Versicherung von Hamza K. schaltete sofort eine Spezialgruppe ein

Waffelino-Prozess

Im Prozess um den Waffelino-Brand beschäftigt sich das Dortmunder Schwurgericht jetzt mit Versicherungsfragen. Auffällig: Der Konzern, bei dem Hamza K. versichert war, reagierte sehr prompt.

Selm

, 08.03.2019, 13:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Versicherung von Hamza K. schaltete sofort eine Spezialgruppe ein

Hamza K. soll das Café Waffelino in Brand gesteckt haben. © Martin von Braunschweig

Der Zeuge, der am Freitag auf dem Zeugenstuhl Platz nehmen musste, gehört innerhalb des Konzerns einer Spezialgruppe an. Diese werde immer dann eingeschaltet, wenn der Verdacht aufkomme, die Schadensmeldung sei möglicherweise mit betrügerischer Absicht gestellt worden, sagte der Mann den Richtern.

Zeuge nennt Richtlinien

Im Fall des Angeklagten Hamza K., der zusammen mit seiner Lebensgefährtin das Café Waffelino betrieben hatte, bis dieses einem Großbrand zum Opfer gefallen war, wurde die Spezialgruppe vom Sachbearbeiter vor Ort umgehend kontaktiert. Auf die Frage, welche Anhaltspunkte sich denn in Richtung möglichen Betrug ergeben hätten, sagte der Zeuge: „Für uns ist es immer auffällig, wenn ein Versicherungsnehmer sich gerade erst selbstständig gemacht hat und es dann zum Schadensfall kommt." Darüber hinaus habe Hamza K. offensichtlich nicht vorgehabt, die Versicherungssumme sofort in den Wiederaufbau des Waffelino zu stecken.

Nicht kreditwürdig

Der Versicherungskonzern hatte nach der Meldung des Brandschadens außerdem sofort eine Art Schufa-Auskunft über den Waffelino-Betrieb eingeholt. Darin stand der Eintrag: Weitere Kredite würden nicht mehr vergeben.

Auffällig ist außerdem die Uhrzeit, zu der bei der Versicherung die erste Schadensmeldung einging. Offenbar bereits eine Stunde nach dem Feuer, und damit immer noch mitten in der Nacht, erreichte den Sachbearbeiter eine Mail. Auf die Frage, ob dies nicht grundsätzlich auch stutzig mache, antwortete der Zeuge am Freitag jedoch: „Das ist nicht von vornherein ein Anlass, uns als spezielle Gruppe einzuschalten."

Weitere Gutachter geladen

An den nächsten Verhandlungstagen wollen die Richter weitere Zeugen und Sachverständige vernehmen. Ein Experte des Landeskriminalamts soll unter anderem zu den Beschädigungen am Türschloss des Cafés befragt werden.

Andere Zeugen sollten eigentlich bereits am Freitag vernommen werden. Doch als deren Namen aufgerufen wurden, öffnete sich die Tür zum Sitzungssaals nicht. Obwohl sie ordnungsgemäß geladen wurden, fehlten die Zeugen unentschuldigt. Die teure Folge: Beiden wurde ein Ordnungsgeld von 150 Euro aufgebrummt. Sollte das nicht gezahlt werden können, droht den Zeugen sogar Ordnungshaft von drei Tagen.

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