Sparkassen Lünen/Selm und Werne prüfen Fusion

Bürgermeister informieren

Die Sparkassen Lünen/Selm und Werne könnten bald gemeinsame Sache machen: Die Institute prüfen nach einer Mitteilung der drei Stadtverwaltungen eine Fusion. Bei einem Pressegespräch am Donnerstagmittag haben die Bürgermeister der drei Städte schon viele Fragen beantwortet - einige Details sind aber noch unklar.

SELM/LÜNEN/WERNE

, 09.04.2015 / Lesedauer: 5 min
Sparkassen Lünen/Selm und Werne prüfen Fusion

Achim Schwarz (Vorstand Verwaltungsrat Sparkasse Lünen/Selm, r.) und Lothar Christ (Verwaltungsratsvorsitzender Werne) sowie die beiden Bürgermeister Mario Löhr (2.v.l.) und Hans Wilhelm Stodollick bei der Pressekonferenz zur Fusion der Sparkassen Lünen/Selm und Werne im Bistro Zur Kegelbahn auf Schloss Cappenberg. Dort erläuterten sie Pressevertretern die Absicht zur Fusion.

Das wurde im Pressegespräch geklärt:

Warum wollen die Sparkassen fusionieren? Es geht um das Heben von Synergieeffekten und das Einsparen von Kosten. Das bedeutet: Man will prüfen, ob man Abteilungen zusammenlegen und Arbeiten, die zurzeit noch doppelt getan werden müssen, nur noch einmal zu machen. Die Verwaltungsrats-Vorstände Lothar Christ (Werne, gleichzeitig Bürgermeister) und Achim Schwarz (Lünen) sagen unisono mit den Bürgermeistern Mario Löhr (Selm) und Hans Wilhelm Stodollick, dass aber nicht angedacht sei, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Beim Personal einzusparen ist aber vermutlich trotzdem möglich. Lothar Christ sagt: „Das unterscheidet unsere Fusion von anderen: Hier ist keine Not gegeben.“ Und Mario Löhr ergänzt: „Aber wir sehen Einsparpotenzial.“

An welchen Stellen soll dann beim Personal gespart werden? Das liegt auf der Hand und wird auch von Mario Löhr nicht in Abrede gestellt: Wenn Arbeit umverteilt werden kann, dann könnten auch Stellen wegfallen – allerdings vor allem dort, wo ohnehin Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Die Kräfte werden dann einfach nicht eins zu eins durch neue Mitarbeiter ersetzt. Das hat wiederum also Folgen auf die Zahl der Neueinstellungen – und so spart man Gehaltskosten. Ein zweiter Sparansatz liegt in der Verschlankung von Strukturen: Zurzeit haben die beiden Sparkassen je einen Vorstandsvorsitzenden und je ein weiteres Vorstandsmitglied. Eine Sparkasse Lünen/Werne/Selm käme möglicherweise auch mit einem Vorstand mit weniger als diesen vier Mitgliedern aus. Vorstände von Sparkassen verdienen traditionell viel Geld – ihr Jahresgehalt liegt deutlich im sechsstelligen Bereich.

Wurden die Belegschaften informiert? Ja, und zwar eine Viertelstunde vor den Pressevertretern. Am Donnerstag um 12.45 Uhr war die interne Kommunikation angesetzt.

Wie sind die Vorstände in die Planspiele eingebunden?  Die Bürgermeister betonten immer wieder: Es handelt sich nicht um eine Aktion der Träger, also der Kommunen, oder der Verwaltungsräte, sondern um eine gemeinsame Prüfung. Die Vorstände seien in die Pläne einbezogen und trügen sie mit. Ihre Arbeit liegt nun darin, Einsparpotenzial in den eigenen Strukturen aufzuzeigen und eine Fusionsstruktur zu planen, die funktionieren könnte.

Wie geht es nun weiter? Diese Planungsarbeit laufe seit einigen Wochen, wie Lothar Christ sagte. Sie hat nun einen zeitlichen Rahmen bis zu den Sommerferien. Dann soll das Konzept stehen und durch die sparkasseneigenen Gremien durchgegangen sein, sagt Selms Bürgermeister Löhr. Dann folgt die Sommerpause – und anschließend steht der politische Prozess an.

Was soll am Ende stehen? Eine Fusion ist das Ziel – aber ausgeschmückt ist es noch nicht. Wie sähe der Vorstand aus? Wo wäre die Zentrale? Wie viele Mitarbeiter braucht es konkret noch? Alles Dinge, die jetzt herausgearbeitet werden. Dass die größere Sparkasse Lünen/Selm mit einem Geschäftsgebiet von rund 110.000 Einwohnern und einer Bilanzsummer von 1,35 Milliarden Euro der Stadtsparkasse Werne mit knapp 30.000 Einwohnern und einer Bilanzsumme von rund 600 Millionen Euro aber der Seniorpartner wäre, ist zu vermuten. Auch dass die Hauptstelle vielleicht in der größten Stadt, also Lünen, angesiedelt wäre, ist nicht unrealistisch, es ist aber nur Vermutung: Diese Details stünden zurzeit noch nicht auf der Agenda, so die Bürgermeister. Lothar Christ sagt: „Natürlich ist das Haus in Lünen deutlich größer, aber wir wollen das auf Augenhöhe klären und sachlich betrachten. Die Frage, welches Haus das größere ist, ist da jetzt nicht so wichtig. Die Diskussionen über die genauen Verhältnisse stehen zu einem späteren Zeitpunkt an. Jetzt geht es darum: Wie können die Institute so aufgestellt werden, dass es für die Region, die Kunden, die Mitarbeiter und die Träger gut ist. Wie kann man das optimieren?“

Was ändert sich für Kunden? Vorerst nichts – und vielleicht auch nach einer Fusion nicht. Standortschließungen wie die in Gahmen und in Cappenberg im Herbst 2014 sind wohl nicht angedacht, könnten aber natürlich im Prüfungsprozess noch mal auf die Tagesordnung kommen.

Warum verkünden die Bürgermeister und der Verwaltungsratsvorstand diese Dinge, nicht die Sparkassen-Vorstände? Lothar Christ sagt dazu Folgendes: „Wenn Sie sich wundern, dass wir zu viert hier sitzen und nicht zu acht – also mit den vier Vorständen der beiden Sparkassen –, dann haben wir das bewusst so getan: Solche Themen sind Trägerangelegenheiten. Aber seien Sie sicher: Wir sind 1:1 mit den Vorständen in Absprache und Rücksprache.“

Unsere Ursprungsberichterstattung: 

Die drei Bürgermeister haben die regionalen Pressevertreter in einer E-Mail am Donnerstag um 8.59 Uhr informiert und zu einem Pressegespräch am selben Tag um 13 Uhr in Cappenberg – einem Ort, der geografisch zwischen den drei Kommunen liegt – eingeladen. Dabei wollen Mario Löhr, Hans Wilhelm Stodollick und Lothar Christ gemeinsam informieren. In der Einladung heißt es, die demografische Entwicklung, anhaltende Niedrigzinsen, deutlich steigende regulatorische Anforderungen und ein permanent zunehmender Wettbewerb im Privat- und Firmenkundengeschäft führten zu laufenden Veränderungen bei Sparkassen und Banken. Vor diesem Hintergrund prüften die Sparkassen Lünen/Selm und Werne eine mögliche Fusion. Im letzten Satz heißt es auch, dass die beiden Sparkassen schon heute in Teilbereichen zusammenarbeiteten und weitere Kooperationen zu Schwesterinstituten im Verbandsgebiet Westfalen-Lippe unterhielten.

Das ist das allgemeine Umfeld:  Es gibt einen Sparkassen-Verband Westfalen-Lippe, der schon ans Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Darin sind 71 Sparkassen zusammengefasst, die laut Angaben des Verbandes eine Bilanzsumme von insgesamt 123 Milliarden Euro (Jahr 2014) ausweisen. Es handele sich um die bedeutendste Finanzorganisation in Westfalen-Lippe, heißt es auf der Homepage. Die einzelnen wirtschaftlich eigenständigen Kreditinstitute unterliegen einem Regionalprinzip: Die eine Sparkasse darf der anderen nicht ins Geschäftsgebiet wirtschaften. Das Geschäftsgebiet ist mit den kommunalen Grenzen des Trägers übereinstimmend. Das bedeutet: Der Träger der Sparkasse Werne ist die Stadt Werne, die Sparkasse darf nur im Stadtgebiet aktiv sein. Gleiches gilt analog für die Sparkasse Lünen/Selm. Bei der Sparkasse steht auch als Geschäftsprinzip eine Orientierung am Gemeinwohl in den Leitlinien. Nachbarsparkassen sind die Sparkassen Hamm, Dortmund, Vest Recklinghausen, Unna/Kamen, Bergkamen-Bönen, Haltern am See, Herne, Westmünsterland und Schwerte.

Das ist das lokale Umfeld:  Die Sparkasse Lünen gibt es seit 1853. Vorstandsvorsitzender ist Sparkassendirektor Ulrich Fischer, Vorstandsmitglied ist Sparkassendirektor Heiko Rautert. 2013 feierte die Sparkasse ihr 160-jähriges Bestehen. Ein Sparkassenzweckverband der Städte Lünen und Selm ist der offizielle Träger. Beide Städte sind Mitglieder dieses Verbandes. Die Bilanzsumme der Sparkasse Lünen lag im Jahr 2013 bei 1,4 Milliarden Euro. 

Die Sparkasse Lünen/Selm betreibt 13 mit Personal besetzte Geschäftsstellen. Zehn in Lünen, zwei in Selm, eine in Bork. Von den drei SB-Geschäftsstellen gibt es inzwischen nur noch die eine in Lünen Innenstadt, nachdem die Automatenstandorte in Gahmen und Cappenberg im Herbst geschlossen wurden. Ein einzelner Automat steht noch in Lünen am Hauptbahnhof.

Die Stadtsparkasse Werne hat eine Bilanzsumme von knapp 650 Millionen Euro, wäre also deutlich der Junior-Partner einer Fusion. Fünf Filialen und Selbstbedienungszentren zählen zum Geschäftsstellennetz. Rund 130 Mitarbeiter sind bei der Stadtsparkasse Werne beschäftigt. Vorstandsvorsitzender ist Thomas Lohmann, Mitglied des Vorstandes Martin Abdinghoff.

Das sind die Hintergründe:  Sparkassen sind Anstalten öffentlichen Rechts. Die Zahl der Sparkassen ging in den vergangenen zehn Jahren um rund 12,5 Prozent zurück – von etwa 470 auf nur noch etwas über 400 bundesweit. Sparkassen haben einen Vorstand und einen Verwaltungsrat, dem der Bürgermeister der jeweiligen Kommune vorsitzt. Der Verwaltungsrat ist eine Art Aufsichtsrat, der die Arbeit des Vorstandes überwacht.

 

Das sind offene Fragen (unter anderem, Stand 9. April 2015):

Wo wäre der neue Hauptsitz einer fusionierten Sparkasse?

Wo liegen bisherige Kooperationen?

Welche Folge hätte eine Fusion für Mitarbeiter-Strukturen und kommunale Ausschüttungs- und Steuerfragen? 

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