Selmer üben Kritik am Fahrradklima in der Stadt

ADFC-Umfrage

In Schulnoten wäre es ein Befriedigend: Selm hat beim Fahrradklimatest 2016 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) mit der Note 3,3 abgeschlossen. Vor zwei Jahren stand mit 2,9 noch eine 2 vor dem Komma. Viele kritische Anmerkungen haben den ADFC erreicht.

SELM

, 27.06.2017, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Selmer üben Kritik am Fahrradklima in der Stadt

Christian Jänsch, Vorsitzender der Selmer ADFC-Ortsgruppe, hofft auf gute Resonanz auf den 2016er ADFC-Fahrradklimatest.

Alle zwei Jahre ruft der ADFC zu der Umfrage zum Fahrradklima auf. Bundesweit haben sich im Herbst 2016 rund 120.000 Radfahrer an der Umfrage beteiligt. In Selm haben 82 Radfahrer teilgenommen – deutlich weniger als noch 2014 als noch rund 400 Selmer den Fragebogen ausgefüllt haben. Gefragt wurde unter anderem nach Sicherheit, Komfort, Infrastruktur und Fahrradklima in den Städten.

Warum in Selm das Interesse an dem Test so gesunken ist? Christian Jänsch vom ADFC Selm kann nur raten. Einmal habe der ADFC 2016 weniger Werbung gemacht. Zum anderen glaubt er, dass da Frust eine Rolle spielt. „Es ändert sich ja doch nichts“, sei eine Aussage, die er oft gehört habe, so Jänsch. Seit der ersten Umfrage 2014 habe sich lediglich der Radweg am Ternscher See verbessert, der im Zuge der Regionale 2016 verbreitert wurde.

Wichtiger Kritikpunkt: fehlende Radwege

Frust liest Jänsch auch in den freien Anmerkungen, die die Befragten machen konnten. Darin werden fehlende Radwege kritisiert, etwa an der Olfener Straße, Lünener Straße, Südkirchener Straßen. „Die Kreisverkehre sind sehr fahrradunfreundlich“, schreibt ein Befragter. Und spielt auf Kanten und Übergänge an. Mehrfach kritisieren die Befragten, dass Übergänge zu hoch seien, etwa am Kreisverkehr mit der Olfener Straße, Kreisstraße, Ludgeristraße. „Bei Überqueren des Kreisverkehrs Lidl/Rewe Richtung Altstadt falle ich fast vom Sattel, da alles so hoch gebaut wurde“, schreibt ein anderer Radfahrer.

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An vielen Stellen werde bei Straßenbauprojekten noch hauptsächlich aus der Sicht der Autofahrer gedacht, kritisiert auch Christian Jänsch. Wie Radfahrer die Stellen einsehen können, werde oft nicht beachtet, oder nach veralteten Standards geplant. Ein Beispiel dafür sei der neue Kreisverkehr an der K 44n/Kreisstraße.

Fahrradfahrer seien auch kritischer geworden

Dass Selm auch beim Gesamtergebnis abgerutscht ist – von Platz 17 auf Platz 59 von 364 Plätzen in der Stadtgrößenklasse bundesweit – liege wohl auch daran, dass die Radfahrer kritischer geworden sind, vermutet Jänsch.

Positiv bewerten die Selmer, dass das Radfahren in Selm Spaß mache und kein Stress sei. Das Stadtzentrum sei gut mit dem Rad zu erreichen und man könne zügig sein Ziel erreichen. Zum Einkaufen etwa fallen Hindernisse auf Radwegen negativ auf. Kritik erntet auch die mangelnde oder teure Mitnahme von Fahrrädern in Bussen und Bahnen und dass es keine öffentlichen Leihfahrräder in Selm gibt. Gerade bei Leihrädern seien andere Städte viel weiter, sagt Jänsch.

Hoffnung gibt es für die Kreisstraße

Hoffnung hat er für den Umbau der Kreisstraße nach Pfingsten mit breiteren Radwegen und dem neuen Kreisverkehr an der Alten Zechenbahn. „Dass wir die Situation deutlich entspannen“, prophezeit Jänsch. Er hofft nun, dass die Übergänge an den Kreisverkehren fahrradfreundlich gebaut werden. Das würde auch Selmern mit Rollatoren und Kinderwagen helfen.

Nicht immer müssen es die großen Umbauten sein, um einige Stellen fahrradfreundlicher zu gestalten, sagt Jänsch. Oft wäre ein zusätzliches Schild, dass dem Radfahrer die Verkehrssituation erklärt, schon hilfreich.

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