Stadt Selm rät vom Taubenflug bei der Hochzeit ab

Kritik von Tierschützern

Das Ritual soll Liebe und Treue symbolisieren: Weiße Tauben, die Hochzeitspaare nach der Trauung in den Himmel fliegen lassen. Doch der romantische Akt hat seine Schattenseiten. Während das Brautpaar glücklich strahlt, entlässt es die gefiederten Botschafter ihrer Liebe nicht selten ins Unglück - in Selm möchte man deshalb lieber davon abraten.

Selm

, 15.08.2017 / Lesedauer: 2 min
Stadt Selm rät vom Taubenflug bei der Hochzeit ab

Ein Bräutigam hält am 15.05.2015 nach der Trauung vor dem Standesamt in Erfurt (Thüringen) eine weiße Taube. Mit dem Wonnemonat Mai bricht für Thüringens Standesbeamte die Hochsaison für Hochzeiten an. Foto: Sebastian Kahnert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Es sind längst nicht nur Brieftauben, die dank ihres Orientierungssinns den heimischen Schlag wiederfinden: Oftmals sind es Ziertauben, die wegen ihres weißen Gefieders gezüchtet werden, die nach der Hochzeit in die Lüfte fliegen. Für Tierschützer eine nicht zumutbare Entwicklung – sie schlagen deutschlandweit Alarm.

„Diese Tiere sind überhaupt nicht dafür geeignet“, bestätigt Stefan Adamek, Vorsitzender der Reisevereinigung Selm. „Sie wissen nicht, wohin sie fliegen sollen und verirren sich dann im schlimmsten Fall und verhungern.“

Den Brauch zu verbieten, ist nicht so einfach - deshalb der Appell

Er selbst kenne allerdings nur Taubenzüchter, die für solche Anlässe Brieftauben nutzen. „Da sehe ich dann auch überhaupt keine Probleme“, so der Fachmann. Bei einem Preis von 80 bis 150 Euro für etwa acht bis zehn Tauben könne er allerdings nicht ausschließen, dass andere Taubenzüchter nicht auf beispielsweise Pfauenschwanz-tauben zurückgreifen – obwohl die eigentlich nur als Ziertiere geeignet seien. Anlass für die Forderung vieler Tierschützer, Hochzeitstauben zu verbieten. Aber das ist nicht so einfach.

Auch die Stadt Selm appelliert an die Umsicht der Heiratswilligen. „Von unserer Seite her ist auch ein Brieftaubenflug nicht erwünscht“, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage dieser Redaktion. „Allerdings bekommen die Brautleute dieses ,Geschenk‘ oft von Gästen als gut gemeinte Überraschung.“ Vor der Trauung wisse also niemand offiziell vom Taubenflug. In solchen Fällen gehe die Stadt auch nicht gegen den Taubenflug vor.

Allzu häufig kämen Taubenflüge in Selm bei standesamtlichen Hochzeiten allerdings nicht vor. „Eine Kollegin aus dem Standesamt berichtete von gerade einmal zwei Flügen innerhalb von drei Jahren“, sagt der Stadtsprecher. Auch bei den anderen Kollegen im Standesamt kämen Taubenflüge nur selten vor. Glücklicherweise aus Sicht der Stadt. Denn auch aufsteigende Luftballons und Brautpaare, die durch ein aufgespanntes Tuch mit einem herzförmigen Loch klettern müssen, sorgen für reichlich Fotomotive.

Grundlagen für den Taubenflug
Wer den Taubenflug kommerziell anbietet, muss ein entsprechendes Gewerbe anmelden.
Eine Zurschaustellung von Tieren jeder Art muss außerdem beim Veterinäramt gemeldet sein. Bußgelder werden ansonsten fällig.
Wer den Eindruck von schlechter Tierhaltung hat, der sollte sich den Namen des Besitzers geben lassen und sich ans Veterinäramt beim Kreis Unna wenden.

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