Streit um Zweifachhalle: Wer ist zuständig für Fotovoltaik auf neuem Hallendach in Selm?

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Die neue Zweifachsporthalle neben dem Campus soll im Juni 2020 fertig sein. Wenn es so weit ist, wird eine Fraktion im Selmer Rat besonders gespannt nach oben schauen.

Selm

, 18.11.2019, 03:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hubert Seier von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) macht es kurz: „Mir ist es ganz egal, ob es die Stadt Selm selber macht oder ob es die Stadtwerke machen“, sagt er in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. „Hauptsache, die neue Zweifachhalle hat im Juni 2020 eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach.“

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Selm investiert - und das kräftig. Kämmerin Sylvia Engemann hatte den Politikern gerade vorgestellt, wofür die Stadt kräftig Geld ausgibt: unter anderem 11,5 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung der Dreifachhalle, 8 Millionen Euro für ein neues Hallenbad und 5,2 Millionen Euro für die bereits im Bau befindliche Zweifachhalle: ein moderner Bau direkt am Campusplatz mit Glasfront und multifunktionalem Raum für die Sportschützen der Stadt - aber scheinbar ohne Fotovoltaikanlage.

Seier: Klimaschutzkonzept darf nicht folgenlos bleiben

„Ein Unding“ sei das, schimpft Seier im Ausschuss. Gerade habe die Stadt Selm das Klimaschutzkonzept verabschiedet. Offenbar werde aber schon jetzt das dort formulierten Versprechen, bei kommunalem Handeln an den Schutz des Klimas zu denken, vergessen. „Unsinn“, hält Bürgermeister Mario Löhr (SPD) dagegen.

„Wir sind doch gar nicht auseinander“, versichert Löhr. Die Zweifachhalle solle eine Anlage zur alternativen Stromproduktion erhalten, „Aber das machen nicht wir.“

Stadt will Dachfläche für Fotovoltaik vermieten

Wie schon vor Jahren bei der benachbarten Dreifachhalle setze die Stadt auf private Investoren, die von der Stadt Dachflächen mieten, um darauf auf eigene Kosten Solaranlagen zu bauen. „Es gibt bereits Interessenten“, so Löhr.

Streit um Zweifachhalle: Wer ist zuständig für Fotovoltaik auf neuem Hallendach in Selm?

Auf dem Dach der Dreifachhalle am Campus befindet sich eine Solarstromanlage: gebaut und betrieben von einem Unternehmer aus dem westmünsterländischen Legden. Die Stadt will auch das Dach der Zweifachhalle für solche Zwecke vermieten. © Sylvia vom Hofe

Gibt die Stadt also selbst gar kein Geld aus für klimafreundliche Energiegewinnung? Löhr widerspricht. „Wir planen mit einem Blockheizkraftwerk“: eine Anlage, die alle städtischen Gebäude am Campus mit Energie versorgen soll: sowohl die Zweifachhalle, als auch die Dreifachhalle daneben, das Gymnasium und die Grundschule mitsamt der neuen, noch gar nicht im Bau befindlichen Offenen Ganztagsschule (auf dem Grundstück der Overberg-Turnhalle).

Blockheizkraftwerk für den Campus geplant

Ein Blockheizkraftwerk erzeugt Strom und Wärme gleichzeitig - genau dort, wo sie auch benötigt werden: in diesem Fall am Campus. Bei Transport und Verteilung geht nur minimal Wärme verloren.

Die eingesetzte Energie wird in Strom umgewandelt. Die gleichzeitig erzeugte Wärme wird zum Heizen oder für die Warmwasserbereitung genutzt. Der überschüssige Strom wird in das Stromnetz eingespeist. Die meisten BHKW werden mit Erdgas betrieben, es ist aber auch möglich, Heizöl, Pflanzenöl, Biodiesel oder Biogas zu verwenden. Die Entscheidung, wie das Selmer BHKW betrieben werden wird, ist noch offen.

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