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Spendenaktion für Daniel (19) ist auch ein Aufschrei

Missstände im Gesundheitswesen

2762 Euro und eine Sammeldose, die die Initiatoren erst kurzfristig bekamen und darum einfach direkt an Daniel Enns weitergaben: Die Spendenaktion für den an Leukämie erkrankten Selmer war ein Erfolg. Die Initiatoren verbinden mit der Aktion eine klare Botschaft: "Unser Gesundheitssystem ist marode!"

SELM

, 04.04.2016 / Lesedauer: 3 min
Spendenaktion für Daniel (19) ist auch ein Aufschrei

Über 2760 Euro sind bei der Spendenaktion für den an Leukämie erkrankten Daniel Enns (hinten, mit Mundschutz) aus Selm zusammengekommen. Aus anfänglich fünf dieser Spendendosen wurden 34. Eine ist nach wie vor aufgestellt

„Das war sehr bewegend und emotional“, sagte Jasmina Dinter, eine der zentralen Aktivistinnen, am Montag auf Anfrage unserer Redaktion im Rückblick auf den Sonntag. Da hatte sie mit ihren Mitstreiterinnen von "Pflege am Boden" das Geld an Daniels Familie in der Burg Botzlar übergeben. Es war anrührend, es gab viele Tränen.

„Auch an uns geht das nicht spurlos vorbei“, so Jasmina Dinter. „So ein Schicksal ist ja nicht alltäglich.“ Mit der Spendenaktion verbindet sie auch eine Botschaft. Die lautet: „Unser Gesundheitssystem ist marode. Dass Menschen wie Daniel Enns nicht ausreichend geholfen wird, ist schlimm.“

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Eine besondere Matratze für sein Bett – laut Jasmina Dinter abgelehnt von der Krankenkasse. Weil Familie Enns wie viele andere Menschen auch nicht vom Fach sei. „Zahlungen für Medikamente mussten sie auch vorstrecken. Das genau ist doch unser Pflege-Missstand!“ Das und andere medizinische Wahlleistungen können sie sich nun leisten, damit Daniel wieder gesund wird.

Fünf Spendendosen stellte „Pflege am Boden“ erst auf – am Ende waren es 34. Verteilt in Selm, Olfen, Nordkirchen, Werne, Lüdinghausen, Dülmen und Dortmund. „Wir motzen nicht nur – wir tun auch was“, sagte Jasmina Dinter. 

Die Herausforderungen der Familie nach der Diagnose:

Der 19-Jährige Selmer Daniel Enns erfuhr im November von seiner Leukämie-Erkrankung: Er wurde im schwächer und hatte keinen Appetit. Er nahm ab – ein Mysterium für seine Familie damals. Die Diagnose beim Arzt war niederschmetternd für die Familie: Er hat Leukämie. Blutkrebs. Für seine Mutter, sagte sie vor Wochen, der schlimmste Tag in ihrem Leben. So begann eine Zeit des Leidens: Jeden Tag fuhren die Eltern nach Münster in die Uniklinik, um bei Daniel zu sein. Während der schweren Therapie verlor er seine Haare. Er veränderte sein Aussehen. Aber er verlor nicht seinen Mut, für sein Leben zu kämpfen. 

Nach einer Stammzellenspende seiner Schwester ist Daniel Enns inzwischen wieder zu Hause. Er ist auf dem Wege der Besserung, war am Sonntag auch selbst in der Burg Botzlar, als der Familie die Erlöse der Spendenaktion überreicht wurden. Und dankt selbst allen, die da waren, und allen, die gespendet haben. Und seiner Familie. Unter Tränen. Er muss einen Mundschutz tragen, damit er sich nicht ansteckt an Keimen: Sein Immunsystem ist heruntergefahren durch die Chemotherapie. Ein Virus, ein Infekt – für gesunde Menschen nur eine Erkältung, für ihn lebensgefährlich. 

Viele wurden über Facebook mitgerissen

Als Jasmina Dinter im Internet vom Schicksal der Familie Enns erfuhr, da ergriff sie mit einigen anderen die Initiative: Sie wollte helfen. Sie erfand die Spendenaktion und riss vor allem via Facebook viele mit. „Daran sieht man doch, wie viel positive Energie in den Selmern steckt. Sie können nicht nur meckern, sie können auch helfen“, so Dinter am Montag am Telefon. 

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