Gift in der Luft: Die höchsten Ozonwerte seit 2003 - aber kaum einer macht sich Sorgen

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Sonne. Davon gab es zurzeit mehr als genug. Woran viele nicht denken: Mit den Temperaturen steigen die Ozonwerte. Wie hoch ist die Konzentration und wie gefährlich ist das Reizgas?

von Annika Heuser

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an den Ozonsommer 2003, in dem die Ozonkonzentration in der Luft besonders hoch war. Was früher noch in aller Munde war, ist heutzutage jedoch kaum mehr ein Thema.

Dabei steigen die Ozonwerte mit der Hitzewelle der letzten Tage stark an. Schadstoffe wie Stickstoffoxide verwandeln sich durch die UV-Strahlung in Ozon - ein aggressives Gas, das für den Menschen gesundheitliche Probleme zur Folge haben kann.

Höchste Ozonwerte seit 2003

„Wir hatten gestern einen maximalen Ozonwert mit 314 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an der Messstation in Wesel-Feldmark“, twittert das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) am 26. Juli.

Wilhelm Deitermann, Pressesprecher beim Lanuv, erklärt, dass in der vergangenen Woche in NRW die höchsten Ozonwerte seit 2003 gemessen wurden. Die Schwerpunkte lagen im Westen.

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„Das hat mit der außergewöhnlichen Wetterlage zu tun“, so Deitermann über die Entstehung der Konzentration. „Ozon sammelt sich an“, erklärt er. Das hänge nicht nur mit der Hitze zusammen.

„Obere und untere Luftschicht konnten sich nicht austauschen“, erläutert der Pressesprecher. Auch nachts seien die Temperaturen hoch gewesen, sodass sich das Ozon nicht abbauen konnte. Die Sonneneinstrahlung konnte ungehindert auf die Atmosphäre einwirken und die Entstehung von Ozon begünstigen.

Informationsschwelle überschritten

Neben dem Lanuv veröffentlicht auch das Umweltbundesamt (UBA) die aktuellen Luftschadstoffwerte.

Für die von Selm aus nächste Messstation in Lünen-Niederaden verzeichnete das UBA am 25. Juli um 13 Uhr einen Wert von 197 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Wert der Messstation Münster-Geist lag um 15 Uhr sogar bei 216 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Beide Werte überschreiten die sogenannte Informationsschwelle, die laut Felix Poetschke, Pressesprecher vom Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau, bei einem Ein-Stunden-Mittelwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt.

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Wird diese Schwelle überschritten, werden Verhaltensempfehlungen für die Bevölkerung ausgesprochen, erklärt Poetschke. Dabei gehe es hauptsächlich um ozonsensible Menschen. Die sogenannte Alarmschwelle liege bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Diese Warnung gilt für die gesamte Bevölkerung.

Beschwerden durch hohe Ozonwerte

Laut Lanuv wirkt sich die Ozon-Belastung besonders auf den Atemtrakt aus. Die Atemwege werden durch das Gas gereizt, es kann zu Husten und Atembeschwerden kommen. Auch gereizte Augen und Kopfschmerzen können die Folge sein.

Zur Personengruppe, für die ein erhöhtes Risiko besteht, zählen laut Lanuv Personen mit Freiluft-Arbeitsplätzen, Sportler, Säuglinge, Kleinkinder, aber auch Personen mit Atemwegserkrankungen wie Chronischer Bronchitis.

Wie kann man sich schützen?

„Das Ozon ist da. Man kann keine Masken dagegen tragen“, sagt Felix Poetschke vom Umweltbundesamt. „Man sollte versuchen, auf Sport im Freien zu verzichten“, empfiehlt der Pressesprecher. „Wenn man weiß, dass man empfindlich reagiert, sollte man es vermeiden, rauszugehen“, rät er.

Wie das Lanuv erklärt, reagieren 10 bis 20 Prozent der deutschen Bevölkerung besonders sensibel auf hohe Ozonwerte. Gerade diese Personengruppe sollte körperliche Betätigungen im Freien möglichst vermeiden.

Abwärtstrend

Dass die Ozon-Belastung nicht mehr „das große Thema“ ist wie vielleicht vor ein paar Jahren noch, führt Lanuv-Pressesprecher Deitermann auf die Erfolge der Luftreinhaltepolitik zurück. „Damit sich Ozon bilden kann, braucht es Schadstoffe.“ Diese seien weniger geworden - deshalb sei die Ozon-Belastung auch insgesamt geringer.

Trotzdem betont er: „Von uns aus ist Ozon noch ein sehr wichtiges Thema.“ Ozon sei ein Luftschadstoff und das Lanuv wolle das Thema „im Bewusstsein der Bevölkerung halten“.

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