Nach Dauerregen in Selm: Wer zahlt, wenn der Keller vollläuft?

rnHochwasserschutz

Wegen des starken Dauerregens ist bei vielen Menschen die Sorge groß, dass ihr Keller mit Wasser volllaufen könnte. Doch wer zahlt eigentlich, wenn es dazu kommt?

Selm

, 24.02.2020, 21:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einem Feld des Biohofs Altcappenberg in Cappenberg steht das Wasser knöchelhoch. Der Dauerregen in den vergangenen Tagen hat nicht nur Felder und Wege überschwemmt. Auch viele Hausbesitzer hatten mit Wasser in ihren Kellern zu kämpfen und mussten dafür Eimer zur Hand nehmen.

Thomas Isermann von der Selmer Feuerwehr sagt jedoch, dass er und seine Kollegen in Sachen Überflutungen von Kellern ein „ruhiges Wochenende“ gehabt hätten. „In Selm sind am Wochenende von dem starken Dauerregen keine Keller überflutet worden. Zumindest ist in der Hinsicht kein Notruf bei uns eingegangen“, sagt Isermann.

Feuerwehr bei geringem Wasserstand im Keller nicht zuständig

Allerdings ist bei einem eher geringen Wasserstand in Kellern die Feuerwehr auch nicht der richtige Ansprechpartner, erklärt er. „Unsere Pumpen arbeiten erst ab einem Pegel von zehn Zentimetern aufwärts. Bei einem Wasserpegel unter zehn Zentimetern können auch wir nicht viel machen.“ Da hilft für viele also nur: der Eimer.

Die Hochwasser-Einsätze seien laut Isermann in den vergangen Jahren sehr weit zurückgegangen: „Viele Bürger kennen inzwischen ihre Schwachstellen und haben ihre Abflüsse mit Rückstauverschlüssen versehen. Dazu greift auch der Hochwasserschutz der Stadt. Durch die Errichtung der Rückhaltebecken haben wir inzwischen deutlich weniger Einsätze wegen Hochwasser beziehungsweise Überschwemmungen und Überflutungen zu verzeichnen.“

Wer zahlt, wenn der Keller doch vollläuft?

Aber wer muss eigentlich zahlen, wenn der eigene Keller doch mal vollläuft? Kommunen haften nicht für Rückstauschäden an privaten Häusern - also Schäden, die entstehen, wenn zu volle Kanalisationen das Abwasser zurück durch den Abfluss in die Keller drücken, erklärt die Verbraucherzentrale NRW zu dem Thema. Diese Schäden sind auch nicht in der privaten Hausrat- und Wohngebäudeversicherung automatisch mit abgedeckt.

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Das Rückstaurisiko muss explizit innerhalb einer Elementarschadenversicherung, also einer Versicherung, die Schäden durch bestimmte Naturgewalten abdeckt, abgesichert werden. Doch Achtung, warnt die Verbraucherzentrale: Nicht jeder Rückstau ist mitversichert; die Rückstauklappen müssen regelmäßig gewartet werden.

Grund zur Sorge vor Hochwasser müssen sich die Selmer allerdings nicht machen. Das sagt Anne-Kathrin Lappe, Pressesprecherin des Lippeverbands. „Die Lippe hat bei Lünen aktuell einen Pegel von knapp 4,60 Meter. Der Mittelwasserstand - ein Durchschnittswert, der sich über mehrere Jahre errechnen lässt - liegt zwar nur bei 2,70 Meter. Aber aktuell sinkt der Pegel der Lippe auch schon wieder“, berichtet Lappe.

Hochwasser erst ab Lippe-Pegelstand von sechs Metern

Erst ab einem Pegelstand der Lippe von 5,50 Metern greife laut Lappe die Hochwasserbereitschaft. „Dann wird das Personal verstärkt, mögliche Maßnahmen wie etwa Straßensperrungen werden vorbereitet, und Behörden und Landwirte informiert. Von einem Hochwasser an der Lippe gehen wir im Bereich Lünen erst ab einem Pegelstand von sechs Metern aus“, so Lappe.

Die Funne an der Neuen Nordkirchener Straße ist wegen der Regenmassen schon zu drei Vierteln vollgelaufen. Dramatisch ist die Situation aber nicht.

Die Funne an der Neuen Nordkirchener Straße ist wegen der Regenmassen schon zu drei Vierteln vollgelaufen. Dramatisch ist die Situation aber nicht. © Arndt Brede

Lange Trockenphasen stellen für das Grundwasser-Vorkommen laut Lappe ein großes Problem dar: „Wenn der Boden durch die Trockenphasen so stark austrocknet, verliert er seine Schwammfähigkeit und das Wasser dringt nicht so tief ein, sondern läuft in die Kanalisation oder Flüsse ab.“ Das würde die Hochwasser-Gefahr steigern.

Aktueller Dauerregen: „Noch nicht zu viel“

Ortslandwirt Ewald Westermann sieht es nicht allzu dramatisch. Er sagt: „Durch den Regen, den wir bisher schon hatten - der auch schon in kleinen Mengen gekommen ist - ist der Boden schon ordentlich aufgeweicht worden und kann wieder eine Menge Wasser aufnehmen.“ Die aktuellen Regenmengen seien laut Westermann „noch nicht zu viel“.

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