So alt sind die Lehrer an den Schulen in Selm

Mit Infografik

Die Lehrer in Selm sind heute jünger als noch vor fünf Jahren. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Vor allem viele Pensionierungen und damit einhergehende Neueinstellungen führen dazu, dass die Lehrer immer jünger werden. Und trotzdem haben zahlreiche Schulen Probleme, offene Stellen zu besetzen.

SELM

, 29.09.2017 / Lesedauer: 3 min
So alt sind die Lehrer an den Schulen in Selm

Die Zeit der überalteten Kollegien scheint vorbei, auch in Selm sinkt der Altersdurchschnitt der Lehrer.

Knapp ein halbes Jahr jünger sind die Lehrer in Selm als noch vor fünf Jahren. Das geht aus den Zahlen der Statistikstelle des Landes IT.NRW hervor. Besonders jung ist das Kollegium an der 2014 eröffneten Selma-Lagerlöf-Sekundarschule. 39,7 Jahre sind die Lehrer dort im Schuljahr 2016/17 im Durchschnitt alt – und damit rund sechs Jahre jünger als der durchschnittliche Selmer Lehrer (45,7 Jahre). Durchschnittlich vier von zehn Lehrern sind dort jünger als 35 Jahren. Das ist der Spitzenwert in Selm.

Verlauf in Wellen

Am erfahrensten sind hingegen die Lehrer an der Otto-Hahn-Realschule. 55 Jahre sind sie durchschnittlich alt und damit fast 16 Jahre älter als die Lehrer der Sekundarschule. Lehrer unter 35 Jahren haben dort im vergangenen Schuljahr überhaupt nicht unterrichtet. Dreiviertel der Lehrer sind hingegen älter als 49 Jahre alt.

Vor fünf Jahren sah das an der Otto-Hahn-Realschule noch ganz anders aus. Acht Jahre waren die Lehrer dort durchschnittlich jünger. Das liegt vor allem damit zusammen, dass die Realschule ausläuft – aus 43 Lehrer sind nun nur noch 16 geworden. Aber auch an den Grundschulen und der Hauptschule sind die Lehrer jünger geworden.

Ruhestands- und Neueinstellungswellen haben dafür gesorgt, dass viele junge Lehrer nach Selm kamen. Etwa jeder dritte Lehrer in Selm war im vergangenen Schuljahr jünger als 35 Jahre. Fünf Jahre zuvor traf das nur jeder auf jeden fünften Lehrer zu.

Jetzt lesen

Viele Pensionierungen

Von den „Wellen“ berichtet auch Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. „Dieser Trend ist durch die Altersstruktur entstanden, durch die es viele Pensionierungen hab und logischerweise dann auch viele Neueinstellungen, die die Kollegien verjüngen.“

Besonders jung ist das Kollegium an der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule gleich auf zwei Weisen: vom Alter und von der Dauer, die das Kollegium so zusammen ist. „Die jungen Kollegen bringen neue Sachen rein und sind initiativ“, sagt Schulleiterin Karin Vogel. „Aber auch alle anderen Kollegen bringen sich ein und punkten mit Erfahrung.“ Gemeinsam befänden sich alle aufgrund der neuen Strukturen auf einem gemeinsamen Weg, von dem alle profitieren.

Jetzt lesen

Plan zur Entlastung

Probleme gibt es kreisweit allerdings trotzdem bei der Besetzung von Lehrerstellen – insbesondere an Grundschulen, wie Söbbeler bestätigt. 17 Lehrerstellen im Kreis Unna sind zurzeit trotz Ausschreibung unbesetzt. „Das wir die Stellen nicht besetzen konnten, hat es in den Vorjahren so nicht gegeben“, sagt Söbbeler. Das Problem der Grundschulen: Das eigentlich kürzere Grundschulstudium ist im Zuge der Bachelor-Master-Studiengänge verlängert worden. Statt sechs Semester müssen die zukünftigen Grundschullehrer nun acht Semester studieren. „Deswegen haben wir jetzt eine Zwischenphase, die für einen kleinen Einbruch der Bewerber sorgt“, so Söbbeler.

Für Entlastung sollen nun Nachwuchslehrer sorgen, die sich eigentlich auf das Gymnasium und die Gesamtschule spezialisiert haben. In ganz Nordrhein-Westfalen erhalten derzeit Lehrer, die im November mit ihrem Referendariat fertig werden und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, Post. „Bei bestimmten Kombinationen aus Fächern und Schulformen sind die Einstellungschancen nicht so gut“, so Söbbeler. Deshalb erhalten die Lehrer das Angebot, zwei Jahre an einer Grundschule zu arbeiten, bevor sie eine Stelle an ihrer gewünschten Schulform zugesichert bekommen.

Jetzt lesen

Quereinsteiger werden benötigt

Doch kommt es dabei nicht zu einer Verschiebung des Problems? Immerhin werden immer mehr Quereinsteigern an weiterführenden Schulen und Berufskollegs benötigt, um den Bedarf an Lehrpersonal zu decken. „Wir sehen da keinen Widerspruch“, sagt Söbbeler. Immerhin beziehe sich der Einsatz von Quereinsteigern auf Fachunterricht – dort kennen sie sich durch ihre Vorerfahrungen aus. „Wir hoffen vielmehr auf positive Effekte.“

Sprich: Die jungen Lehrer lernen nochmals die Situation in den Grundschulen besser kennen, bevor sie an die weiterführende Schule gehen. Grundschullehrer sollen hingegen aus der Erfahrung der Kollegen schöpfen. „Aber da fehlen uns die Erfahrungswerte. Wir können nur abwarten.“

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt