Kassiererin bei Tedi verblüfft Räuber mit Pistole - Urteil nach Pannen-Überfall in Selm

rnRaubüberfall auf Tedi-Filiale

Der kläglich gescheiterte Raubüberfall auf die Selmer Tedi-Filiale im Februar sorgte für Aufsehen. Der glücklose Räuber musste sich für die Tat jetzt vor Gericht verantworten.

von Heinrich Höckmann

Selm

, 15.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit vorgehaltener Waffe überfiel ein 29-jähriger Selmer im Februar dieses Jahres die Tedi-Filiale an der Kreisstraße in Selm. Doch der Raub scheiterte kläglich, dank der couragierten Reaktion einer Verkäuferin. Am Freitag musste sich der Selmer vor einem Schöffengericht im Amtsgericht Lünen für seine Tat verantworten. Dabei spielten auch seine vielen Vorstrafen eine Rolle.

Am 20. Februar 2019 betrat der Angeklagte um 18.25 Uhr das Geschäft, auf dem Kopf trug er zur Tarnung einen Motorradhelm. Zunächst hielt er sich eine halbe Stunde in dem Laden auf, schaute in die Regale, lief auf und ab. Als der letzte Kunde den Laden verlassen hatte ging er zur Kasse und verlangte mit der vorgehaltenen Pistole nach Geld.

41-jährige Kassiererin zeigte sich vom Täter unbeeindruckt

Die 41-jährige Kassiererin zeigte sich jedoch unbeeindruckt und gab vor, die Kasse nicht öffnen zu können. Um seiner Forderung mehr Nachdruck zu verleihen sagte er: „Das ist kein Scherz, die Waffe ist echt“. Im Zeugenstand sagte die 41-Jährige, die Waffe habe auf sie wie eine Spielzeugpistole gewirkt. Sie habe ihm dann erwidert, ob er sie verarschen wolle und er solle nach draußen gehen und in die Luft schießen. Der Angeklagte verließ daraufhin den Laden und drohte wieder zu kommen.

Der drogenabhängige Selmer begründete sein Vorhaben damit, dass er seinen Drogendealer getroffen habe und der ihn zur Begleichung seiner Schulden in Höhe von 50 Euro aufgefordert habe. Aus Angst, weil man mit dem nicht spaßen kann, habe er die Spielzeugpistole seines Sohnes genommen.

Angeklagter nahm nach eigenen Angaben Methadon und weitere Mittel

An die Tat selbst könne er sich nicht mehr erinnern. Er habe sein Methadon genommen und zusätzlich Codein und Benzodiazepine (beides verschreibungspflichtige Medikamente). Auf die Zeugin wirkte er jedoch nicht verwirrt, er habe keine Ausfallerscheinungen gezeigt.

Eine zweite Verkäuferin (28) sagte, sie sei völlig „verdattert“ gewesen und habe gedacht, was macht die denn jetzt, als sie die Reaktion der Kollegin sah. Der Staatsanwalt resümierte in seinem Plädoyer, dass die Zeugin sich unplanmäßig verhalten und der Raub damit eindrucksvoll gescheitert sei.

Die Strafe: zwei Jahre und sechs Monate Haft ohne Bewährung. Der Angeklagte hat zwölf Vorstrafen, zwei Bewährungen werden jetzt wohl widerrufen. Dann wird die bei diesem Prozess verhängte Haftstrafe um zehn Monate verlängert.

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