So sah es früher in einer Borker Gaststätte aus

Erinnerungen an ''Fork''

Wie war das, in den 70er-Jahren eine Gaststätte in Bork zu betreiben? Mit Mittagstisch und vielen Gläsern Bier schon am Mittag? Silvia und Hermann Voß erinnern sich an die Zeit, als sie sich um die Gaststätte Fork kümmerten. Für uns haben sie sogar ihr Fotoalbum von damals geöffnet.

BORK

, 15.07.2016, 16:40 Uhr / Lesedauer: 3 min
Einen Stammtisch gab es bei Fork. An Samstagen saßen dort betuchte Geschäftsleute und Unternehmer aus Lünen, Selm und der Region. Aber auch andere Gäste kehrten regelmäßig im Gasthaus im Borker Ortskern ein.

Einen Stammtisch gab es bei Fork. An Samstagen saßen dort betuchte Geschäftsleute und Unternehmer aus Lünen, Selm und der Region. Aber auch andere Gäste kehrten regelmäßig im Gasthaus im Borker Ortskern ein.

Alt Bork steht vor der Schließung – seit diese Geschichte bekannt ist, wird viel über die Historie der Kneipen in Bork, Selm und Cappenberg gesprochen. Rund 60 gab es einst, heute sind noch etwa 15 geblieben. Wir haben uns mit Silvia und Hermann Voß unterhalten: Sie hatten, zwei Fußwegminuten von Alt Bork entfernt, in den 70er-Jahren das Sagen am Zapfhahn und in der Küche bei Fork. Und meinten, dass schon 1979 genau der richtige Zeitpunkt war, dort aufzuhören.

Hermann Voß, der heute in einem hübschen Haus mit Seeblick in der Selmer Bauerschaft Ternsche wohnt, war Fleischer. Seine Frau arbeitete im Fleischerei-Verkauf. Sie waren also halb vom Fach, als Silvias Bruder Bernhard Horst Feykes, der Wirt vom Selmer Hansa-Eck, den beiden 1970 sagte: Warum macht ihr nicht auch eine Kneipe auf? Hermann Voß hatte bei ihm schon desöfteren mal ausgeholfen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Kneipen damals: Gaststätte Fork in Bork

Damals in der Gaststätte Fork in Bork: Silvia und Hermann kümmerten sich von 1970 bis 1979 dort um den Betrieb. Für uns haben sie ihr Fotoalbum geöffnet. Und uns so teilhaben lassen an der Kneipen-Welt der 70er-Jahre. Außerdem finden sie hier noch ältere sowie aktuelle Ansichten des Gebäudes.
15.07.2016
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Hermann Voß (r.) und seine Aushilfe Gerd Kautz hinter der Theke: Kautz arbeitete eigentlich als Kfz-Meister, wohnte aber im Haus und arbeitete dafür ab und an im Betrieb mit. Bei Fork gab es Dutzende Schnäpse.© Foto: Tobias Weckenbrock
Silvia und Hermann Voß, wohnhaft am Ternscher See in Selm, blicken gern auf die Zeit zurück, als sie die Kneipe Fork in Bork hatten. Es ist inzwischen über 30 Jahre her.© Foto: Tobias Weckenbrock
Einen Stammtisch gab es bei Fork. An Samstagen saßen dort betuchte Geschäftsleute und Unternehmer aus Lünen, Selm und der Region. Aber auch andere Gäste kehrten regelmäßig im Gasthaus im Borker Ortskern ein.© Foto: Tobias Weckenbrock
Hermann Voß (r.) und seine Aushilfe Gerd Kautz hinter der Theke: Kautz arbeitete eigentlich als Kfz-Meister, wohnte aber im Haus und arbeitete dafür ab und an im Betrieb mit. Bei Fork gab es Dutzende Schnäpse.© Foto: Tobias Weckenbrock
Die Gäste freuten sich über den Braten von Hermann und Silvia Voß bei Fork in Bork. Heute sieht es Voß als Vorteil, dass es bei Fork auch Restaurantbetrieb gab. Vor allem der Mittagstisch war sehr beliebt in den 70er-Jahren.© Foto: Tobias Weckenbrock
Braten und Spanferkel: Das gab es damals im Gasthaus Fork. Hier schneidet der Wirt Hermann Voß für die Gäste Stücke ab.© Foto: Tobias Weckenbrock
Rauchen, trinken, quatschen: Das normale Geschehen im Gasthaus Fork in den 70er-Jahren.© Foto: Tobias Weckenbrock
Silvia Voß (l.) mit Zigarette und guter Laune: Fast zehn Jahre lang schmiss sie die Küche als junge Mutter.© Foto: Tobias Weckenbrock
Bruno Lohmann, den alle nur Brunolo nannten: Er wohnte im Haus und war der wichtigste Stammgast der Kneipe in den 70er-Jahren. Er war nicht bei jedem beliebt - aber Hermann Voß sagt, man musste Bruno nehmen, wie er ist. Er kam jeden Tag - aber immer fein im Anzug. "Er hatte seinen Stammplatz am Tresen", so Hermann Voß. Von dort aus konnte er auf die Synagoge nebenan gucken.© Foto: Tobias Weckenbrock
So sah Fork in den 70er-Jahren aus: Die Voß' haben ein Fotoalbum aus ihrer Zeit als Wirte- und Küchenpaar in der Borker Traditionsgaststätte.© Foto: Tobias Weckenbrock
So sah das bei Fork in den 70er-Jahren aus.© Foto: Tobias Weckenbrock
Diese Ansichtskarte stellte Paul Lukowski aus Dortmund zur Verfügung. Sie zeigt das Gasthaus Fork an der Ecke Hauptstraße / Waltroper Straße im Ortskern von Bork.© Repro: Tobias Weckenbrock
Diese Ansichtskarte stellte Paul Lukowski aus Dortmund zur Verfügung. Sie zeigt das Gasthaus Fork an der Ecke Hauptstraße / Waltroper Stra´ße im Ortskern von Bork.© Repro: Tobias Weckenbrock
Das Gasthaus Fork in Bork.© Foto: Tobias Weckenbrock
Das Gasthaus Fork in Bork.© Foto: Tobias Weckenbrock
Das Gasthaus Fork in Bork.© Foto: Tobias Weckenbrock
Das Gasthaus Fork in Bork.© Foto: Tobias Weckenbrock
Silvia und Hermann Voß, wohnhaft am Ternscher See in Selm, blicken gern auf die Zeit zurück, als sie die Kneipe Fork in Bork hatten. Es ist inzwischen mehr als 30 Jahre her.© Foto: Tobias Weckenbrock
Schlagworte Bork,

Warnungen: "Bork ist ein anderes Pflaster"

Sie machten es, die jungen Voß‘ – sie gerade 21 Jahre alt, er in der Metzgerei Brüning angestellt. Obwohl es Warnungen gab: „Bork ist ein anderes Pflaster“, sagte man ihnen damals – ein Beamtenstädtchen.

„Ich gebe dir ein halbes Jahr, Hermann“, habe ihm ein Freund damals gesagt. „Aber im Gegenteil. Wir haben uns an die Borker gewöhnt und sie an uns“, sagt Hermann Voß heute im Rückblick – und lebte auch von den Polizeibeamten und denen aus dem Amtshaus.

Dennoch: "Es war ein einträgliches Geschäft"

Ehepaar Voß übernahm die Gaststätte von Bruno Lohmann, schloss einen Fünf-Jahres-Vertrag „für ganz billiges Geld“, wie Hermann Voß sagt: Er zahlte 400 D-Mark Pacht im Monat an Familie Fork und musste dafür Bruno Lohmann wohnen lassen. Der wurde der beste Kunde: Die Zeche in der Kneipe, wo er jeden Tag anzutreffen war, musste er selbst entrichten.

„Es war ein einträgliches Geschäft“, sagt Hermann Voß – nicht, wenn man die Arbeitsstunden auf das Einkommen umrechnete. Aber zum Leben genug. Das Fleisch machte er im Hof selbst. Die Frau kochte. Der Vertrag verlängerte sich automatisch Jahr für Jahr. „Dabei wollten wir die Kneipe eigentlich auf Rentenbasis übernehmen.“ Heute meint er, es sei ein Segen gewesen, 1979 aufgehört zu haben. „Das Geschäft wurde zum Ende hin schlechter“, so der ehemalige Wirt.

Ein Millionen-Stammtisch und ein Tag beim anderen Wirt

Dabei hatten sie illustre Gäste: „Schulte-Witten, Kesting, Bartling, Stricker-Bergmann, Stefan Franzen – man nannte sie auch den Millionen-Stammtisch. Heute sind sie alle tot.“ Jeden Samstag kamen die Herren zusammen. Dazu hatten die 1. Kompanie der Stephanusschützen, der PSV Bork Handball und der Hegering Bork hier ihr Vereinslokal.

Fork hatte täglich außer mittwochs geöffnet – da hatten Voß‘ ihren Putz- und Einkaufstag. Mit Mittagstisch, der gut besucht war und wo die Leute aus den Amtsstuben schon das eine oder andere Bier zu sich nahmen. Mittwochabend aber ging es für Hermann Voß zur Kneipe von Theo Thiel an der Kirche – Eisbein in der Dose essen, erinnert er sich. Rivalität, gar Feindschaft zwischen den Wirten, die fast Tür an Tür ihre Gaststätten hatten? „Theo hat gefühlt nur dann aufgemacht, wenn wir geschlossen hatten“, meint Voß – aber Wettbewerbsdenken habe es nicht gegeben. Man habe sich immer gut verstanden.

Voß: Partykeller waren Schuld am Kneipen-Sterben

Nach neun Jahren war Schluss, weil Änne und Theo Fork ihre Kinder befragten, was mit der Kneipe geschehen sollte. Sie wollten sie in den Erinnerungen von Hermann Voß auf keinen Fall abgeben und die Pacht anheben. Also im Unfrieden geschieden? „Nein, im Gegenteil“, sagen die Voß unisono. Zwei Nachfolge-Pächter habe Fork noch gehabt, die aber nur kurzfristig. Anfang der 80er endete die Geschichte des Gasthauses.

Eine These hat Hermann Voß, warum die Hoch-Zeit der Kneipen endete: „Der Partykeller-Boom war der Tod der Kneipen. Jeder baute sich so ein Ding ins Haus – so wie in den 90ern die Sauna.“

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