Straßensperrung statt Tempolimit: Selmer verärgert

Siedlung "Zwölf Apostel"

Das hatten sich die rund 120 Anwohner der Siedlung „Zwölf Apostel“ an der Werner Straße anders vorgestellt. Seit fast fünf Jahren setzen sie sich dafür ein, dass auf der Landstraße vor ihren Haustüren nicht mehr gerast werden darf. Jetzt tat sich tatsächlich etwas - doch das war gar nicht im Sinne der Anwohner.

SELM

, 26.06.2017, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Blick von der Werner Straße: Hier geht es nicht mehr zur Siedlung.

Ein Blick von der Werner Straße: Hier geht es nicht mehr zur Siedlung.

Vor einer Woche rückte der Bauhof an: allerdings nicht, um endlich die Tempo-70-Schilder gegen Tempo-50-Schilder auszutauschen, sondern um die Einfahrt zur Siedlung zu sperren – aus Sicherheitsgründen. „Das darf doch nicht wahr sein.“ Harold Orlowsky (77) kann schwer ruhig bleiben, wenn er von dem Schilderstreich spricht. 

Am Donnerstagabend hatte er den Ausschuss für Städtebau in der Burg Botzlar besucht, um seinem Ärger Luft zu machen. „Ich spreche nicht für mich alleine, sondern als gewählter Vertreter aller Anwohner.“ Durch die Schließung der seit 1958 bestehenden Zufahrt sei die Situation nicht sicherer, sondern gefährlicher geworden.

Die Situation stellt sich so dar: Wer auf der Werner Straße ortsauswärts fährt, findet links die Splittersiedlung mit den zwölf Häusern. Die obere Zufahrt, die laut Orlowsky bislang alle genutzt hätten, schmückt inzwischen ein „Einfahrt verboten“-Schild. Wer Harold Orlowsky oder seine Nachbarn besuchen will, muss 300 Meter weiter fahren und in den Ondruper Weg einbiegen: „An einer Stelle, wo alle schon Gas geben und ein Linksabbieger vom Folgeverkehr gerne übersehen wird“, so der Nachbarschaftssprecher.

Überholverbot ja, Tempodrosselung nein

Für das ebenfalls von den Anwohnern geforderte Überholverbot auf dem Straßenabschnitt habe sich die Selmer Stadtverwaltung erfolgreich beim Landesbetrieb Straßen NRW in Bochum einsetzen können, sagte Bürgermeister Mario Löhr. Eine Temporeduzierung auf der Landstraße sei mit dem Landesbetrieb aber nicht zu machen.

Und warum stattdessen die Schließung der Zufahrt? „Daran ist Herr Orlowsky selbst nicht ganz unschuldig“, so Löhr im Ausschuss. Er habe während eines Termins mit Vertretern übergeordneter Behörden das Wort ergriffen und wortreich beschrieben, wie gefährlich die Situation sei. „Da blieb uns nichts anderes übrig, als zu reagieren“ – mit der Schließung. 

Notfalls vors Gericht

Eine Maßnahme, die die Polizei zwar nicht gefordert hat, „aber gegen die wir nichts einzuwenden haben“, so Vera Howanietz, Sprecherin der Kreispolizei Unna. Orlowsky und seine Nachbarn wollen sich nicht damit abfinden. „Wir hoffen im Guten eine Lösung zu finden“, sagt er am Freitag. „Notfalls nehmen wir uns aber einen Rechtsbeistand.“

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