Tafel-Ausgabestelle öffnet nach coronabedingter Pause wieder in Selm

Tafel-Ausgabestelle

Rund neun Wochen durften die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel in Selm coronabedingt keine Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Eine harte Zeit für beide Seiten. Die jetzt beendet ist.

Selm

, 03.06.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ab Freitag, 5. Juni, packen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel-Ausgabestelle Selm wieder Lebensmittel für Bedürftige.

Ab Freitag, 5. Juni, packen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel-Ausgabestelle Selm wieder Lebensmittel für Bedürftige. © Marie Rademacher (Archiv)

Am Freitag, 5. Juni, ist der erste Ausgabetag der Selmer Tafel-Ausgabestelle im evangelischen Gemeindezentrum an der Teichstraße nach der coronabedingten Pause. „Um möglichst risikoarm zu arbeiten, verlängern wir die Ausgabezeit und haben alle Kunden per Brief zu verschiedenen Zeitfenstern eingeladen“, berichtet Tafel-Mitarbeiterin Heike Hoppe. Diese Zeitfenster seien für zwischen 10 und 11.30 Uhr sowie 14 und 15.30 Uhr geplant.

„Im Brief haben wir auch alle anderen Schutzmaßnahmen wie Mund-Nase-Maske, Handdesinfektion, eine Person pro Haushalt und Mindestabstand erläutert und hoffen, dass wir mit diesen vielen Vorüberlegungen das Risiko für Kunden und Helfer gering halten können.“ Da es noch keine Menschen-Ansammlungen in geschlossenen Räumen geben darf, packen die ehrenamtlichen Mitarbeiter Lebensmittel-Tüten vor und übergeben diese - die Anzahl ist abhängig von der Haushaltsgröße - kontaktlos an der Tür zum Hof.

Anders als sonst, werden die Lebensmittel kontaktlos an die Kunden übergeben.

Anders als sonst, werden die Lebensmittel kontaktlos an die Kunden übergeben. © Tobias Weckenbrock (Archiv)

Wer mit Heike Hoppe telefoniert, spürt, wie sehr sie sich darauf freut, dass es endlich wieder los geht. „Wir hatten zwischenzeitlich sehr viele Anrufe von Mitarbeitern, die uns gefragt haben, was sie denn jetzt machen können und wann wir denn endlich wieder öffnen“, berichtet Heike Hoppe und lacht. Rund 16 der 40 potenziell zur Verfügung stehenden Ehrenamtlichen wird sie am Freitag einteilen können.

„Wir konnten es am Anfang kaum aushalten, nicht zu wissen, wie lange wir zu haben.“ Auch Kunden hätten sich zwischenzeitlich besorgt an die Mitarbeiter gewandt.

Schicksalshelfer sind eingesprungen

Neun Wochen ohne Ausgabestelle: Wie haben das die Kunden letztendlich verkraften können? „Die Schicksalshelfer haben die Arbeit während der Pause übernommen, und das war toll“, sagt Heike Hoppe. Sie habe alle Kunden, die innerhalb der acht Wochen vor der Schließung bei der Tafel-Ausgabestelle Selm waren - also aktuell Bedarf hatten -, darüber informiert, dass die Schicksalshelfer die Arbeit weiterführen, und den Kunden die Kontaktdaten der Schicksalshelfer gegeben.

Kontakt zur Tafel-Ausgabestelle Selm

  • Wer sich als ehrenamtlicher Helfer engagieren möchte, kann sich an Heike Hoppe, Tel. (02592) 23991, wenden.
  • Wichtig für Neukunden der Tafel: Sie sollten nicht einfach so am Freitag an der Tafel-Ausgabestelle erscheinen. „Sie sollen sich vorher bei mir telefonisch melden und mit Angabe einer Telefonnummer auf den Anrufbeantworter sprechen; ich melde mich dann zurück“, sagt Heike Hoppe. Dann könnten sie gezielt eingeteilt werden, zu welcher Gruppe sie dazu stoßen können. Denn es gelte, Ansammlungen zu vermeiden.

Die mehr als 100 Tafel-Kunden hat Heike Hoppe jetzt auch wieder kontaktiert. Aber mit der Information, dass am Freitag die Tafel-Ausgabestelle Selm wieder öffnet. Sie werden in sechs Gruppen eingeteilt, die jeweils 30 Minuten Zeit haben, ihre Lebensmittel abzuholen. „Damit wir hier keine Pulk von Kunden haben“, sagt Heike Hoppe.

Kann denn der sogenannte Re-Start der Tafel-Ausgabestelle Selm am Freitag reibungslos gelingen? „Wir werden insgesamt etwas weniger Lebensmittel von den Geschäften da haben“, antwortet Heike Hoppe. Erstens habe sich während der Corona-Krise das Einkaufsverhalten der Menschen verändert und zweitens kaufen die Geschäfte jetzt strukturierter ein, so dass die Marge der Lebensmittel, die an die Tafel gespendet werden, kleiner ist. Aber es reiche dennoch aus. Zumal sich Privatiers gemeldet und signalisiert haben, dass sie Lebensmittel kaufen, falls es doch nicht reichen sollte.

Nun geht es also wieder los. Anders, aber immerhin. Und das eine oder andere lobende Wort für die Schicksalshelfer, die eingesprungen waren, wird sicherlich auch fallen.

Figan Ucar-Macit von den Schicksalshelfern hat sich über Facebook über die letzten Wochen geäußert, in denen die Schicksalshelfer nicht nur die Tafel-Kunden beliefert, sondern auch anderen Menschen Einkäufe gebracht haben, die nicht einkaufen konnten: „Ich danke allen Spendern und den Helfern für ihre Ausdauer und ihren Fleiß. Für circa 100 Haushalte Spenden sammeln, Einkaufen gehen, alles verpacken und zu liefern, ist schon eine Leistung. Gemeinsam haben wir es geschafft, diese schwierige Zeit zu überbrücken und einfach zu helfen.“

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