Stiftskirche vor der Schließung: Wie retten Restauratoren die Kirche vor Schimmel und Gift?

rnBürgerversammlung

Die Wände haben Risse, das Chorgestühl ist giftgetränkt und es schimmelt: Die Stiftskirche, einer der berühmtesten Sakralbauten der Region, ist ein Sanierungsfall. Jetzt wird es ernst.

Cappenberg

, 25.11.2019, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte Januar 2020 ist Schluss. Dann bleiben die schweren Kirchentüren der fast 900 Jahre alten Stiftskirche Cappenberg für fast zwei Jahre geschlossen: für fromme Beter und Brautpaare, für Kunstinteressierte und Musikfreunde, für Kulturreisende und für alle, die einen Moment der Stille suchen.

Nur Restauratoren und Handwerker dürfen dann noch hinein. Wie sie die Kirche retten wollen, ist am Mittwoch (27.11.), 17 Uhr, Thema einer Versammlung in der Kirche, zu der alle Interessierten eingeladen sind.

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Dass die Kirche saniert werden muss, ist schon seit Jahren ein Thema. Gemeindemitglieder haben schon lange beobachtet, wie die Risse in den Wänden immer weiter nach oben kletterten und der Schimmel immer weiter um sich griff. Kunstpfleger des Bistums haben das im Frühjahr nicht länger tatenlos mit ansehen wollen. Den berühmten Baegert-Altar aus dem 15. Jahrhundert haben sie in Sicherheit gebracht, mehrere Gemälde ebenfalls.

Giftiger Holzschutz: das Chorgestühl ist gesperrt

Das Chorgestühl mit seinen skurrilen Schnitzfiguren konnten sie nicht ausbauen. Da mussten andere Vorsichtsmaßnahmen her - nicht zur Rettung des hölzernen Kunstwerkes, sondern der Menschen, die darauf sitzen. Der Grund: Die Holzschutzmittel, die Restauratoren 1987 für die Konservierung des 500 Jahre alten Gestühls benutzt hatten sind gesundheitsschädlich. Ende Juni hat die Bezirksregierung Arnsberg als verlängerter Arm des Landes NRW verboten, sich darauf zu setzen oder zu knien.

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Das Land und nicht die Kirche ist Eigentümerin des Gebäudes. Darum ist es auch die Bezirksregierung, die einlädt zur Gemeindeversammlung am Mittwoch (27.11.). Dass es große Beträge sein werden, die aus der Landeskasse in die Kirchensanierung fließen werden, steht bereits fest. Wie viel genau, ist noch offen. Genauso, was alles und vor allem wie verändert werden wird. Die Tagesordnung lässt aufhorchen.

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Neben den Informationen zum aktuellen Stand des Projekts und der Vorstellung des Entwurfs geht es um den goldene Kopf, der als Barbarossakopf weltbekannt ist. Wie wird das wertvollste Stück aus dem Kirchenschatz künftig präsentiert werden? Bislang steht er in einem Schrank im seitlichen Kirchenschiff - eher versteckt. Spannend ist auch der letzte Punkt der Tagesordnung.

Wird alles pünktlich fertig

„Rahmenterminplanung“ steht dort. Bekanntlich feiert Cappenberg 2022 ein besonderes Jubiläum. 900 Jahre ist es dann her, dass Gottfried, der letzte Graf von Cappenberg, sein gesamtes Hab und Gut der Kirche schenkte und in Cappenberg das erste Prämonstratenserkloster auf deutschem Boden gründete. Zahlreiche Veranstaltungen sind geplant - vorausgesetzt, die Arbeiten an und in der Stiftskirche sind rechtzeitig beendet.

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