Traumatisierte Jugendliche im Schürenberger Hof

BORK Seit April ist das ehemalige Ausflugslokal Schürenberger Hof eine Außenstelle des Heilpädagogischen Kinderheims Hamm. Mit einem Vorurteil räumt der 39-jährige Diplom-Sozialpädagoge und Teamleiter Mathias Kowitz sofort auf. "Wir sind weder ein Bootcamp noch eine Psychiatrie!"

von Von Malte Woesmann

, 31.10.2008, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mathias Kowitz lässt den Blick schweifen. Unter seinem Balkon liegen Rehe im Gras, in wenigen hundert Metern beginnt der Wald, die Vögel zwitschern - ein Idyll. "Ich habe wirklich das schönste Büro des LWL", sagt er.Nach schrecklichen Erlebnissen Im Schürenberger Hof ist eine spezielle Jugendwohngruppe untergebracht mit bis zu sieben Jugendlichen und zwei Erwachsenen. "Das sind Jugendliche mit schweren Traumata", erklärt Kowitz. Die Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahre haben schon einiges mitgemacht; Vergewaltigung oder auch körperliche Misshandlungen waren Auslöser für die Traumata. Im Schürenberger Hof sollen sie davon Abstand gewinnen. "Wir haben hier eine ganz spezielle Infrastruktur. Unser Motto heißt, am Leben lernen", erklärt Kowitz. Was er damit meint, zeigt er sofort.

Die Rehe müssen gefüttert, der Wald bewirtschaftet werden. "Wir schlagen das Holz selber, zum Beispiel für unseren großen Ofen." Der wurde auch in Eigenarbeit errichtet. Pizza, Brote und Kuchen werden dort gebacken.Geregelter Tagesablauf Acht Betreuer und eine Haushaltshilfe kümmern sich um die Jugendlichen. Sie sollen einen geregelten Tagesablauf haben. Morgens geht es zur Schule, mittags wird gekocht und gegessen, dann stehen weitere Arbeiten auf dem Plan. Apropos Schule. Das Vorurteil, die "Problemkinder" würden nur Sonderschulen besuchen, trifft nicht zu. "Ein Mädchen ist sogar auf dem Gymnasium", sagt Kowitz.

Die Dienste sind klar aufgeteilt. Trotzdem räumt die Haushaltshilfe mit den Jugendlichen ihre Zimmer auf. "Wenn man in die Zimmer schaut, weiß man, wie es in der Seele aussieht", weiß Kowitz aus der täglichen Arbeit. Zu verletzt seien einige der Jugendlichen, die in der Wohngruppe untergebracht sind.

Wie lange die Jugendlichen auf dem Hof leben, kann Kowitz nicht pauschal beantworten. "Erst zwei haben uns seit Beginn wieder verlassen", sagt er. Therapie, das macht Kowitz klar, findet auf dem Hof nicht statt. Dafür sind Spezialisten wie Kinder- und Jugendpsychologen zuständig. "Das können wir hier nicht leisten." Einmal in der Woche kommt eine Psychologin und bietet sich zu Gesprächen an. Das wird auch gut angenommen.

Selbstwertgefühl wieder aufbauen

Die Aufgabe seines Teams, so Kowitz, sei es vor allem, das Selbstwertgefühl, das nach Demütigungen, Vergewaltigungen und Misshandlungen am Boden ist, wieder aufzubauen. Die kleinen Erfolgserlebnisse wie der Bau des Hundezwingers oder des Ziegengeheges sind Balsam für die geschundene Seele.

Genug zu tun gibt es auf jeden Fall noch auf dem großen Hof. Und Zeit, sich am schönen Büro zu erfreuen, hat Kowitz auch noch. "Das Projekt ist hier für mindestens zehn Jahre angelegt."

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