Tornister-Aktion: Förderverein der Familienbildungsstätte spendet für den Schulstart

Schulstart

Zehn Tornister hat der Förderverein der Familienbildungsstätte für den Schulstart im Sommer organisiert. Kinder, deren Familien nicht so viel Geld haben, bekommen sie geschenkt.

Selm

, 15.05.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Tornister-Aktion: Förderverein der Familienbildungsstätte spendet für den Schulstart

Petra Kirschbaum (hinten, v.l.) und Bettina Schwab-Losbrodt aus dem Vorstand des Fördervereins der Familienbildungsstätte freuen sich zusammen mit Heike Hoppe und Andrea Preuß aus dem Team der Tafel und Heide-Marie Schmidt von der FBD darüber, dass mit der Tornister-Aktion wieder zukünftigen Erstklässlern geholfen werden konnte. © Marie Rademacher

Es ist ein großer Tag im Leben, eine Zäsur der Kindheit, ein Schritt hin zum Erwachsenwerden: der erste Schultag. Und wie das bei großen Tagen so ist: Da kommt es den Protagonisten auf Details an. Auf das richtige Kleid oder die coolen Sneaker – es entstehen schließlich jene Bilder, die auf ewig einen Platz im Familienalbum finden werden.

Wichtig ist auch die liebevoll gestaltete (und gefüllte) Schultüte und allgemein das rundum professionelle Auftreten eines Schulkindes – mit noch blanken Heftchen, dem ersten Füller im Etui und natürlich einem der Zeit und allen Anforderungen entsprechenden Tornister.

Dafür, dass auch die Kinder in Selm, deren Eltern nicht so viel Geld haben für Details wie diese oder auch nur für die kostspielige Grundausstattung eines modernen Grundschulkindes, nicht herausstechen, kümmert sich seit 2011 – zumindest in Teilen – der Förderverein der Familienbildungsstätte in Selm. Seitdem gibt es nämlich die sogenannte Tornister-Aktion.

So funktioniert die Tornister-Aktion

Und die läuft so: Die Mitarbeiter der Tafel in Selm nehmen Kontakt zu den Familien in ihrer Kundenkartei auf, bei denen die Einschulung eines Kindes in die erste Klasse ansteht. Zum Hintergrund: Nur Familien, die von der Grundsicherung leben, sind berechtigt, Kunden bei der Tafel zu sein. Das Geld ist bei diesen Familien knapp – das kann man sich leicht ausrechnen. Gerade wenn mit einem Tornister eine Anschaffung ansteht, die mindestens zwischen 150 und 250 Euro kostet.

Der Förderverein der Familienbildungsstätte springt dann ein und kümmert sich darum, dass die Kinder dieser Familien zum Schulstart einen ordentlichen und modernen Tornister bekommen, der meist auch voll ausgestattet ist.

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Diesen Ablauf erklärt Petra Kirschbaum, zweite Vorsitzende des Fördervereins, am Montagnachmittag in einem Raum der FBS, in dem eine Stimmung wuseliger guter Laune herrscht, die eigentlich nur Kinder verbreiten können. Stolz stehen vier junge Selmer um den Tisch herum und probieren die Verschlüsse ihrer neuen Rucksäcke aus, stecken die Nase in das geöffnete Fach, suchen stolz den Blick ihrer Eltern. Diese Mischung aus Freude und Stolz: Petra Kirschbaum und ihre Mitstreiter vom Förderverein erleben sie jedes Jahr, wenn sie die Tornister verteilen. „Die Kinder freuen sich schon riesig und sind immer total aufgeregt“, erzählt sie.

Vor allem Aktion beim Weihnachtsmarkt sorgt für Finanzierung

Das ganz Jahr über arbeitet der Förderverein daran, die Tornister-Aktion finanziell zu stemmen, sagt sie weiter. „Den Großteil nehmen wir bei dem Selmer Weihnachtmarkt ein.“ Dort kocht der Förderverein immer Grünkohl und verkauft ihn dann an einem Stand. Unterstützt wird die Tornister-Aktion auch von der Firma Lederwaren Pohl aus Lünen, wo Petra Kirschbaum die Tornister für einen reduzierten Preis kauft.

Zehn Kinder, so sagt es Heike Hoppe von der Selmer Tafel, haben für das im Sommer startende neue Schuljahr einen Tornister über die Aktion bekommen. „Wir“, so sagt sie, „konnten in den vergangenen Jahren jeder Familie einen Tornister vermitteln und mussten noch nie Nein sagen“, erklärt sie. Im ersten Jahr der Tornister-Aktion waren es noch sechs Tornister, mittlerweile hat sich die Zahl bei zehn bis zwölf eingependelt, erklären die Organisatorinnen.

Keine Unterstützung von der Stadt

Die Stadt Selm unterstützt die auf Grundsicherung angewiesenen Familien derweil nicht bei der Anschaffung der Schulausstattung, wie Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage der Redaktion erklärt. „Für berechtigte Familien gibt es aber die Möglichkeit, sich über das Bildungs- und Teilhabepaket Ausstattung finanzieren zu lassen“, sagt er weiter.

Die Stadt begrüße gerade vor diesem Hintergrund sehr, dass Familien in Selm mit der Aktion des Fördervereins der FBS geholfen werde. Das unterstreicht auch Monika Wesberg, die Leiterin der Selmer Familienbildungsstätte. „Ich finde es total wichtig“, sagt sie und richtet ihren Dank an den Förderverein. „Toll, dass das hier so läuft.“

Vier Tornister sind schon an die Noch-Vorschüler verteilt. Die weiteren sechs werden in den nächsten Tagen einen neuen Besitzer finden und am ersten Schultag dann stolz präsentiert werden können – und darüber hinaus in den folgenden Jahren viele Hausaufgaben von der Schule wieder nach Hause tragen.

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