Suche nach Erntehelfern: Corona könnte in Selm Auswirkungen auf die Ernte haben

rnLandwirtschaft

Selms Landwirte verfolgen die Corona-Nachrichten besonders intensiv. Der Grund: Erntehelfer aus Osteuropa könnten eventuell wegbleiben. Sie brauchen also Ersatz, oder müssen weniger anbauen.

Cappenberg

, 14.03.2020, 10:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Märzen der Bauern die Rösslein einspannt... Trotz allem Fortschritt in der Landwirtschaft hat das alte Volkslied noch immer einen wahren Kern: Vor allem der Gemüseanbau nimmt langsam aber sicher an Fahrt auf.

Die aktuellen Nachrichten über die schnelle Verbreitung des Coronavirus bereiten den Landwirten dabei durchaus Kopfzerbrechen. Denn sie müssen bei der Planung des Anbaus auch die Erntezeit im Hinterkopf behalten - und was wäre, wenn die Erntehelfer aus dem bislang verschonten Osteuropa aus Angst vor einer Ansteckung wegblieben?

Wilde Gerüchteküche

Konkrete Gründe für diese Ängste gibt es bislang nicht. Doch ein entsprechendes Grundrauschen in der Landwirtschaft ist deutlich vernehmbar. „Da gibt es eine wilde Gerüchteküche“, sagt Hans-Heinrich Berghorn vom Westfälisch-Lippischen-Landwirtschaftsverband in Münster. „Bei mir rufen viele Betriebsleiter an und erkundigen sich“, bestätigt Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer, der sich auch gut in der Selmer Region auskennt.

Jetzt lesen

Vieles sei im Moment nicht mehr als Kaffeesatzleserei, aber etliche ausländische Erntehelfer hätten wohl Angst davor, nach einem Einsatz in Deutschland nicht mehr in ihr Heimatland einreisen zu dürfen. Dass es sich dabei nur um Spekulationen handele, wie der Bauernverband in Berlin es bezeichnet, nimmt die Sorgen nicht.

Mitarbeitern sicheres Umfeld bieten

Auch Carsten Abenhardt, der für Personalangelegenheiten auf dem Biogut Schulze Altcappenberg KG zuständig ist, kennt diese Anfragen und Probleme. „Wir haben immer die gleichen Erntehelfer, die zu uns kommen. Die kennen sich aus, kennen das Prozedere. Die rufen wirklich im Moment an und erkundigen sich, wie der Stand der Dinge ist.“ Zwar bezeichnet sich Abenhardt selbst als Optimist und zeigt sich recht zuversichtlich, dass sich die Lage bis Mitte April, wenn die Erntehilfe benötigt wird, merklich entspannt hat, doch im Moment sei er „im Stand-by-Modus.

Jetzt lesen

Wir wollen unseren Mitarbeitern ja ein sicheres Umfeld bieten können.“

Sein KG-Partner Heinrich-Thomas Schulze Altcappenberg hofft, auch in diesem Jahr wieder ausländische Kräfte holen zu können. „Im vergangenen Jahr hatten wir Rumänen und auch Studenten aus der Ukraine - in den drei Monaten bei uns verdienen die, was sie dort für drei Jahre Studium brauchen“, erklärt er, welche Welten daher auch für die ukrainischen Studenten zusammenbrechen würden, sollten sie nicht kommen können.

Neben Helfern aus dem Ausland auch heimische Kräfte gesucht

Auch das BioGut, auf dem es vorrangig um Möhren und Kürbisse geht, würde es deutlich merken, wenn die 12 bis 15 Erntehelfer nicht vorhanden wären. „Wir arbeiten daher parallel und nehmen schon Kontakt zu Leuten aus der Region auf“, erklärt Carsten Abenhardt. „Schüler und Studenten, die in der Landwirtschaft aushelfen wollen, können sich gerne zeitnah melden“, sagt er. Vermutlich wird das aber nur einen Teil kompensieren können.

Im Zweifel muss über den Anbau reguliert werden

„Im Zweifel werden wir mit dem Anbau reagieren müssen“, sagt Abenhardt. „Das ist im Moment noch kein Thema, aber in etwa 14 Tagen müssen wir uns entschieden haben, ob wir weniger aussähen.“ Denn auch wenn die Kürbisse erst im Herbst reif sind: „In einem Biobetrieb braucht man eine händische Beikrautregulierung.“, Das nennt der Gartenbesitzer Unkrautjähten - und es erfordert auf einem Bauernhof viel Manpower.

Lesen Sie jetzt