Udo-Double Andy aus Selm zum Lindenberg-Kinofilm: „Es war beeindruckend“

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Seit Mitte Januar läuft der Film „Lindenberg! Mach dein Ding“ in den Kinos. Udo-Lindenberg-Double Andy aus Selm hat ihn angesehen und etwas erfahren, das auch er noch nicht über Udo wusste.

von Marcel Schürmann

Selm

, 03.02.2020, 16:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Den langen, schwarzen Mantel trägt Andy bereits, als er durch die Eingangstür in die Redaktion der Ruhr Nachrichten in Selm kommt. In seiner Hand hält er eine Kiste mit den weiteren Utensilien, die er für seine spätere Verwandlung benötigt. Darin: Ein Hut, eine Sonnenbrille, eine Zigarre - that‘s it.

Andy (54) ist ein Profi-Double des deutschen Rocksängers Udo Lindenberg (73), dessen Film-Biografie seit dem 16. Januar in den deutschen Kinos läuft. Andy, der seinen korrekten Namen nicht öffentlich nennen möchte, hat den Film seines Vorbilds schon angesehen. Sein Fazit: „Es war wirklich beeindruckend.“

Jan Bülow? „Absolute Top-Besetzung“

Angesprochen darauf, wie seine Reaktion ausfiel, als er erfuhr, dass nicht er von den Film-Produzenten für die Rolle des Udo Lindenbergs ausgewählt wurde, lacht Udo-Double Andy. Ob er sauer gewesen sei? „Nein. Jan Bülow (23, spielt Udo Lindenberg im Film, Anm. d. Red.) hat das wirklich fantastisch gespielt. Er ist für den Film eine absolute Top-Besetzung gewesen. Ich hätte es nicht besser hingekriegt“, sagt Andy noch mit seiner normalen Stimme - vor der Verwandlung in Udo Lindenberg.

Der Film beleuchtet die Anfänge der Karriere Lindenbergs. Andy als 54-Jähriger wäre beim Casting für die Rolle daher wahrscheinlich ohnehin durchgefallen. Aber welchen Udo spielt er eigentlich, da er ja fast 20 Jahre jünger als sein Vorbild ist? „Ich würde sagen: so ein Zwischending“, sagt Andy. Lindenbergs Style habe sich „in den letzten 20, 30 Jahren so gut wie gar nicht verändert.“ Daher sei der Altersunterschied zwischen Udo und Andy bei dessen Double-Auftritten „kein Problem“.

Andy singt wie Jan Bülow selber

Gesungen hat Bülow die Lieder von Udo Lindenberg im Film übrigens selber. Das ist auch Andy aufgefallen: „Es war definitiv nicht Udo, der gesungen hat“, sagt Andy. Als Imitator und Doppelgänger von Udo Lindenberg hat Andy im Film natürlich ganz genau hingehört und hingesehen. „Es hat sich aber trotzdem sehr gut angehört“, sagt er.

Zwar ist Andy Fan von Udo Lindenberg seitdem er 15 Jahre alt war, doch eine Sache war selbst für den Edel-Fan neu: „Ich kannte Udos Vita weitestgehend. Aber ich wusste zum Beispiel nicht, dass er als Teenie mit einer Band mal in Libyen war und für amerikanische Soldaten Schlagzeug gespielt hat.“ Das wird im Film gezeigt und so hat auch Andy noch etwas Neues über Lindenberg erfahren.

Keine Double-Auftritte mehr beim Original

Angeschaut hat sich Andy den Film in zivil. Einmal habe er schon den Fehler gemacht und ist als Udo verkleidet zu einem Udo-Lindenberg-Konzert in Oberhausen gegangen.

„Da stand ich plötzlich im Mittelpunkt und musste ein Autogramm nach dem anderen schreiben. Das war einmal ganz witzig, aber das hatte ich so gar nicht geahnt. Ich hab‘s auch nie wieder gemacht“, sagt Andy.

Es fing mit einem Kostüm-Wettbewerb an

Als professionelles Udo-Double tritt Andy schon seit 2013 auf. Damals hat er beim Karneval in Dülmen mit seinem Udo-Kostüm den ersten Preis gewonnen. Danach habe sich alles verselbstständigt und Andy trat fortan weiter als Udo auf. Heute gibt er Konzerte in ganz Deutschland, tritt auf Geburtstagen und Hochzeiten auf.

Vielen Selmern dürfte er auch noch vom letztjährigen Stadtfest bekannt sein, wo Andy sein Udo-Repertoire zum Besten gab. Es sind aber die kleineren Konzerte, die dem Wahl-Selmer Andy, der ursprünglich aus dem Rheinland kommt, am meisten Spaß machen. „Die kleinen Konzerte sind besonders charmant. Da interagiert das Publikum ja auch ganz anders mit mir, als wenn ich vor 2.500 Menschen auftrete.“

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Nervös vor seinen Udo-Auftritten ist Andy inzwischen nicht mehr. Es hat ihm sehr geholfen, früher schon zehn Jahre lang Sänger und Gitarrist in einer Cover-Rockband gewesen zu sein. „Da haben wir aber keine Udo-Cover gespielt“, so Andy.

Probleme mit dem Auswendiglernen der Udo-Texte habe er nie gehabt. „Es hilft schon ungemein, wenn man Udo schon früh gehört hat. Das war bei mir ja schon mit 15 Jahren der Fall.“ Für die perfekte Verwandlung in Udo Lindenberg sei es für Andy aber sehr wichtig, „dass man auch eine gewisse Udo-Affinität hat. Sonst geht es nicht authentisch.“

Tote-Hosen-Cover in Udo-Marnier

Andys Udo-Show geht etwa 40 Minuten und umfasst sieben Lieder. „Da habe ich lange dran rumgebastelt, damit in meiner Show auch eine gewisse Dramaturgie ist. Es geht mit dem Lied „Cello“ ziemlich langsam los und wird dann immer rockiger mit Songs wie „Mein Ding“, „Sonderzug nach Pankow“ und der „Honky-Tonky-Show“ und ganz am Schluss kommen bei „Ich lieb‘ dich überhaupt nicht mehr“ auch die Feuerzeuge raus.“

Für den Höhepunkt seiner Show hat sich Andy etwas Ausgefallenes einfallen lassen. „Da spiele ich „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen in einer Udo-Version. Das kommt dann auch immer super bei den Nicht-Udo-Fans an“, sagt Andy.

Double-Konzerte in ganz Deutschland

Mit seinen Udo-Auftritten hat sich Andy, der Inhaber einer IT-Firma ist, inzwischen ein zweites Standbein aufgebaut. Mit seiner „Panik-Zentrale“ - wie er sie nennnt - einem großen Wohnwagen, zieht er nicht nur an den Wochenenden durch ganz Deutschland um seine Konzerte zu spielen. Auch unter der Woche ist Andy viel als Udo unterwegs. Buchen kann man Andy über seine Website www.udokommt.de.

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