt, sodass wir nichts zum Austeilen haben“, sagt Gründungsmitglied Heike Hoppe.

Einer derjenigen, der diese Woche anders planen muss als sonst, ist Marco Werner. 2005 verlor er seinen Job, schlägt sich und seinen 23-jährigen Sohn seitdem mit Hartz IV und einem Minijob als Bestatter durch. Die Tafel hilft ihm dabei. „Das ist schon eine unglaubliche Unterstützung“, sagt der 44-Jährige. Doch wie übersteht er die Woche ohne Hilfe der Tafel? „Das ist in jedem Jahr so, da muss man sich dann ein wenig drauf einstellen. Da muss man sich etwas zur Seite legen“, sagt Werner. Für ihn bedeutet das, auf seine Reserven zurückzugreifen, um sich trotzdem frisches Gemüse aus dem Supermarkt leisten zu können.

Weihnachtspaket hilft

Aber auch ein extra großes Weihnachtspaket der Tafel mit zahlreichen Konserven hilft ihm über die Runden. „Dafür bin ich sehr dankbar“, so Werner. Gleichzeitig gibt Heike Hoppe aber auch zu bedenken, dass die Tafel nicht als Vollversorger angesehen werden dürfe. „Die Vorräte reichen für gewöhnlich etwa zwei bis drei Tage.“

In anderen Städten sieht die Situation schon nicht mehr so gut aus: zu viele Kunden, zu wenig Ehrenamtliche und Schließungen. „So weit ist es bei uns nicht, aber ein bis zwei Ehrenamtliche könnten wir schon noch gebrauchen“, sagt Hoppe, denn ein Leben ohne die Tafel ist für Kunden wie Marco Werner nur schwer vorzustellen: „Da würde für mich erst einmal eine Welt untergehen.“

Bis zum 5. Januar hält Werner es hingegen ganz gut aus. „Und die Ehrenamtlichen können auch eine Pause gebrauchen.“

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