Sorge um Wäldchen am Zechenbusch bleibt: Waldarbeiter fällen Buchen und Eschen in Selm

rnBaum-Fällarbeiten

Die Hälfte des Wäldchens zwischen Pädagogenweg und Buchenwaldstraße steht nicht mehr. Waldarbeiter haben dort Buchen und Eschen gefällt - unter den sorgenvollen Blicken von Anwohnern.

von Marcel Schürmann

Selm

, 28.02.2020, 15:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Baum fällt!“ Diese beiden Worte schrie Forstwirt Clemens Cramer am Freitagvormittag (28. 2.) einige Male. Er und seine Kollegen haben in dem kleinen Wäldchen zwischen dem Pädagogenweg und der Buchenwaldstraße in Selm zahlreiche Bäume gefällt. Den Baumbestand dort haben sie nahezu halbiert. Das kleine Wäldchen - es weist schon große Lücken auf.

„Das ist keine unnötige Maßnahme“, betont Cramer. Die Baum-Fällarbeiten geschehen „aus Gründen der Verkehrssicherheit“.

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Hitzestress hat den Buchen zugesetzt

Insgsamt sollen bis Samstag (29.2.) mehr als 20 Bäume in dem Wäldchen gefällt sein, die allesamt den Zustand „absterbend“ erreicht haben. „In den letzten Sommern haben vor allem viele Buchen ordentlich Hitzestress erfahren - gerade die Bäume, die unter starker Besonnung standen konnten nicht genügend Wasser aufnehmen. Die Bäume haben daraufhin angefangen zu faulen“, erklärt Cramer.

Das sehe man daran, dass sich die Kronen der Bäume zurückgebildet haben. Cramer: „Die Bäume konnten nicht mehr richtig versorgt werden. Dadurch bestand jetzt eben das Risiko, dass sie jederzeit umfallen können.“ Mehr als 20 gekennzeichnete Bäume zählten die Anwohner vor den Fällarbeiten.

Auch Eschentriebsterben macht sich bemerkbar

Neben den Buchen mussten auch einige Eschen entfernt werden. Allerdings nicht wegen des Hitzestresses, sondern wegen des Eschentriebsterbens. „Die Eschen sind teilweise von einer Krankheit befallen. Daher müssen wir sie leider fällen“, so Cramer.

Clemens Cramer zeigt: Die Buchen sind bereits in dem Zustand "absterbend" und stellen daher ein Risiko dar.

Clemens Cramer zeigt: Die Buchen sind bereits in dem Zustand "absterbend" und stellen daher ein Risiko dar. © Marcel Schürmann

Anhand einer bereits gefällten Buche erläutert Cramer das Problem genauer. „Man sieht richtig, wie stockig das Innenleben der Buche bereits ist.“ Auch viele der gefällten Buchen, die ein Trecker abtransportiert, zeigen sich innen große Hohlräume.

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„Das ist der Anfang vom Ende“, befürchtet Anwohner Werner Scholten. Er hat große Sorge, dass im Zuge des Baus der drei Mehrfamilienhäuser und der Kindertagesstätte an die Stelle der bereits abgebrochenen Pestalozzischule zwischen dem Wäldchen und dem eigentlichen Zechenbusch, noch mehr Bäume gefällt werden könnten und somit von dem Wäldchen selbst nichts mehr übrig bleibt.

Clemens Cramer (M.) zeigt Anwohner Werner Scholten (l.), warum die Bäume gefällt werden mussten.

Clemens Cramer (M.) zeigt Anwohner Werner Scholten (l.), warum die Bäume gefällt werden mussten. © Marcel Schürmann

Anwohner zeigen Verständnis und sind dennoch besorgt

„Hätten wir uns mal alle um die Bäume gekettet - wie im Hambacher Forst“ pflichtet Anwohnerin Stephanie Schleiff ihrem Nachbarn augenzwinkernd bei. Sie schaut sich die Arbeiten genau an. Auch sie findet es schade, dass so viele Bäume gefällt werden mussten, kann die Gründe dafür aber nachvollziehen.

„Es ist so eine schöne Fläche. Hier sind viele Kinder groß geworden. Das fällt nun leider weg als Spielfläche. Aber wenn die Buchen eben nicht mehr zu retten waren, dann musste das eben geschehen“, zeigt sie sich inzwischen einsichtig.

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Dass ihr Wäldchen komplett verschwindet, wollen viele Anwohner nicht erleben. „Wir hoffen, dass zumindest das Gestrüpp bleibt. Dabei handelt es sich nämlich um Jung-Buchen, die heranwachsen“, so Scholten.

Aufforstung an dieser Stelle nicht geplant

Das bestätigt auch Forstwirt Cramer. Eine zusätzliche Aufforstung ist in dem kleinen Wäldchen laut Cramer daher nicht geplant. „Bei Kahlschlägen muss das unbedingt innerhalb von zwei Jahren gemacht werden. Hier jedoch nicht. Hier fällt nun so viel Licht rein, dass die Jung-Buchen sofort wieder nachziehen können.“

Cramer sagt, dass die Buchen auch ohne die Baupläne für die Kita und die Wohnhäuser hätten gefällt werden müssen. Das musste nun auch zeitig geschehen, denn in dem Zeitraum vom 1. März bis zum 30. September ist das Fällen von Bäumen nicht gestattet. Das verbietet das Bundesnaturschutzgesetz, das 2010 in Kraft trat.

Anwohnerin Silke Sauer und ihr Sohn beobachten die Baum-Fällarbeiten. Sauer findet es schade, dass so viele Bäume gefällt werden müssen. Sie sagt: Ein guter Betand ist wichtig. Es kann gar nicht genug Wald geben."

Anwohnerin Silke Sauer und ihr Sohn beobachten die Baum-Fällarbeiten. Sauer findet es schade, dass so viele Bäume gefällt werden müssen. Sie sagt: Ein guter Betand ist wichtig. Es kann gar nicht genug Wald geben." © Marcel Schürmann

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