Spielplatz an der Ernst-Kraft-Straße: Warum baut die Stadt die Spielgeräte ab?

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Der Spielplatz an der Ernst-Kraft-Straße in Selm schrumpft seit ein paar Monaten zusehends. Erst wurde der große Kletterturm gesperrt, jetzt ist er abgebaut. Anwohner fragen sich: warum?

Selm

, 27.04.2019, 15:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die fünfjährige Clara ist an diesem Mittwochnachmittag in den Osterferien - einem warmen Tag mit sommerlichen Temperaturen und blauen Himmel - das einzige Kind auf dem Spielplatz an der Ernst-Kraft-Straße, der - inmitten vieler Einfamilienhäuser - abgeschirmt vom jeglichem Straßenbetrieb sehr ruhig im Zentrum des Wohngebiets liegt. „Eigentlich wäre an einem Tag wie heute hier Rambazamba“, sagt Claras Vater Mirco Braun, der mit seiner Familie ganz in der Nähe wohnt. Das Wort „eigentlich“ nutzt er, weil es auf dem Spielplatz seit Anfang des Jahres nicht mehr so ist wie in den Jahren davor.

Im Februar war - wie berichtet - von einem auf den anderen Tag der große Spielturm im Zentrum des großen Spielplatzes gesperrt worden. Der steht mittlerweile gar nicht mehr. Auch die Schaukel, ein Wipptier, die Nestschaukel und das kleine Drehkarussell wurden abmontiert, ein kleinerer Spielturm ist mit einem Zaun abgesperrt. Warum? Clara als regelmäßige Nutzerin des Spielplatzes weiß keine Antwort auf diese Frage. Ihre Eltern auch nicht.

Stadt informierte Anwohner nicht

„Eine Information der Anwohner fand nicht statt“, bestätigt die Stadt auf Anfrage der Redaktion. Diese mangelnde Kommunikation: Das ist ein Punkt, der Mirco Braun ärgert. Als er 2004 zusammen mit seiner Frau Nicole nach Selm auf die Ernst-Kraft-Straße zog, da war der Spielplatz ein gutes Argument für die junge Familie aus Dortmund, die Stadt als neuen Wohnort zu wählen.

Hätte die Stadt die Anwohner jetzt über den „Rückbau des Spielplatzes“, wie Mirco Braun es nennt, informiert, vielleicht um Hilfe gebeten, dann „wären hier sicher auch ein paar Eltern bereit gewesen, eigeninitiativ etwas zu machen“, sagt er mit Blick auf den leeren Spielplatz.

Laut Planungen der Stadt, von der die Familie Braun an diesem Tag noch nichts weiß, wird sich das Bild bald wieder ändern.

Aber erst mal zur Erklärung des Rückbaus: „Viele der dort bis dato befindlichen Spielgeräte waren aus Holz und wiesen deutliche Verschleißerscheinungen auf. Hinzu kam, dass die Sicherheitsbestimmungen, insbesondere beim Fallschutz, deutlich gestiegen sind. Die entsprechenden Spielgeräte waren somit nicht mehr verkehrssicher und mussten zunächst abgesperrt und im Nachgang abgebaut werden“, erklärt Stadtsprecher Malte Woesmann.

Noch im nächsten Monat verspricht er aber Änderungen: Das zweite Wipptier sei im Moment für Restaurierungsarbeiten abmontiert und soll in der kommenden Woche wieder aufgestellt werden. Auch der kleine Spielturm soll bald wieder zur Verfügung stehen. „Das Ersatz-Brückenteil wurde bereits vor Wochen bestellt. Als Liefertermin wurde der 9. Mai genannt. Sobald das Ersatzteil eingetroffen ist, wird es unverzüglich eingebaut“, so die Stadt. Auch die Doppelschaukel sei bestellt. „Die Auslieferung des Neugerätes wurde vom Hersteller für den 28. Mai zugesagt. Die Montage durch die Stadtwerke erfolgt direkt nach der Auslieferung.“

20.000 Euro für neuen Spielturm

Was aber ist mit dem großen Spielturm, der bisher das Herzstück des Spielplatzes war? Erst vor Kurzem, so sagt es Mirco Braun, sei hier etwas repariert, also in das Gerät investiert worden. Aus seiner Sicht ist die Tatsache, dass der Turm jetzt abgebaut wurde, Zeichen einer „Fehlplanung“ der Stadt, wie er sagt.

Malte Woesmann widerspricht dem. Es habe keine größere Investition in den Spielturm gegeben. Die Reparatur sei aus den Unterhaltungskosten geleistet worden, sagt er auf Nachfrage.

Im Jahr 2020 soll der Spielturm durch einen neuen ersetzt werden. 20.000 Euro lässt die Stadt sich das kosten. „Mit der Genehmigung des Haushaltes 2020 kann über die Mittel verfügt und können Anschaffungen getätigt werden“, so Malte Woesmann.

Für das Spiel-Jahr 2019 aber bleibt der Spielplatz auf der Ernst-Kraft-Straße erst mal ohne großen Spielturm. Mirco Braun und seiner Frau Nicole fällt es schwer, das nachzuvollziehen, während sie auf ihre Tochter Clara blicken, die sich gerade auf das einzige benutzbare Spielgerät auf dem Platz gesetzt hat: einem Wipptier. Das Kind hat für die derzeitige Sitaution nur ein Wort: „Doof.“

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