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Verschüchterte Prostituierte belastet Angeklagten im Voodoo-Prozess

Prozess

Mit einer wichtigen Zeugin ist am Montag in Bochum der „Voodoo-Prozess“ um Zwangsprostitution und Ausbeutung in Bordellen in Selm, Dorsten, Castrop-Rauxel und Umgebung fortgesetzt worden.

Selm, Castrop-Rauxel, Dorsten

, 26.11.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Prostituierte (19) aus Nigeria, die am Montag vorm Landgericht in Bochum aussagte, hatte die Ermittlungen gegen die sechs Angeklagten in Gang gesetzt.

Im September 2016 war die Polizei in einem Rotlicht-Club aufgetaucht und hatte eine Routinekontrolle durchgeführt. Dabei war den Ermittlern eine nigerianische Prostituierte aufgefallen, die große Verständigungsprobleme offenbarte, keinen Pass vorweisen konnte und auch sonst einen sehr unsicheren Eindruck gemacht hat. Die 19-Jährige war anschließend mehrfach von der Polizei als Zeugin vernommen worden. Anfangs brachte die völlig verschüchterte Frau kaum ein Wort heraus. Schließlich offenbarte sie den Ermittlern dann aber nach und nach die Umstände ihrer illegalen Einreise als Bootsflüchtling über das Mittelmeer. Außerdem gab sie wichtige Erkenntnisse zu den Hintermännern und -frauen.

Stundenlang durchs Ruhrgebiet gefahren

Um die drei Rotlicht-Clubs im Ruhrgebiet ausfindig zu machen, in denen sie nach ihrer illegalen Einschleusung als Prostituierte gearbeitet hat, fuhren die Ermittler mit der Zeugin sogar stundenlang durch das Ruhrgebiet. Wie am Montag vor dem Bochumer Landgericht bekannt wurde, war die Zeugin auch so etwas wie der indirekte Namensgeber für die polizeiliche Ermittlungskommission.

Weil ihre vorläufigen Festnahme in einem Rotlicht-Club (in Wanne-Eickel) passiert war, der nach einer ägyptischen Geliebten des römischen Herrschers Julius Caesar benannt ist, hatte die Polizei fortan die Ermittlungen gegen die nigerianischen Hintermänner und mutmaßlichen Menschenhändler offiziell als „Ermittlungskommission Caesar“ geführt.

Schwere Vorwürfe gegen den Hauptangeklagten

Gegen den Hauptangeklagten (34) und seine Partnerin (35) erhob die 19-Jährige am Montag schwere Vorwürfe. Beide hätte sie geschlagen. Mal mit der Hand, mal mit einem Stock. Vor beiden habe sie bis heute „Angst“. Im „Voodoo-Prozess“ wird seit knapp einem Jahr zwei Frauen und vier Männern vor dem Bochumer Landgericht der Prozess gemacht. Fünf von sechs Angeklagten sitzen in U-Haft. Die Gruppe soll von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordells im Ruhrgebiet, auch nach Selm, vermittelt haben.

Der Prozess wird fortgesetzt. Die Urteile sind – Stand jetzt – frühestens im März 2019 zu erwarten.

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