Das Sandsteinmauerwerk der Stiftskirche tritt frisch und gereinigt vors Auge - erstmals nach einem Jahr nicht mehr von Gerüststangen versteckt. © Günther Goldstein
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Stiftskirche Cappenberg: Überraschende Ansichten nach mehr als einem Jahr

Nach etwas mehr als einem Jahr können sich Spaziergänger die Augen reiben. Das Gerüst rund um die Stiftskirche Cappenberg ist verschwunden. Die Sanierung ist aber noch nicht beendet.

Ausflügler hatten seit Sommer 2020 Pech, wenn sie nach Cappenberg kamen. Schlimm genug, dass sie die 900 Jahre alte ehemalige Prämonstratenser-Stiftskirche nicht von innen besichtigen konnten. Von außen störte auch noch das mächtige Gerüst beim Betrachten und Fotografieren. Die Tür ins Gotteshaus bleibt zwar vorerst versperrt, aber seit wenigen Tagen gibt es wieder – mit wenigen Ausnahmen – einen freien Blick auf die Sandsteinmauern – und dabei manche Überraschung.

Die Restauratoren haben in den vergangenen Monaten die Steine gereinigt und die brüchig und rissig gewordenen Fugen ausgebessert und teilweise ersetzt. Das von außen schlichte Gotteshaus lässt dadurch jetzt besser als je zuvor seine Geschichte erahnen. Auf dem sanierten Mauerwerk zeichnen sich besser sichtbar als zuvor Umrisse ab: die Spuren eines Rundbogenportals, das einst von der Kirche ins benachbarte Kloster führte, dem heutigen Schloss. Wann der Durchgang verschlossen wurde, ist den Experten immer noch ein Rätsel.

Land NRW ist die Eigentümerin der Stiftskirche

„Die Arbeiten bewegen sich nach wie vor im Zeitplan“; sagt Christoph Söbbeler, der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Dass er Auskunft gibt über den Fortgang der 7,1 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten an einem der bekanntesten Gotteshäuser Westfalens, hat einen einfachen Grund. Eigentümerin der Kirche ist nicht etwa das Bistum, sondern das Land NRW. Ganz können die Handwerker in Cappenberg aber noch nicht auf Leitern und Arbeitsplattformen außen verzichten, wie Söbbeler ergänzt.

In der Woche ab dem 4. Oktober erfolgen Dacharbeiten an den Seitenschiffen. Auf denen hatte sich zuletzt nur Dachpappe befunden: ein Indiz, dass bei früheren Sanierungsmaßnahmen – keine davon war so umfangreich wie die aktuelle – mitunter Geld fehlte. Einige Monate vor dem 900. Geburtstag der Kirche – die Grundsteinlegung erfolgte am 15. August 1122 – wird die Pappe jetzt durch Schiefer ersetzt. Außerdem erfolge noch eine Abdichtung des Fundaments des nördlichen Querschiffs, sagt Söbbeler.

Die Möbel sind zurück in der Stiftskirche

Auch wenn die Kirche bislang weder für Gäste noch für die Kirchengemeinde geöffnet ist, gehen zurzeit Menschen regelmäßig ein und aus. Sie haben die Kirchenbänke zurückgebracht und restaurieren jetzt das wertvolle Chorgestühl. Die Bezirksregierung hatte das Chorgestühl bereits im Juni 2019, also lange vor Beginn der Sanierung, sperren lassen. Weil das Holz in den 1980er-Jahren allzu großzügig mit Insektiziden behandelt worden war, galt der Hautkontakt als gefährlich. Inzwischen schätzt die Behörde das Risiko nicht mehr so hoch ein. An eine Behandlung des giftgetränkten Holzes ist nicht gedacht.

Zwei zentrale Maßnahmen haben die Verantwortlichen an den Schluss gestellt. Der gläserne Windfang, der künftig für ein besseres Raumklima in der Kirche sorgen soll, werde erst dann eingebaut, wenn alle anderen Arbeiten abgeschlossen seien, sagt Söbbeler. „Damit er nicht beschädigt wird,“

Orgel und Windfang kommen erst zum Schluss an die Reihe

Auch das Reinigen und Stimmen der barocken Vorenweg-Orgel erfolge erst kurz vorm Abschluss der Sanierung – und kurz vor Beginn des Jubiläumsjahres 2022.

900 Jahre ist es dann her, dass Gottfried von Cappenberg seinen gesamten Besitz dem jungen Prämonstratenserorden schenkte. Im selben Jahr 1122 wurde Kaiser Barbarossa geboren, der Patensohn von Gottfrieds Bruder Otto von Cappenberg, der dass junge Kloster maßgeblich aufbaute. Diese Ereignisse würdigen zahlreiche Ereignisse – unter anderem eine international bedeutende Ausstellung: Das Museum für Kunst und Kultur in Münster zeigt von September 2022 bis Februar 2023 im Museum in Münster sowie auf Schloss Cappenberg Exponate rund um die „schillernde Figur“ Barbarossa.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe