19-facher versuchter Mord? Verhandlung gegen Hamza K. könnte im Juni zu Ende gehen

rnWaffelino-Prozess

Wer hat das Café Waffelino in Brand gesteckt und dabei über ein Dutzend Menschenleben gefährdet? Der Prozess gegen den früheren Betreiber Hamza K. befindet sich auf der Zielgeraden.

Selm

, 15.05.2019, 11:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft ist weiterhin davon überzeugt, dass K. selbst zum Brandstifter wurde, um anschließend eine hohe Versicherungssumme einstreichen zu können. Der Angeklagte beteuert dagegen seine Unschuld und seine Verteidiger Ralf Bleicher und Sebastian Kägebein lassen nichts unversucht, die Richter davon auch zu überzeugen.

Bislang scheint dieses Vorhaben allerdings noch nicht von Erfolg gekrönt. Hamza K. sitzt weiter in Untersuchungshaft. Und das heißt: Die Richter gehen von einem dringenden Tatverdacht aus. Würden sie das nicht (mehr) tun, müssten sie den Angeklagten umgehend freilassen.

Auffälliges Verhalten

Die Anklage stützt ihren Verdacht auf Zeugenaussagen und offenbar auffälliges Verhalten von Hamza K. nach der Tat. Dass er sich für Monate ins Ausland absetzte, spielt dabei eine Rolle. Dass er nach seiner Rückkehr nachweislich falsche Angaben bei der Polizei machte, auch. Und dann ist da noch ein Mann, der den Waffelino-Betreiber kurz vor dem Brand dabei beobachtet haben will, wie er zusammen mit anderen Männern Gegenstände aus dem Café in ein Auto lud. Wollte Hamza K. hier Wertsachen verschwinden lassen, die nicht verbrennen sollten?

Der Selmer hält solche Vermutungen für ausgemachten Unsinn. Er hat den Richtern sogar andere Verdächtige präsentiert, die seiner Meinung nach ein gutes Motiv für die Brandstiftung gehabt hätten: die Mitglieder einer libanesischen Großfamilie, mit der er schon länger im Streit lebt.

Vorfall bei Edeka

Das hat mit einem anderen Vorfall auf dem Edeka-Parkplatz zu tun. Zusammen mit einem dieser Großfamilien-Mitglieder soll Hamza K. dort einem anderen Mann das Handy weggenommen haben. Als die Polizei von der Sache erfuhr, wanderte aber nur der Libanese für einige Zeit in Untersuchungshaft. Und dessen Angehörige sollen danach erklärt haben, dafür würden sie sich bei dem Waffelino-Betreiber schon noch rächen. Mit einer Brandstiftung?

Tatsache ist aber, dass die Tür des Cafés Waffelino nicht von einem Einbrecher beschädigt wurde, der anschließend Feuer legte. Ein Sachverständiger ist sicher, dass die Schäden nur bei geöffneter Tür angebracht worden sein können. Und auch nur von einem Täter, der einen Schlüssel hatte. Davon gab es die ganze Zeit über nur drei. Einer ist offenbar verschwunden.

Zeuge in Rumänien

Vor einem möglichen Urteil wollen die Verteidiger unbedingt noch einen Zeugen hören, der sich derzeit in Rumänien aufhält. Das Problem ist nur: Der Mann verspürt wenig Lust, sich befragen zu lassen. Gut möglich, dass die Richter ihn Ende Mai für „unerreichbar“ erklären und danach die letzte Phase des Prozesses einläuten.

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