So versucht eine Selmerin ein Waldstück zu retten

An der Pestalozzischule

Was Politiker beschließen, lässt Bürger manchmal den Kopf schütteln. Birgit Matera hat es nicht dabei belassen. Als sie vom Vorhaben des Umweltausschusses erfuhr, das Wäldchen vor der Pestalozzischule in Selm einem Neubaugebiet zu opfern, hat sie gehandelt - mit einem ersten Erfolg.

SELM

, 22.05.2017, 13:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem Birgit Matera davon gehört hatte, dass ein Neubaugebiet an der Stelle des Wäldchens vor der Pestalozzischule enstehen soll, eilte sie los. In der folgenden Sitzung des Planungsausschusses hielt sie während einer Sitzungsunterbrechung eine flammende Rede für den Schutz der Bäume - was Politik und Verwaltung offenbar nicht unbeeindruckt ließ.

Das Bauamt, so der Wunsch des Ausschusses, solle eine weitere Planungsalternative erarbeiten – eine, die den Erhalt von mehr Bäumen sicherstelle, als die bisherige. Außerdem will der Ausschuss am nächsten Sitzungstermin, 22. Juni, einen Ortstermin machen zwischen Pädagogenweg und Buchenwaldstraße.

Birgit Matera freut das. Es ist aber noch zu wenig, wie sie im Gespräch sagt. Denn nach wie vor halten die Politiker – mit Ausnahme einer Gegenstimme der Grünen – an dem Vorhaben fest, Einfamilienhäuser zu planen, wo heute noch Schule und Sporthalle stehen – und darüber hinaus.

„Mir wäre es am liebsten, wenn die Gebäude, die sich doch in einem guten baulichen Zustand befinden, erhalten würden“, sagt sie: umgenutzt als Treffpunkt für verschiedene Gruppen oder als Werkstätten. „Ich weiß, das ist Wunschdenken“ sagt sie.

Wald als Vermarktungsargument

Die Selmerin, die jeden Tag mindestens einmal im Wald vor der Haustür unterwegs ist – „in unserem Stadtwald“ – , versteht sich aber auch aufs sachliche Argumentieren: „Es ist ja klar, dass die Stadt mit der Vermarktung der Fläche Geld verdienen möchte“, sagt sie. Mehr Häuser, die im Bereich der einstigen Förderschule entstehen, bedeuteten mehr Einnahmen.

Die Rechnung lasse sich aber auch anders aufmachen: Wenn auf dem Grundstück der Schule – und nur da – gebaut würde, entstünden zwar nicht mehr zwölf Häuser, sondern vielleicht nur vier, fünf. „Alle hätten aber eine exklusive Lage: innenstadtnah und doch mitten im Wald. Das ist doch ein Vermarktungsargument.“

Dafür wären Interessenten bereit, mehr zu zahlen. Und weniger Grundstücke spülten annähernd die gleiche Summe in die Stadtkasse wie die ursprünglichen zwölf Häuser. Einen Verzicht auf Grundstücke zugunsten des Waldes hatte zuvor auch Wilfried Zimmermann (UWG) im Ausschuss vorgeschlagen.

Plänen sollen auch Anwohnern vorgestellt werden

„Wir hatten ja selbst ursprünglich nur wenige Bäume herausnehmen wollen“, so Bauamtsleiter Wolfgang Händschke. Die Forstbehörde habe aber davon abgeraten. Außerdem seien die Grundstücke – wie viele auch immer – und die geplante Vier-Gruppen-Kita allein über den Pädagogenweg nur schwer zu erschließen. Händschke kündigte an, „alles einmal durchzuspielen“.

Die Pläne würden danach nicht nur den Politikern, sondern auch den Anwohnern vorgestellt. Dafür, sagt Birgit Matera, habe sich ihr Besuch der Ausschusssitzung bereits gelohnt.

 

 

 

Interview mit Birgit Matera: "Nichts davon darf weg"

Was schätzen Sie an dem Wäldchen? Dass es überhaupt da ist. Welche andere Stadt hat schon so etwas Schönes: Einen Wald mitten in der Stadt. Das sollten wir nicht aufgeben.  

Aber das große Waldstück, der Zechenbusch, bleibt doch komplett erhalten… …diesen Unterschied möchte ich gar nicht machen: Hier Zechenbusch, der erhaltenswert ist, da Wäldchen, das wegkann. Ich sehe die Pestalozzischule eingerahmt von einem einzigen Wald. Und nichts davon darf weg.  

Was halten Sie von den Plänen, auf dem Gelände eine Kita zu bauen? Ich kann mir dort sogar sehr gut eine Wald-Kita vorstellen. Die Lage wäre ideal. Die übrigen Kitas machen ohnehin regelmäßig Ausflüge in den Wald.

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