Styropor stellt Selmer Handwerker vor Probleme

In Dämmplatten

Große Ungewissheit macht sich seit Anfang Oktober bei vielen Handwerksbetrieben in Selm breit. Schuld daran ist der Übeltäter Hexabromcyclododecan (HBCD). Die Chemikalie findet sich in Styropor-Dämmplatten und wurde am 1. Oktober vom Bundesrat als gefährlicher Abfall deklariert. Was fängt man nun mit diesen Platten an?

SELM

14.10.2016, 19:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Styropor stellt Selmer Handwerker vor Probleme

ARCHIV - Styroporplatten zur Wärmedämmung sind an der Fassade von einem Kindergarten in Straubing (Niederbayern) befestigt, aufgenommen am 07.07.2010. Foto: Armin Weigel/dpa (zu dpa «Kommunen warnen vor «Dämmwahn» - Keine Styropor-Monokultur» vom 03.01.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Heimisch ist das HBCD in Styropor-Dämmplatten, die vor allem bei Gebäudesanierungen zum Einsatz kommen. Dabei machte es sich eigentlich einen Namen als Flammschutzmittel, um den leicht entzündlichen Kunststoff in Schach zu halten. Doch die Giftstoffe im Styropor lassen die Baubetriebe seit Neustem eher schlecht als recht mit der Chemikalie zurechtkommen, da für die Entsorgung jetzt hohe Preise zu zahlen sind.

„Wir werden darauf reagieren müssen. Zum Glück haben wir derzeit keinerlei Bauvorhaben, bei denen wir mit der Materie in Berührung kommen“, erzählte uns Andreas Westrup, Inhaber der Firma Schnellhardt Bedachungen. Doch er weiß auch, dass der Tag kommen wird. „Die Entsorgungsbetriebe haben ja selbst noch keine Lösung, also wohin mit dem ganzen Zeug?“

Remondis wartet auf Genehmigung

Für den Raum Selm ist das Unternehmen Remondis erster Ansprechpartner in Sachen Entsorgung. Auch hier sind Probleme durch die Gesetzesänderung, welche die Erfassung und Verwertung des schädlichen Materials erschweren, spürbar. „Wir verzeichnen eine erhöhte Anfragequote aus der Baubranche, weil das Problem des Materialstaus noch nicht gelöst ist“, erklärte Michael Schneider, Pressesprecher Remondis. 

 

Weiter erklärt er, es werde der entsprechende Entsorgungsnachweis für die GMVA Oberhausen (Gemeinschafts-Müll-Verbrennungsanlage), bei der Bezirksregierung beantragt. „Die Stoffe können erst angenommen werden, sobald wir eine Bestätigung haben und die steht aktuell noch aus“, so Schneider. Bis dahin sei Baubetrieben zu empfehlen, das Material - falls möglich - zwischenzulagern, oder geplante Maßnahmen zu verschieben.

Mangelnde Lagerkapazität erschwert Weiterleitung

Grundsätzlich nimmt Remondis diese Form von Abfällen an, jedoch aufgrund mangelnder Lagerkapazitäten ist eine zeitnahe Weiterleitung an die Verwertungsanlagen derzeit nicht möglich. „Die notwendigen Genehmigungsvoraussetzungen für die Entsorgung hätten im Voraus geklärt werden müssen. Aus unserer Sicht muss das Verfahren dringendst beschleunigt werden“, erklärte Michael Schneider das Problem. Nur so könnten die vorhandenen Anlagen mit dem Material beliefert werden. Doch auch Remondis bleiben aktuell die Hände gebunden.

Kosten können Kunden übertragen werden 

Damit bleibt in den Baubetrieben in Selm und Umgebung ein großes Fragezeichen zurück. „Wir können noch nicht viel über die Auswirkungen sagen, dafür sind die Informationen seitens der Entsorgungsbetriebe zu schwammig“, sagt Christian Beck, Geschäftsführer bei Beck Bedachungen. In einem Punkt waren sich die von uns befragten Dachdeckerbetriebe für die Zukunft einig, es sei unvermeidbar, dass sie die erhöhten Kosten am Ende den Kunden übertragen.

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