Staatsanwaltschaft ruft den BGH an: Muss auch der Borker Kindsvater noch mal zittern?

Misshandlungsprozess

Die Freisprüche im Säuglingsmisshandlungs-Prozess gegen ein inzwischen getrennt lebendes Elternpaar aus Bork und Herten sind noch nicht das letzte Wort.

Bork

, 22.01.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Staatsanwaltschaft ruft den BGH an: Muss auch der Borker Kindsvater noch mal zittern?

Im Prozess um die Misshandlung eines kleinen Kindes sind die Eltern freigesprochen worden. Gegen das Urteil hat die Staatsanwaltschaft aber Revision eingelegt. © Werner von Braunschweig (Archiv)

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Urteil vom 9. Januar eingelegt. Damit gehen die Akten demnächst zum Bundesgerichtshof (BGH).

Wie berichtet, hatte das Bochumer Landgericht sowohl den Paketzusteller aus Bork als auch die Mutter am 9. Januar vom Vorwurf der Misshandlung von Schutzbefohlenen freigesprochen. Obwohl zweifelsfrei festzustellen gewesen sei, dass der kleine Junge „grausame Verletzungen“ durch Gewalteinwirkungen aus seinem familiären Umfeld erlitten habe, hatten sich die Bochumer Richter außerstande gesehen, mit der für eine etwaige Verurteilung erforderlichen Sicherheit zuordnen zu können, wer konkret das Kind so schwer misshandelt hat. In der Urteilsbegründung hatte Richter Michael Janßen deswegen wörtlich von einem „sehr unbefriedigenden Ergebnis“ gesprochen.

Welche Verantwortung trägt die Mutter?

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hatte zumindest für die Mutter eine Gefängnisstrafe gefordert, im Falle des Borker Kindsvaters allerdings ebenso eine Verantwortung durch ausgebliebene Fürsorge oder Vernachlässigung verneint und auch einen Freispruch gefordert. Der Mutter jedoch müsse „aufgefallen sein, dass sich das Baby auffällig verhalten hat“, hatte es im Plädoyer des Anklägers geheißen. Während der Paketzusteller häufig gearbeitet habe, habe die 25-Jährige ständig und dermaßen engen Kontakt mit dem Jungen gehabt, dass ihr die Verletzungen des Kindes einfach nicht verborgen geblieben sein können.

Wie das Bochumer Landgericht auf Anfrage bestätigte, hat die Staatsanwaltschaft innerhalb der vorgeschriebenen Frist Revision gegen die Freisprüche eingelegt. Die Urteile sind somit noch nicht rechtskräftig. Sollte der BGH bei der Prüfung Rechtsfehler an dem Bochumer Freispruch-Urteil finden, könnte angeordnet werden, dass der Prozess noch einmal ganz von vorne aufgerollt werden muss. Mit einem Ergebnis in der Revisions-Frage ist voraussichtlich frühestens im Herbst 2019 zu rechnen.

Zahlreiche Knochenbrüche

Die Anklageschrift hatte der Mutter vorgeworfen, ihr neugeborenes Baby in den ersten zwei Monaten nach der Geburt in der damaligen Hertener Familienwohnung mehrfach massiv misshandelt zu haben. Der Borker Vater sollte trotz Kenntnis von den Verletzungen nicht rechtzeitig eingegriffen haben. Als der kleine Junge am 1. November 2016 in eine Kinderklinik in Gelsenkirchen eingeliefert worden war, hatten Mediziner zahlreiche – teils schon ältere - Knochenbrüche festgestellt. Die Anklage hatte „neun Ausrissfrakturen am rechten Oberarm, am rechten Ober- und Unterschenkel sowie am linken Unterschenkel“ aufgelistet. Darüber hinaus waren mehrere Rippenbrüche und Brüche am Unterarm diagnostiziert worden. Im Prozess hatten beide Angeklagte die Misshandlungs-Vorwürfe bestritten.

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