Versteigerung in Selm: Wie ein rosa Kinderrädchen neue Besitzer fand

rnFundsachenversteigerung

Wie kommt es, dass ein rosa Kinderrädchen irgendwo stehen bleibt? Oder E-Bikes. Hingefahren mit Motor und zurück gelaufen? Solche Fragen kommen bei der Fundsachenversteigerung auf.

Bork

, 20.09.2020, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Selm versteigerte am Freitag, 18. September, in der alten Feuerwache in Bork 66 Fahrräder für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, zwei Kinderroller, fünf Angelruten und jeweils eine Bohr- und Schleifmaschine. Eine gute Gelegenheit für Schnäppchen.

Die alte Gerätehalle war damit ziemlich voll geräumt. Und alles musste raus – koste es, was es wolle. Manchmal gingen Teile für 50 Cent an den nächsten Besitzer, bei noch gut erhaltenen waren es dann auch schon einmal knappe 50 Euro. Und dabei war es immer noch ein Schnäppchen.

Rad für einen Euro für die Ausbildung

Larissa Dreier griff gleich beim ersten Damenrad zu. Für 1 Euro erstand sie ein Damenfahrrad, das allerdings schon bessere Jahre gesehen hatte. Aber es war ganz bewusst gewählt. „Ich ziehe bald zur Ausbildung nach Hannover und brauche das Rad für den Bahnhof“, erzählt sie. Wenn es dann gestohlen werden sollte, sei es nicht so schlimm.

Die alte Gerätehalle war vollgestellt mit Fahrrädern.

Die alte Gerätehalle war vollgestellt mit Fahrrädern. © Antje Pflips

Auktionator Falk Blaschke pries von seiner kleinen Bühne wortgewandt jedes Rad an und stellte dessen Vorzüge und Eigenheiten vor. Mal war es eine besondere Gangschaltung, ein zusätzlicher Tachometer, dann wieder ein hochpreisiger Sattel oder ein relativ neues Modell. Danach gab er das Startgebot. „Das macht keinen schlechten Eindruck“, meinte er zu einem Rad, das noch ganz passabel aussah.

Einige Räder nur noch Schrott

Kritische Worte waren zwischen den Zeilen erkennbar: „Das ist ein Old-School-Rad aus den 80er Jahren“. Doch auch mit noch so schmeichelhaften Worten „das Rad hat schon einiges erlebt“, ließen sich die rund vierzig Interessenten nicht überzeugen. Dieses Rad wollte selbst für 50 Cent keiner haben. Einige waren dann doch nur noch Schrott. Das rosa Kinderrad und zwei weitere kleine Modelle fanden schnell neue Besitzer.

Dieses Kinderrädchen ging für 10 Euro weg.

Dieses Kinderrädchen ging für 10 Euro weg. © Antje Pflips

Sehr engagiert wurde auf die E-Bikes geboten. Bei einem Modell war sogar noch das Ladegerät dabei. „Wir wissen aber nicht, ob noch alles so funktioniert“, merkte Blaschke an. Aber dennoch. Die Gebote schnellten in 5-Euro-Schritten hoch. Eine Familie konnte sich gleich drei Modelle für den Eigenbedarf sichern.

Christoph Scherle freute für sich über ein Mountainbike, das er für unter 50 Euro ersteigerte. „Ist wohl noch einiges daran zu machen, aber sonst in gutem Zustand“, stellte er fest. Vor der Versteigerung hatte er das Rad schon gesehen und in seine engere Auswahl gestellt: „Es war eines der besseren Modelle“. Er erzählte, dass er mit dem Vorsatz, ein Rad zu kaufen, gekommen sei. Andere Teilnehmer berichteten, dass sie aus Neugierde da waren und eigentlich nichts kaufen wollten.

Falk Blaschke (l.) prüft die Bremsen.

Falk Blaschke (l.) prüft die Bremsen. © Antje Pflips

Aber am Ende hatten auch sie etwas ersteigert. Weil wohl alles so spottbillig war, schlugen einige Teilnehmer öfter als einmal zu. Manche hatten später bis zu vier Räder ergattert. Interessenten für das Werkzeug waren ebenfalls vorhanden. Auch die drei im Angebot befindlichen Angelruten waren begehrt. Gregor Tuschmann sicherte sich ein Modell für 30 Euro. „Die Rute allein kostet neu schon 80 Euro und die Rolle noch einmal 40 Euro“, erklärte er. Auch die anderen beiden Angelbesitzer waren äußerst zufrieden mit ihrem Kauf. „Die ist wie nagelneu“.

Innerhalb von eineinhalb Jahren gefunden

Zum Schluss gingen alle nicht versteigerten Räder für fünf Euro an einen Bieter. Somit war die Gerätehalle leer geräumt und die Auktion erfolgreich beendet. „Die hier angebotenen Dinge wurden innerhalb von eineinhalb Jahren gefunden“, sagte Udo Röll (Stadt Selm). Warum sie herumstanden, weiß er auch nicht.

Fakt sei: Wenn sich die Eigentümer nicht melden und auch der Finder nach einem halben Jahr keinen Bedarf anmeldet, werden Fundsachen versteigert.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt