Trotz Hilfe vom Jobcenter: Tafel Selm bleibt nächste Woche geschlossen

rnTafel in Not

Die Tafel im Kreis Unna ist in einer tiefen Krise und muss trotz Hilfe vom Jobcenter des Kreises für einige Tage schließen. Das hat auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Tafel in Selm.

Selm

, 16.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wenn wir jetzt nicht reagieren, müssen wir bald unsere Arbeit einstellen.“ Diese Nachricht, die Ulrike Trümper, Vorsitzende der Tafel im Kreis Unna, vor einigen Tagen verlauten ließ, hat viele Bürger im Kreis Unna hart getroffen. Vor allem die Menschen, denen das Geld fehlt, um Lebensmittel einkaufen zu gehen - und die deshalb zu den Stammkunden der Tafel gehören.

Hart getroffen hat das aber auch Menschen wie Heike Hoppe von der Ausgabestelle der Tafel in Selm, die es jetzt seit zwölf Jahren gibt. Diese steht nämlich in der kommenden Woche vor einer ungewöhnlichen Situation: Die Türen der Ausgabestelle werden am übernächsten Freitag geschlossen bleiben. „Ich glaube, das hatten wir in den letzten zwölf Jahren noch nicht“, sagt Hoppe.

Nicht unplanmäßig jedenfalls. Natürlich habe es immer Tage geben, an denen die Ausgabestelle geschlossen blieb; etwa an Feiertagen. „Sonst waren wir aber immer für die Menschen da“, sagt Hoppe.

Wenn im Kreis Unna alles stillsteht, wirkt sich das auch auf Selm aus

Grund ist die Tatsache, dass bei der Tafel im Kreis Unna in der nächsten Woche ebenfalls nahezu alles stillsteht - weil ein Großteil der dort tätigen Mitarbeiter der Tafel vorerst in Urlaub geschickt wurden. Weil es sein musste oder überfällig war. Was hat das mit der Ausgabestelle in Selm zu tun?

Heike Hoppe (hier im Jahr 2017) hofft, dass die Schließung nur von kurzer Dauer ist.

Heike Hoppe (hier im Jahr 2017) hofft, dass die Schließung nur von kurzer Dauer ist. © Mario Bartlewski (A)

Für diese bedeutet das, dass es in der kommenden Woche keine Lebensmittel aus dem Kreis geben wird. Normalerweise liefert die Tafel des Kreises laut Hoppe nämlich einen Großteil der Lebensmittelspenden, die der Tafel in Selm zur Verfügung steht. „Nur ein kleiner Teil kommt aus Selm“, sagt Hoppe und fügt hinzu: „Wenn die jetzt frei haben, haben wir fast keine Lebensmittel.“

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Da kommt auch die Hilfe des Jobcenters im Kreis Unna zu spät. Das hatte am Mittwoch (14.10.) angekündigt, der Tafel mit weiteren geförderten Arbeitsplätzen unter die Arme zu greifen. Das Problem: Die Verträge dafür werden laut Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer des Jobcenters des Kreises Unna, voraussichtlich erst in der kommenden Woche unterschrieben.

In dieser Woche wird man größere Portionen vergeben

In Selm versucht man trotzdem etwas gegenzulenken. An diesem Freitag wollen die Mitarbeiter größere Portionen vergeben. Dafür gehen die Mitarbeiter an die Notreserven der Ausgabestelle in Selm. „Manchmal kriegen wir zu viel“, sagt Hoppe, „und dann legen wir etwas beiseite.“ Das sei die „eiserne Reserve“, für besondere Anlässe - oder für schlechte Zeiten wie diese.

Zeiten, die laut Hoppe hoffentlich nur von kurzer Dauer sein werden. „Das hat man uns versprochen“, sagt die Tafelleiterin und verweist auf ein Gespräch, das sie mit Ulrike Trümper geführt hat.

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