Sternsinger in Selm sammeln für Menschen in Kenia

Fragen und Antworten

Sie ziehen einmal im Jahr verkleidet als Heilige Drei Könige durch die Straßen der Stadt. Sie sammeln Spenden. Doch in den vergangenen Jahren finden sich immer weniger Kinder, die als Sternsinger für Notleidende auf die Straße gehen. Wie haben die Organisatoren der Selmer Aktion gefragt, woran das liegt - und wem die Spenden zugute kommen.

SELM

, 04.01.2017, 06:01 Uhr / Lesedauer: 3 min
Sternsinger in Selm sammeln für Menschen in Kenia

Sternsinger wie Amelie, Lenny und Jan zogen am Samstag durch die Stadt.

Die Ruhr Nachrichten haben mit Stephan Schröer und Heike Wegmann, zwei der Organisatoren der Sternsinger-Aktion in der Gemeinde St. Ludger, über Schwierigkeiten und neue Wege der Vorbereitung für die Sternsinger gesprochen.

Wann sind die Sternsinger in der Gemeinde St. Ludger unterwegs?

In allen drei Gemeindebezirken St. Josef, St. Ludger und St. Stephanus findet die Sternsinger-Aktion am Samstag, 7. Januar, also einen Tag nach dem kalendarischen Dreikönigstag, statt.

Wer ist Träger der Sternsinger-Aktion? Wofür wird gesammelt?

Träger der Aktion ist das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in Aachen. Das Motto lautet in diesem Jahr „Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit“. „Die Sternsinger-Aktion richtet den Blick in diesem Jahr auf das Beispielland Kenia, dort besonders auf Menschen, die im Norden Kenias unter den Folgen des Klimawandels leiden, da es dort beispielsweise seit Jahren kaum geregnet hat“, erklärt Stephan Schröer.

Das Vorurteil, die Sternsinger würden nur für die reiche Kirche sammeln, ist also falsch?

„Die Kirche profitiert nicht von dem gesammelten Geld“, betont Heike Wegmann. Die Geldspenden, die bei der Sternsinger-Aktion gesammelt werden, gehen komplett an das Kindermissionswerk. Das Missionswerk wiederum investiert das Geld in Hilfsprojekte – für arme Kinder auf der ganzen Welt.

Nicht allen Kindern auf dieser Welt geht es gut. Welche Bedeutung hat die Aktion, bei der Kinder für Kinder sammeln?

„Viele Kinder und Menschen auf der Welt sind betroffen, sie leben in Armut und Not. Und gerade sie brauchen engagierte Menschen, die sich für sie einsetzen. Die Sternsinger gehen durch ihr Engagement und das Sammeln von Spenden beispielhaft voran“, sagt Stephan Schröer. Das Kindermissionswerk unterstützt Projekte in 120 Ländern der Erde – besonders für Familien und Kinder. „Die Aktion hat eine Größenordnung, die wirklich etwas bewirkt“, erklärt Heike Wegmann. Darum sei es so toll, dass gerade Kinder diese Aktion tragen. „Damit zeigen wir den Kindern in den ärmeren Ländern, dass sie uns nicht egal sind“, so Wegmann. Außerdem lernten die als Sternsinger verkleideten Jungen und Mädchen hierbei, was soziales Engagement bedeute. „Denn das kommt heute oft zu kurz“, so die Organisatorin.

Gibt es eine Erklärung dafür, dass es immer schwieriger wird, genügend Kinder zu finden, um in allen Straßen der Gemeindeteile zu sammeln?

Die Organisatoren nennen verschiedene Gründe: Viele Familien würden über oder nach Weihnachten in den Urlaub fahren und erst am letzten Ferientag zurück nach Hause kommen. Seit einigen Jahren finde die Aktion darüber hinaus parallel mit der Tannenbaumaktion der Pfadfinder statt, hier gebe es Überschneidungen. In einigen Familien sei die Aktion allerdings auch nicht mehr so präsent, wie sie vor einigen Jahren noch war. „Da war es, durch die eigenen Eltern vermittelt, selbstverständlich, diese Aktion der Kirchengemeinde zu unterstützen“, sagt Stephan Schröer. Die Anzahl der aktiven Familien mit Bezug zur Kirche nehme ab. „Es gibt ja auch weniger Kommunionkinder“, führt Heike Wegmann an. Denn besonders aus dem Kreis der Kommunionkinder stammte in den vergangenen Jahren eine große Zahl der Sternsinger.

Wie viele Sternsinger-Bezirke gibt es? Wie viele Kinder werden benötigt, um die Bezirke zu besetzen?

Im Gemeindebezirk St. Josef sind es 14 Bezirke, in St. Ludger 23. Pro Bezirk werden drei Könige und ein bis zwei Begleiter eingesetzt. Insgesamt werden also rund 120 Könige und 40 Helfer gesucht. „Zusätzlich wird für jeden Bezirk eine Familie benötigt, die eine Gruppe über Mittag bewirtet“, sagt Stephan Schröer.

Vor Weihnachten hat es in der Gemeinde eine Aktion zum Einstieg gegeben. Wie sah der Auftakt aus?

Die Sternfahrer waren in Selm. Das ist eine Gruppe bestehend aus geschulten Mitarbeitern aus der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) im Diözesanverband Münster. Die Sternfahrer besuchen rund 20 Gemeinden im Bistum Münster und stellen mit einem gut dreistündigen Programm auf spielerische Art und Weise die Sternsinger-Aktion vor. Die Kinder der Gemeinde St. Ludger haben viel erfahren, sowohl über die Sternsinger im allgemein als auch über Kenia, das Land, für das in diesem Jahr gesammelt wird. „Wir wollten eine neue Form der Vorbereitung testen, um Kinder zu motivieren“, so Heike Wegmann.

Was haben die Sternfahrer genau getan?

Sie haben zuerst einen Film über Kenia gezeigt und danach mit den Kindern in Kleingruppen gearbeitet. Dabei wurde sogar Kisuaheli gesprochen, die am weitesten verbreitete Sprache in Ostafrika. Für die Kinder war es ein spannender Einblick in eine andere Kultur. „Und für uns war es ein guter Auftakt in die Aktion“, sagt Stephan Schröer.

Und was bedeutet eigentlich der Segensspruch, den die Kinder in die Häuser und Wohnungen bringen?

Die Kinder, verkleidet als Heilige Drei Könige, singen an den Haus- und Wohnungstüren. Sie bitten um Spenden und schreiben einen Segenspruch an oder verteilen einen Aufkleber mit dem Kürzel C+M+B. „Viele Menschen denken, die Abkürzung weist auf die drei Namen der Heiligen Könige Caspar, Melchior und Balthasar hin“, weiß Stephan Schröer. Das Zeichen an der Tür bedeute aber „Christus Mansionem Benedicat“, kurz C+M+B. Der Spruch stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt „Christus segne dieses Haus“.

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