So geht es Jörrißen und Thews nach der Wahl

Wahlkreis Unna-Hamm II

Bundestagsabgeordnete Sylvia Jörrißen (CDU) muss ihre Zelte in Berlin abbrechen, Michael Thews (SPD) findet sich plötzlich in der Opposition wieder. Wie erleben die beiden Politiker das? Wir haben mit den Kandidaten für den Wahlkreis Unna-Hamm II (Lünen/Hamm/Selm/Werne) gesprochen.

SELM

, 04.10.2017 / Lesedauer: 3 min
So geht es Jörrißen und Thews nach der Wahl

Sylvia Jörrißen und Michael Thews.

Eigentlich, sagt Sylvia Jörrißen, kann sie ja stolz sein auf ihr Erststimmenergebnis bei der Bundestagswahl. Gegen den Trend den Abstand auf Michael Thews verkürzt, aber am Ende doch verloren. Hätte, hätte, Fahrradkette. Raus aus dem Bundestag. Nach vier Jahren. „Dienstag letzter Woche war ich in Berlin, da ist die alte und die neue CDU-Fraktion zum ersten und letzten Mal zusammengekommen. Da schwang schon eine Menge Wehmut mit, viele Kollegen das letzte Mal wiederzusehen, die Mitarbeiter natürlich auch“, berichtet die 49-Jährige.

Vier Mitarbeiter im Volumen von drei Vollzeitstellen hat Jörrißen nach eigenen Angaben in ihrem Berliner Büro beschäftigt. „Ich hoffe, dass die schnellstens Anschlussbeschäftigung bei einem Kollegen kriegen, das ist mir schon wichtig“, betont die scheidende Abgeordnete.

Und sie selbst? „Ich brauche jetzt einige Zeit, um zur Ruhe zu kommen und mir Gedanken zu machen, wie es weitergeht“, erzählt sie. Ihre Haus- und Wohnungsverwaltung in Hamm habe sie aufgegeben, „beruflich stehe ich momentan erst mal vor dem Nichts“, erzählt sie, will das aber nicht im Sinne von Jammern verstanden wissen. „Mir war klar, dass Abgeordnete kein Job ist, den ich bis an mein Lebensende machen werde.“ Eine erneute Tätigkeit in der Wohnungswirtschaft könne sie sich gut vorstellen.

In Berlin habe sie letzte Woche damit begonnen, ihr Büro im Gebäude Wilhelmstraße 65 auszuräumen. „Ich bin mit wenigen persönlichen Dingen gekommen und nehme wenige persönliche Dinge mit, dafür aber viele Erfahrungen.“

Jörrißen würde 2021 erneut als Kandidatin antreten

Und was ist, wenn die CDU zur Bundestagswahl 2021 wieder eine Kandidatin sucht? „Dann würde ich eine erneute Kandidatur nicht ausschließen“, erklärt die Christdemokratin.

Michael Thews (SPD) nahm noch am Abend der Wahl den letzten Zug nach Berlin. Einer der ersten Termine des 53-Jährigen danach war die Landesgruppensitzung der NRW-Abgeordneten. Die Stimmung dort sei angesichts des schlechten Wahlergebnisses bei den Sozialdemokraten natürlich nur „begrenzt gut“ gewesen, wie es der Bundestagsabgeordnete vorsichtig formuliert. „Das Ergebnis gab ja nicht gerade Grund zum Jubeln.“

Während der Sitzung der Gesamtfraktion sei er von der neu gewählten Fraktionsvorsitzenden Andrea Nahles beeindruckt gewesen. „Sie hat eine sehr kämpferische Rede gehalten und zeigt damit auf alle Fälle, dass sie die Rolle der Oppositionsführung ganz stark angehen wird.“

Thews hält Oppositionsrolle der SPD für richtig

Meint er damit auch den etwas saloppen Spruch von Nahles, die CDU würde demnächst „in die Fresse“ kriegen? „Das war ja nur ein Bruchstück dessen, was sie alles gesagt hat“, entgegnet Thews.

„Opposition ist Mist“ hat der SPD-Spitzenpolitiker Frank Müntefering einmal gesagt. Das war 2004, bei seiner Bewerbungsrede für den Parteivorsitz auf einem Sonderparteitag der SPD.

Und was sagt Michael Thews 2017 zur Oppositionsrolle: Er halte sie angesichts des Wahlergebnisses für richtig; auch wenn er sich zuvor überrascht geäußert hatte: „Dass die Entscheidung so schnell fiel – ich hätte gedacht, dass man da vielleicht erst mal ein paar Tage drüber reden könnte.“

Eine Woche nach der Wahl gibt sich der Sozialdemokrat kämpferisch: „Wir werden mit unseren Themen richtig Druck machen.“ Konkret gehe es darum, „Anträge vorzubereiten und Initiativen vorzubereiten“.

Für die Arbeit im Wahlkreis habe er sich auch schon Ziele gesetzt: „Ich werde jetzt bald Termine mit den Bürgermeistern machen, um dann in Berlin Druck zu machen. Die Kommunen müssen über den Bund finanziell besser unterstützt werden, da muss in Berlin was passieren. Da werde ich jetzt den Finger in die Wunde legen!“

Einkommen und AltersversorgungEin Bundestagsabgeordneter erhält monatlich 9541,74 Euro. Diese sogenannte Abgeordnetenentschädigung ist einkommensteuerpflichtig.
Hinzu kommt eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von derzeit 4318,38 Euro pro Monat, die unter anderem Büromiete und -ausstattung, aber auch eine Zweitwohnung in der Hauptstadt finanziert.
Monatlich stehen bis zu 20.870 Euro für Mitarbeiter zur Verfügung, die die Abgeordneten unterstützen sollen. Das Geld wird direkt von der Bundestagsverwaltung an die Mitarbeiter gezahlt.
Ausscheidende Abgeordnete erhalten ein Übergangsgeld, um ihren beruflichen Wiedereinstieg abzusichern. Für jedes Jahr der Parlamentszugehörigkeit werden 9541,74 Euro gezahlt. Sylvia Jörrißen erhält diese Summe also vier Monate lang. Ab dem zweiten Monat nach Ausscheiden aus dem Parlament werden alle sonstigen Erwerbseinkünfte auf das Übergangsgeld angerechnet.
Für jedes Jahr im Bundestag bekommt ein Abgeordneter, sobald er 67 Jahre alt ist, 239 Euro Rente pro Monat. Bei einer Legislaturperiode (vier Jahre) sind das also 950 Euro. Maximal werden 27 Jahre im Parlament vergütet, was dann 27 Mal 239 Euro entspricht.

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