Verkehrschaos an der Baustelle Kreisstraße Selm

Beschilderung wird ignoriert

Völlig überfordert scheinen einige Autofahrer und Radfahrer mit dem Umbau der Selmer Kreisstraße zu sein: An die Baustellenbeschilderung scheint sich kaum jemand zu halten. Am Mittwoch konnte man Autos, die mitten durch die Baustelle fuhren, und weitere kuriose, aber auch gefährliche Mänover beobachten - wie unsere Fotostrecke beweist.

SELM

, 07.06.2017, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verkehrschaos an der Baustelle Kreisstraße Selm

Was zuvor der Graue gemacht hat, macht der kleine Rote einfach mal schnell nach.

Die riesige Fräsmaschine zersägt den Asphalt der Kreisstraße. Ein Radlader fährt vorbei, um Teile des anfallenden Schotters auf einen Berg zu laden. Dazwischen hoppelt ein kleiner Fiat ziemlich rasant über die Schotterpiste. Moment – ein Fiat? Was hat das Auto mitten in der Baustelle zu suchen?

Während man sich noch fragt, warum dieser Fiat zwischen Schutt und Baumaschinen unterwegs ist, sieht man einen Radfahrer, der gerade versucht, sich hinter der momentan rückwärts (!) fahrenden Fräsmaschine vorbeizumogeln. Er schafft es um Haaresbreite. Glück gehabt.

Der Fiat ist inzwischen verschwunden, aber andere folgen seinem Beispiel. Zwischen den Schotterhügeln scheinen sich sowohl Selmer als auch Auswärtige zum Autocross-Rennen verabredet zu haben. Manche tasten sich eher unsicher durchs Gelände, mutige Kandidaten geben allerdings mit quietschenden Reifen Vollgas.

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Umbau der Kreisstraße: Autos vom Weg abgekommen

Über den Bürgersteig, vorbei am Schotterhaufen, oder neben der Fräsmaschine: Während der Bauarbeiten an Selms Kreisstraße suchen sich die Autofahrer gerne eigenwillige Wege. Ob der Grund dafür Unvermögen oder die Unübersichtlichkeit im Schilderwald ist, bleibt unklar. Nett anzusehen ist das Spektakel aber allemal.
07.06.2017
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Die Fräsmaschine fräst und fährt dabei mitunter auch rückwärts. Egal, der Autofahrer hat es eilig und fährt mitten über den Schotter.© Foto: Martina Niehaus
Viele Autofahrer fahren bis unmittelbar vor die Baustelle.© Foto: Martina Niehaus
"Frei bis Rechtsanwälte", steht hier. Doch ein Schotterhügel liegt im Weg.© Foto: Martina Niehaus
Um ans Ziel zu kommen, fahren Autofahrer sogar über den Bürgersteig.© Foto: Martina Niehaus
Auf den Bürgersteig - und ab durch die Mitte!© Foto: Martina Niehaus
Was zuvor der Graue gemacht hat, macht der kleine Rote einfach mal schnell nach.© Foto: Martina Niehaus
Zwischen Schotterberg und Fräse versucht dieser Autofahrer, seinen Weg zu machen.© Foto: Martina Niehaus
Was nun? Der Baustellen-Mitarbeiter versucht, den Autofahrer in die richtige Richtung zu lenken.© Foto: Martina Niehaus
Kommt den Autofahrern der Radlader zu nahe, fahren sie doch lieber zur Seite.© Foto: Martina Niehaus
Fehlende Einsicht oder fehlende Beschilderung? Man weiß es nicht so genau.© Foto: Martina Niehaus
Angelika und Wolfgang Hoheisel ärgern sich: Weil am Kreisverkehr Schilder fehlen, biegen viele Autos und Laster in die Buddenbergstraße ab.© Foto: Martina Niehaus
Zurzeit wird das Straßenpflaster der Kreisstraße aufgefräst.© Foto: Martina Niehaus
Für die Dauer der Arbeiten ist die Kreisstraße zwischen Botzlarstraße und Landsbergstraße gesperrt.© Foto: Martina Niehaus
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Der Bürgersteig wird zur Hauptverkehrsstraße

Es ist der erste Tag auf dem ersten Bauabschnitt des Kreisstraßenumbaus. Und wenn die Situation so bleibt, kann es hier noch richtig gefährlich werden. Denn an die Beschilderung der Stadt hält sich niemand so wirklich – oder es scheint sie niemand ernst zu nehmen.

Manche Schilder sind dabei durchaus missverständlich, das muss man den Autofahrern zugute halten. „Lieferverkehr und Anwohner frei“ steht zum Beispiel auf einem. Doch freie Fahrt ist gar nicht möglich, denn ein hoher Schotterhaufen liegt mitten auf der Strecke. Egal – keiner möchte hier wenden oder Unsicherheit zeigen. Rauf gehts auf den Schotterhaufen. Das Motto dabei: Augen zu und durch. Selbst Bürgersteige sind für die Autofahrer nicht tabu. Traut sich einer, trauen sich alle.

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Über diese Akrobatik kann Polier Christian Hoppe nur den Kopf schütteln. Neu ist ihm dieses Verhalten jedoch nicht. „Auf Baustellen haben wir schon die dollsten Dinge erlebt“, erzählt er. Während er redet, parkt im Hintergrund ein Wagen mitten in der Baustelle. Der Fahrer steigt aus und geht weg.

„Vor einigen Jahren haben wir eine Frau rufen gehört. Sie war mit ihrem Auto auf einen Schotterberg gefahren, und alle vier Räder hingen in der Luft. Sie hatte gedacht, dass sie da drüber passt“, erinnert sich Hoppe. Er ist jedoch zuversichtlich, dass sich bald nicht mehr so viele Autofahrer durch die Baustelle mogeln. „Schließlich gehen wir bald in die Tiefe, da ist das nicht mehr so einfach.“

Lastwagen wenden lieber vorher – und nutzen Wohnsiedlungen

Abgesehen von den Kunststücken der Baustellen-Kreuzer ist der Beginn der Bauarbeiten auch für die Anwohner der Buddenbergstraße kein Vergnügen. Angelika und Wolfgang Hoheisel beschweren sich, weil viele LKW nicht die Umgehungsstraße K44N nutzen. Obwohl schon vor dem Kreisverkehr ein Schild auf die Baustelle hinweist, wie Stadtsprecher Malte Woesmann betont. Die Autofahrer kümmert es nicht, oder sie verstehen es nicht. Sie fahren bis unmittelbar vor die Baustelle, wenden dann und biegen in die nächstbeste Straße ab – in diesem Fall in die Buddenbergstraße. „Das klappt ganz schlecht hier“, sagt Wolfgang Hoheisel. Und man hat nicht den Eindruck, dass er übertreibt.

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