So denkt die Selmer Stadtspitze über ehrenamtliches Engagement

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Ehrenamtliches Engagement, so betonen es Politiker landauf, landab ist von immenser gesellschaftlicher Wichtigkeit. Selmer Ehrenamtler helfen sogar, Wunden zu heilen.

Selm

, 28.11.2018, 09:46 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mit dem Ehrenamtstag im Selmer Bürgerhaus würdigt die Stadtspitze einmal im Jahr diejenigen, die in ihrer Freizeit, ohne großartig dafür bezahlt zu werden, für andere da sind. In Vereinen, Verbänden, Einrichtungen.

So denkt die Selmer Stadtspitze über ehrenamtliches Engagement

Der Saal des Bürgerhauses war während des Ehrenamtstages gut gefüllt. © Arndt Brede

Ehrenamtliche sind stille Helden

„Wir freuen uns riesig, dass so viele unserer Einladung gefolgt sind“, sagte Bürgermeister Mario Löhr am Dienstag, 27. November, während des aktuellen Ehrenamtstages an die Adresse der Besucher. „Denn Sie sind in unserer Stadt die stillen Helden. Das, was Sie leisten, kann man gar nicht hoch genug bewerten.“ Das Engagement für andere sei etwas ganz Besonderes. Und dieses Besondere dankt die Stadtspitze Ehrenamtlichen mit jenem Ehrenamtstag bei Schnittchen, Kaffee und Kaltgetränken. Sie lädt jedes Jahr Vertreter anderer Gruppierungen ein, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig in angenehmer Atmosphäre kennenzulernen.

Musik, Sport und viele andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens profitieren vom Engagement. Um auch denen, die nicht so genau wissen, wofür so ein Ehrenamtler eigentlich arbeitet, hat die Stadtspitze kleine Interviews eingeführt. Am Dienstag übernahm das Beigeordnete Sylvia Engemann.

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Beigeordnete Sylvia Engemann interviewte Ehrenamtliche. Hier die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, Monika Zientz. © Arndt Brede

Viele private Freundschaften

Eine Gesprächspartnerin, die von ihrer Arbeit berichten konnte, war Monika Zientz, Vorsitzende des Selmer Städtepartnerschaftsvereins. Sie erzählte, wie es am Anfang der mittlerweile 26 Jahre dauernden Partnerschaft Selms mit dem französischen Ort Walincourt-Selvigny und der im nächsten Jahr 25 Jahre währenden Partnerschaft mit dem englischen Workington war. Es sei gelungen, Barrieren abzubauen, die in beiden Ländern - Frankreich und Großbritannien - nach dem Zweiten Weltkrieg herrschten. Tiefe Wunden der Verletzungen sind mittlerweile durch viele private Freundschaften geschlossen worden. Auch das ist ein Verdienst ehrenamtlichen Engagements.

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Elisabeth Janßen erzählte von ihrer Arbeit als Schiedsfrau für Cappenberg und Bork. © Arndt Brede

Damit auch im nachbarschaftlichen Binnenverhältnis der Bürger möglichst Friede herrscht, gibt es die Schiedsleute. Elisabeth Janßen ist seit Mai Schiedsfrau für Cappenberg und Bork. Es seien eher ruhige Standorte. „Und so hatte ich bisher erst drei Fälle, die ich mit ein, zwei längeren Gesprächen ganz gut regeln konnte.“ Auch das ein Beispiel, wie jemand in seiner Freizeit mit dazu beiträgt, dass das Gemeinwohl gewahrt bleibt.

Ehrenamtliche tragen zur Entwicklung der Stadt bei

Monika Zientz und Elisabeth Janßen: Zwei Frauen, die stellvertretend für die Hunderten anderen Ehrenamtlichen in Selm stehen. Und wenn in den letzten Monaten in Selm viel von Stadtentwicklung in baulicher Hinsicht - Campus, Aktive Mitte, Kreisstraßenumbau - gesprochen wurde, gehört das, was die Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit leisten, auch zur Entwicklung der Stadt. Wenn auch auf ganz anderer Ebene als in baulicher Hinsicht.

So denkt die Selmer Stadtspitze über ehrenamtliches Engagement

Die neue Ehrenamtsbeauftragte Brigitte Althoff-Rörig hat den Ehrenamtstag organisiert. © Arndt Brede

Neue Ehrenamtsbeauftragte

Organisiert hat den Ehrenamtstag die neue Ehrenamtsbeauftragte der Stadt, Brigitte Althoff-Rörig. Sie ist die Nachfolgerin von Walburga Malicha, die in den Ruhestand gegangen ist. Im Gespräch mit der Redaktion am Rande des Ehrenamtstages spricht die neue Ehrenamtsbeauftragte über die ersten Monate ihres neuen Arbeitsbereiches. Seit Mitte Oktober sei sie nun Ehrenamtsbeauftragte. Sie arbeite seit mehr als 30 Jahren in der Verwaltung. „Ich war lange im technischen Bereich tätig und bin seit Anfang des Jahres Personalratsvorsitzende.“ Als Bürgermeister Mario Löhr sie gefragt habe, ob sie sich vorstellen könne, Ehrenamtsbeauftragte zu werden, „habe ich gesagt: Ja gerne. Denn ich würdige das Ehrenamt. Ich schätze die Bereitschaft vieler Selmer Bürger“.

Bereit, sich für andere zu engagieren

Für sie sei die Tätigkeit eine ganz neue Situation, gibt die 59-Jährige zu. Obwohl: Schon die ersten Sätze Brigitte Althoff-Rörigs verraten eine Tugend, die für die Arbeit als Ehrenamtsbeauftragte unerlässlich ist: Empathie. „Wenn man im Personalrat tätig ist, hat man grundsätzlich schon die Bereitschaft, sich für andere sozial zu engagieren“, sagt sie.

Es sind nun knapp vier Wochen, in denen Brigitte Althoff-Rörig ihren neuen Job ausfüllt. Hat sie denn schon einen Überblick über das, was sie alles leisten muss? „Es gibt ein sehr großes Maß an ehrenamtlichem Engagement“, so viel sei sicher. Fakt sei aber auch: „Es gibt im Verhältnis wenig Ehrenamtskarteninhaber“, sagt sie, ohne eine genaue Zahl nennen zu können. Gründe dafür? „Viele wissen gar nicht, dass es die Ehrenamtskarte gibt.“ Jene Karte also, durch die Inhaber der Karte Vergünstigungen bekommen. Manche seien vielleicht auch zu bescheiden, um sich für eine Ehrenamtskarte zu bewerben. Wobei Brigitte Althoff-Rörig betont, dass sich Interessierte nicht nur selbst melden können. „Sie können auch von jemand anderem vorgeschlagen werden.“ Voraussetzungen für Kandidaten seien: Fünf Stunden ehrenamtliche Tätigkeit pro Woche beziehungsweise 250 Stunden im Jahr. Man müsse drei Jahre ehrenamtlich tätig sein, um potenziell eine Ehrenamtskarte zu bekommen. Sie stehe für Fragen rund um das Ehrenamt zur Verfügung, könne auch Tipps geben, wo sich Menschen ehrenamtlich engagieren könnten.

Ehrenamt hat einen hohen Stellenwert

Melden sich denn tatsächlich Interessierte bei ihr? Wie sieht es mit der Kontaktaufnahme aus? „Es kommen nicht täglich Anfragen“, berichtet die Mutter eines Sohnes. Im Vorfeld des Ehrenamtstages sei aber schon einiges zu regeln gewesen. Im Alltag kommen die Mails und Anrufe eher sporadisch. Von sich aus schreibt Brigitte Althoff-Rörig die Ehrenamtskarteninhaber aber auch an. „Die Karten müssen alle zwei Jahre neu beantragt werden.“ Dabei könne sie auf der sehr guten Arbeit ihrer Vorgängerin Walburga Malicha aufbauen, dass sei ihr wichtig zu betonen. Was ihr ihre Arbeit noch erleichtere, sei die Tatsache, „dass das Ehrenamt bei Bürgermeister Mario Löhr und der Beigeordneten Sylvia Engemann einen ganz hohen Stellenwert hat“. Auch der Seniorenbeirat und Mitarbeiter der Stadtverwaltung hätten sie grundsätzlich, gerade aber auch im Vorfeld und bei der Durchführung des Ehrenamtstages „ganz toll unterstützt“.

So denkt die Selmer Stadtspitze über ehrenamtliches Engagement

Brigitte Althoff-Rörig unterstützte Bürgermeister Mario Löhr während des Ehrenamtstages. Etwa, als er Musikschüler Henrik Neufeld mit einem kleinen Geschenk für seinen musikalischen Beitrag dankte. © Arndt Brede

Über Verbesserungen reden

Wer glaubt, Brigitte Althoff-Rörig sitze in ihrem Büro im Borker Amtshaus und warte darauf, dass sich jemand bei ihr meldet, irrt. „Ich gehe auch zu Angeboten wie ,Die kleine Hilfe‘. Da bin ich in der Regel einmal im Monat.“ Das sei ein Projekt, das an das Angebot Ehrenamt Rat und Tat am alten Kirchplatz angedockt sei. Dort können Menschen sich melden, die Hilfe benötigen, etwa, wenn es darum gehe, dass ein Spiegel aufgehängt werden muss. Es gebe eine Gruppe von Helfern, die die Aufträge annehmen und ausführen. Brigitte Althoff-Rörig ist Mitglied eines Gesprächskreises, der darüber redet, wie es derzeit läuft und ob noch Verbesserungen einzubringen sind.

Ein Jahr hat sie sich gegeben, um voll umfänglich alles, was sich rundum das Ehrenamt in Selm tut, zu überblicken. „Da ist es auch wichtig, mit den Menschen zu sprechen.“ Es liegt also noch einiges vor der neuen Ehrenamtsbeauftragten. Da hat es bestimmt gut getan, dass die Besucher des Ehrenamtstages ihr als Dank für die gute Organisation der Veranstaltung herzlichen Applaus gespendet haben.

Kontaktmöglichkeiten

Wer Kontakt mit Brigitte Althoff-Rörig aufnehmen möchte, kann sie unter Tel. (02592) 69102 oder per E-Mail erreichen: b.althoff-roerig@stadtselm.de

Die Ehrenamtskarte Inhaber der Ehrenamtskarte bekommen in Selm viele Vergünstigungen. Etwa beim Einkauf in vielen Geschäften, wo es Rabatte gibt. VHS-Kurse, Bibliothek, Kulturveranstaltungen: Der FoKuS gewährt deutliche Preisnachlässe. Und auch im Bürgerfreibad gibt es ermäßigten Eintritt. Nur einige von vielen Beispielen, die Ehrenamtskarteninhabern Vergünstigungen gewähren.
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