Vatertag in Corona-Zeiten: 60 Kilometer und kein einziger Bollerwagen

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Mehr als 60 Kilometer hat unser Fotograf zurückgelegt. Durch Selm, Olfen und Nordkirchen ist er gefahren, um Menschen mit Bollerwagen zu suchen. Am Ende hat er etwas Wichtigeres gefunden.

Selm, Nordkirchen, Olfen

, 21.05.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich ist Vatertag der Tag der Bollerwagen. Ein Tag, an dem viele Menschen traditionell mit ihren Freunden und einem Wagen mit kühlen Getränken losziehen, um zu wandern und zwischendurch immer mal wieder eine gemütliche Rast einzulegen. Und eigentlich wäre dieser Donnerstag mit seinem strahlend blauen Himmel und Temperaturen von über 20 Grad geradezu perfekt dafür.

Wäre da nicht Corona. Denn nun, da die Kontaktbeschränkungen immer mehr gelockert werden, ist zwar Picknicken im Freien wieder erlaubt (Grillen übrigens nicht), aber dennoch bleibt es dabei: Es dürfen sich nur zwei Menschen oder zwei Haushalte treffen. Nicht aber eine bunte Freundestruppe. Grillen in der Öffentlichkeit kostet pro Person zum Beispiel ein Bußgeld von 250 Euro, ein Verstoß gegen das Kontaktverbot - also mit mehr Menschen unterwegs zu sein als erlaubt - kostet 200 Euro. Alles pro Person.

Eine gute Zeit um zu starten - eigentlich

So verwundert nicht, dass der Bollerwagen an diesem besonderen Vatertag schwer zu finden ist. Unser Fotograf macht sich bereits um 10 Uhr auf den Weg. Ob er zu früh dran ist, fragt er sich. Es ist nicht das erste Mal, dass er am Vatertag auf Foto-Tour unterwegs ist. Normalerweise ist 10 Uhr eine gute Zeit um zu starten. Dieses Mal aber: nichts mit Bollerwagen. Dabei fährt er viele beliebte Stellen und Wege ab. Entlang am Kanal in Olfen, oder der Weg von Selm nach Südkirchen. Eigentlich sonst beliebte Wege für Bollerwagen-Gruppen. Doch dieses Mal nicht.

Viele Radfahrer sind durch die Städte gefahren, berichtete unser Fotograf. In Selm war nicht soviel los wie in Nordkirchen. Dort standen die Menschen an den Eisdielen Schlange. Der Ortskern war gut gefüllt. Aber Bollerwagen? Keine Chance.

Sophia ist gerade wach geworden.

Sophia ist gerade wach geworden. © Jürgen Weitzel


Markus Wallbaum aus Lüdinghausen ist stattdessen mit Tochter Sophia und der restlichem Familie unterwegs - auf einer Radtour von Lüdinghausen nach Nordkirchen. Statt Bollerwagen gibt es einen Kinderanhänger am Fahrrad. Sophia ist gerade wach geworden. „Auf dem Weg hierhin haben wir zufällig einen Freund getroffen, der nun mit uns mitfährt“, erzählt Markus Wallbaum. Jetzt gibt es erstmal was zu trinken und dann geht es zum Schloss, bevor der Heimweg ansteht. „Soviel Glück hatten wir mit dem Wetter noch nie“, sagt der Vater.

Werner Neumann mit Sohn Philipp.

Werner Neumann mit Sohn Philipp. © Jürgen Weitzel

Ebenfalls mit dem Rad unterwegs sind Werner Neumann und Sohn Philipp. Philipp kommt aus Lüdinghausen und Papa Werner aus Olfen. Auf dem Plan steht eine zweistündige Fahrt entlang des Kanals. „Wir fahren jetzt zum ersten Mal zusammen“, erzählen die beiden. Werner Neumann ist nicht mehr berufstätig, also ist mehr Zeit für das Fahrradfahren. Sohn Nummer zwei ist nicht dabei, „der wohnt in Süddeutschland und erklimmt wahrscheinlich die Weinberge“, sagt Philipp mit einem Schmunzeln.

Valerij Kuxhausen mit Sohn Alexej.

Valerij Kuxhausen mit Sohn Alexej. © Jürgen Weitzel

Valerij Kuxhausen und Sohn Alexej bleiben am Vatertag lieber direkt im Garten und spielen Fußball. „Dafür habe ich extra ein Tor aufgebaut“, erzählt der Vater. Später wird noch ein wenig gegrillt. „Darauf freuen wir uns schon sehr“, erzählen die Beiden. Sohn Alexej freut sich aber auch auf etwas anderes: Die Familie erwartet in ein paar Monaten Nachwuchs.

Vatertag 2020 bedeutete also: Radfahren, Eis essen, Fußball spielen und gemeinsam Zeit verbringen. Dreieinhalb Stunden war unser Fotograf unterwegs und hat mehr als 60 Kilometer mit seinem Auto zurückgelegt. Dabei hat er nicht einen Bollerwagen gesehen. Aber viele glückliche Väter - und ihre Kinder.

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