So helfen zwei Cappenberger im Notfall mit einer App

Mobile Retter im Einsatz

Im Kampf um Leben und Tod zählt jede Sekunde. Doch bis der Rettungswagen eintrifft, vergehen für die Angehörigen oft viele bange Minuten. Mit einer Handy-App kommen Ersthelfer jetzt schneller zum Einsatz. Peter Hill und Thorsten Hoppe aus Cappenberg nutzen die App seit einem Jahr und haben so schon Leben gerettet.

Cappenberg

, 30.12.2017, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thorsten Hoppe (l.) und Peter Hill sind seit mehr als einem Jahr mobile Retter.

Thorsten Hoppe (l.) und Peter Hill sind seit mehr als einem Jahr mobile Retter. © Mario Bartlewski

Ein schrilles Klingeln tönt aus dem Smartphone von Peter Hill. Sein Blick senkt sich, die Miene wird ernst. „Sind sie einsatzbereit?“, ist auf dem Display zu lesen: eine Anfrage, um Erste Hilfe zu leisten. Als Hill bestätigt, dass er helfen kann, entspannt sich sein Gesichtsausdruck. Er muss zu keinem Notfall fahren, die Anfrage ist nur ein Test. Doch für den Ernstfall wäre Hill gerüstet.

Er und Thorsten Hoppe sind seit knapp einem Jahr mobile Retter, die einzigen in Cappenberg. Ist ein Mensch in der Nähe bewusstlos oder ist er bewusstlos, alarmiert die Leitstelle sie parallel zum Rettungswagen, damit sie Erste Hilfe leisten können. „Im ländlichen Bereich die Fristen für Rettungseinsätze oft nicht eingehalten werden“, sagt Hill, der auch bei der Freiwilligen Feuerwehr in Cappenberg tätig ist.

Rettungsdienste schaffen es oft nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit

Innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung muss ein Rettungsdienst da sein. „Hier bei uns in Cappenberg, zwischen Lüdinghausen, Werne und Selm, ist das manchmal ein Problem.“ Genau das sollen die mobilen Retter verhindern – und tun es auch.

Sechsmal hat die App Hill alarmiert, dreimal bekam Hoppe Bescheid. „Wenn man gerade Zeit hat, wirft man sich was über, steigt ins Auto und fährt los“, beschreibt Hoppe. Eine Anfrage musste er bislang ablehnen, zweimal konnte er vor Ort helfen. Meist, so Hoppe, seien die mobilen Retter doppelt so schnell da wie die Rettungswagen.

Knapp vier Minuten brauchen die mobilen Retter laut Statistik des gleichnamigen Vereins pro Alarmierung. Möglich macht das die Ortung der Smartphones der freiwilligen Helfer. Das System erkennt, wo sich die Helfer aufhalten, wer die kürzeste Distanz zum Einsatzort hat. Lehnt ein Helfer ab, wird ein anderer Helfer angefragt, sofern sich noch einer nah genug am Einsatzort befindet.

Auf einer Handy-App bekommen die mobilen Retter Einsatzort, Distanz und geschätzte Fahrtdauer angezeigt. Hier bei einem Test zur Leitstelle in Unna

Auf einer Handy-App bekommen die mobilen Retter Einsatzort, Distanz und geschätzte Fahrtdauer angezeigt. Hier bei einem Test zur Leitstelle in Unna © Mario Bartlewski

„Ich hatte vor ein paar Wochen einen Fall, wo ich das Haus erst nicht gefunden hatte“, sagt Hoppe. „Trotzdem war ich als Erster am Einsatzort.“ Bis der Rettungswagen eintrifft, können die Helfer schon Patienten wiederbeleben, die Situation aufnehmen oder Angehörige beruhigen. Je nachdem, was die Situation erfordert. „Für Angehörige fühlen sich die Minuten wie Stunden an. So wissen Sie, dass jemand schon vor Ort hilft“, sagt Hill. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich da liege, wäre ich froh, wenn mir jemand so schnell hilft.“

Doch an der Anzahl der mobilen Retter hapert es noch in Cappenberg. Nur zwei von ihnen gibt es bislang, dabei seien viel mehr Cappenberger als mobile Retter geeignet: Krankenschwestern, Pfleger, Sanitäter, Rettungsassistenten, Feuerwehrkräfte, DLRG-Schwimmer oder Ärzte dürfen nach einer eintägigen Schulung mitmachen.

Thorsten Hoppe hilft als gelernter Garten- und Landschaftsbauer

Hoppe ist gelernter Forstwirt und Garten- und Landschaftsbauer. Durch seinen Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr kann aber auch er mitwirken. „Umso mehr Freiwillige es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand helfen kann“, sagt Hill. Als gelernter Krankenpfleger und Rettungsassistent habe er sich schon immer gefragt, wie noch mehr helfen könne.

„Ich habe einmal gesehen, wie bei einem Nachbar der Rettungswagen kam, sie war ohnmächtig“, sagt Hill. „Hätte es die App vorher schon gegeben, hätte ich ganz schnell rübergehen und helfen können.“ Jetzt sieht das anders aus – zumindest, wenn es genug Helfer gibt.

  • Den Verein Mobile Retter gibt es seit dem 11. Oktober 2016.
  • 3700 aktive Retter gibt es deutschlandweit bislang.
  • 11000 Freiwillige haben sich bundesweit registriert.
  • 5000 Alarmierungen verzeichnete der Verein bis zum 20. September 2017.
  • Alleine im Kreis Unna gibt es 398 aktive mobile Retter, die bis zum 20. September 638 Mal alarmiert wurden.
  • 4:32 Minuten brauchen die Helfer im Kreis Unna im Durchschnitt, um zu einem Einsatz zu gelangen.
  • Vor dem Einsatz ist eine eintägige Schulung nötig.
  • Wer mobiler Retter werden möchte, kann sich melden unter Tel. (0221) 64305141, per E-Mail an info@mobile-retter.de und im Internet.
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